Vergesslichkeit als erstes Anzeichen

So könnten leichte Vergesslichkeit oder Wortfindungsstörungen ein erstes Anzeichen einer beginnenden Demenz sein, fügt die leitende Ärztin ambulante Dienste/Memory-Klinik, Klinik für Akutgeriatrie, Stadtspital Waid hinzu.

«Später betrifft die Vergesslichkeit vor allem das Speichern von neuen Informationen. Abmachungen werden nicht eingehalten, Gesagtes bleibt nicht im Gedächtnis.» Demenz sei immer ein schleichender Prozess und durchlaufe verschiedene Phasen.

«Früherkennung zu Beginn einer Demenzerkrankung ist das A und O. Denn in dieser Situation sind Betroffene und Angehörige besonders in Not»

In der Frühphase sei es schwierig, zwischen normaler Altersvergesslichkeit und Demenz zu unterscheiden. Dabei sei besonders in dieser Phase wichtig, dass die Symptome ernst genommen werden und eine Abklärung erfolgt.

«Früherkennung zu Beginn einer Demenzerkrankung ist das A und O. Denn in dieser Situation sind Betroffene und Angehörige besonders in Not – sie merken zwar, dass etwas nicht stimmt, doch sie wissen nicht, was los ist», erklärt Dr. med. Irene Bopp-Kistler.

Wertvolle Zeit geht verloren

Die Realität sieht leider anders aus. Häufig warten die Betroffenen und Angehörigen mit einer Abklärung zu lange und lassen wertvolle Zeit verstreichen. Eine Diagnose wird im Schnitt erst zwei bis drei Jahre nach den ersten Symptomen gestellt. Eine frühzeitige Demenzdiagnose hilft jedoch, die Krankheit zu verstehen und auf die Veränderungen zu reagieren.

Umso wichtiger sei es, bereits in der Frühphase den Hausarzt aufzusuchen. «Dieser kann mit einfachen Tests herausfinden, ob möglicherweise eine beginnende Demenz hinter der Vergesslichkeit steckt.» Sind die Resultate auffällig, seien weitere Abklärungen in einer Memory-Klinik sinnvoll.

«In der Memory-Klinik ist mittels erweiterter Abklärung wie Bildgebung, breiter Laboruntersuchung, medizinischer Untersuchung und neuropsychologischer Testung eine sichere Zuordnung der Hirnleistungsstörung möglich», sagt Dr. Bopp. Nicht jede Hirnleistungsstörung entspreche einer Alzheimererkrankung.

Sie könne beispielsweise auch durch körperliche Erkrankung verursacht werden. Eine klare Diagnose erleichtere dagegen, auch wenn sie schwerwiegend ist. «Unausgesprochenes wird ausgesprochen, was wiederum zur Entlastung führt», erklärt Dr. Bopp. Eine klare Diagnose ist aber auch Voraussetzung für eine ganzheitliche Therapieeinleitung.

Gingko-Präparate können helfen

Dabei kann die Abgrenzung einer altersbedingten Vergesslichkeit und einem beginnend krankhaften Prozess sehr schwierig sein. Das Verlegen von Dingen und die Suche nach Namen oder Wörtern müssen nicht Hinweise auf eine beginnende Erkrankung sein. Wichtige Unterscheidungsmerkmale können dabei die Häufigkeit von Fehlleistungen und das Vorhandensein von Kompensationsstrategien sein.

«Eine Demenzerkankung beginnt meist unmerklich, oft lediglich mit einer leichten Gedächtnisstörung ohne wesentliche Alltagsstörung, wir sprechen dann von einer milden Hirnleistungsstörung (Mild Cognitive Impairment: MCI).

Das MCI kann das Frühstadium einer Alzheimererkrankung sein, der Verlauf kann aber auch über längere Zeit stabil sein oder sich wieder verbessern und möglicherweise mit Ginkgo-Präparaten positiv unterstützt werden», so Irene Bopp.