«Bei der Psoriasis kommt es zu einem rasanten Wachstum der Hautzellen, welche in der Folge unreif an die Oberfläche gelangen. Es entstehen die für eine Psoriasis-Haut typischen Schuppenareale», erklärt die Dermatologin Dr. Nathalie Irla.

Zum Vergleich: Normalerweise erneuern sich Hautzellen alle 28 Tage, bei Patienten mit Psoriasis ist diese Phase oft auf vier bis sieben Tage verkürzt.

«Psoriasis-Arthritis kann sich sehr vielfältig zeigen. Es kann ein Kniegelenk entzündet sein, ein Finger geschwollen oder eine Zehe schmerzhaft sein. Nicht selten ist die Wirbelsäule betroffen, besonders im Beckenbereich»

Als ursächlich gilt eine vererbte genetische Veranlagung. Auch wenn diese vorhanden ist, muss die Krankheit jedoch nicht immer zum Ausbruch kommen. «Äussere Faktoren wie Krankheiten, Operationen oder Stress können einen Schub auslösen», weiss Dr. Irla.

Besonders tückisch: Psoriasis hat keinen typischen Krankheitsverlauf und ist individuell sehr verschieden. Zudem können auch Jahre nach den ersten Hautsymptomen Gelenksbeschwerden hinzukommen. «Es ist deshalb wichtig, dass wir Hautärzte auf Feinzeichen achten und immer wieder aktiv nachfragen, ob eine Gelenkproblematik neu aufgetreten ist.

Ist dies der Fall, überweise ich die Patienten an einen Rheumatologen», sagt Dr. Irla.

 

Wenn die Gelenke plötzlich schmerzen

Bernadette Jost leidet seit ihrem sechsten Lebensjahr an Psoriasis. «Im jungen Erwachsenenalter sind dann zusätzlich  die typischen Beschwerden einer Psoriasis-Arthritis hinzugekommen: steife Gelenke am Morgen, Schmerzen nach Belastung und eine zunehmende Müdigkeit.

Als ehemalige Pharmaassistentin hatte ich sofort einen Verdacht und bin direkt zum Rheumatologen gegangen. Dieser bestätigte meine Vermutung.» Psoriasis-Arthritis ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem falsch funktioniert und in der Folge zu einer Entzündung in den Gelenken führt.

«Psoriasis-Arthritis kann sich sehr vielfältig zeigen. Es kann ein Kniegelenk entzündet sein, ein Finger geschwollen oder eine Zehe schmerzhaft sein. Nicht selten ist die Wirbelsäule betroffen, besonders im Beckenbereich», erklärt der Rheumatologe Dr. Thomas Langenegger. Der Verlauf einer Psoriasis-Arthritis ist sehr unterschiedlich.

Von einem einzigen betroffenen Gelenk bis hin zu mehreren entzündeten Gelenken. «Ganz schwere Verlaufsformen sind glücklicherweise selten. Häufig verläuft die Psoriasis-Arthritis in Schüben», sagt Dr. Langenegger.

Die Diagnose basiert einerseits auf der vorhandenen Hautbeteiligung sowie der Feststellung eines entzündlichen Gelenk- und Wirbelsäulenbefalls. Bestätigt wird die Diagnose durch Labor- und Röntgenuntersuchungen.

«Es ist wichtig, dass Psoriasispatienten sensibilisiert sind, dass eine Gelenkbeteiligung möglich ist, und bei Gelenkproblemen mit ihrem Arzt sprechen», betont der Rheumatologe. Um bleibende Gelenkschäden zu vermeiden, ist eine frühe Diagnosestellung sehr wichtig.

«Die definitive Diagnose war zwar ein Schock für mich, doch konnten meine Schmerzen dank den passenden Medikamenten endlich gelindert werden», sagt Bernadette Jost. In Rücksprache mit dem Dermatologen wird der Therapieplan festgelegt. Denn nicht alle Medikamente gegen die Entzündung der Gelenke wirken auch gegen die Hauterkrankung.

Zur Behandlung gibt es einerseits Antirheumatika, welche die Schmerzen hemmen, jedoch nicht verhindern, dass die Gelenke Schaden nehmen können. «Bei Patienten mit starker Gelenksbeteiligung setzt man sogenannte Basismedikamente ein, deren Ziel es ist, die Entzündung zu unterdrücken, damit die Gelenke keinen Schaden nehmen.

Zudem gibt es Medikamente, die sogenannten Biologika, welche die  Entzündungsvorgänge in den Gelenken wie auch in der Haut unterdrücken und so im Idealfall erreichen, dass die Erkrankung absolut ruhiggestellt wird», erklärt Dr. Langenegger.

Trotz den modernen Medikamenten ist es nicht möglich, die Erkrankung zu heilen, und die Therapie muss lebenslang fortgeführt werden. «Die Erkrankung hat für mich viele Veränderungen mit sich gebracht. Ein verständnisvolles Umfeld und der Austausch mit anderen Betroffenen ist mir sehr wichtig.

Deshalb engagiere ich mich auch bei der Schweizerischen Polyarthritiker-Vereinigung», so Jost abschliessend.