Im Rahmen der ärztlichen Indikation geht es um die richtige Massnahme, die nach einer Diagnose getroffen werden muss. Bei der Diagnose Kniearthrose etwa wird als Indikation eine Kniearthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt.

Trotz nachfolgender Operation durch einen guten Chirurgen stelle sich unter Umständen keine Verbesserung der Beschwerden ein, erklärt der Facharzt Patrick Holzmann: «Auch wenn der Eingriff erfolgreich verläuft, ändert dies nichts am Prozess der Abnützung des Gelenks.»

Zwar würden die Ergebnisse von Operationen unter anderem mit sogenannten Scores evaluiert. «Diese sind aber schematisiert und widerspiegeln nicht, ob der Patient einen wirklichen Nutzen von der Operation hat, auch wenn der Score top ist.»

Optimale Behandlung

In der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion werde regelmässig mehr Spezialisierung der Spitäler gefordert, sagt Holzmann. Aber selbst wenn bestens qualifiziertes Personal zur Verfügung steht, sei damit noch nicht gewährleistet, dass den Patienten auch tatsächlich geholfen wird.

Die Diagnose- und die Indikationsstellung sind entscheidende Eckpunkte in der ärztlichen Behandlung der Patienten

«Exakt hier befinden wir uns am Punkt der Diagnose- und Indikationsqualität», betont der Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates.

Sowohl bei der Diagnose- wie auch bei der Indikationsstellung erfolge eine intensive Interaktion zwischen Arzt und Patient.

«Der Patient wünscht eine optimale Versorgung und vertraut darauf, die richtige Behandlung zu erhalten. Daneben will er aber auch mitentscheiden können.» Ähnliche Ziele strebe der behandelnde Arzt an.

Er will nicht nur die optimale Behandlung für seine Patienten, sondern auch die korrekte Diagnose stellen und die Indikation richtig beurteilen können.

Vertiefte Kenntnisse

Die Diagnose- und die Indikationsstellung sind deshalb entscheidende Eckpunkte in der ärztlichen Behandlung der Patienten. In der Qualitätsdiskussion werden diese beiden Dimensionen jedoch häufig vernachlässigt, obwohl sie andere Qualitätsdimensionen wie beispielsweise die Ergebnisqualität massgeblich beeinflussen.

Die Diskussion über einzelne Qualitätsaspekte sei daher nur begrenzt sinnvoll, sagt Holzmann. «Die Zusammenhänge sind komplex und müssen weiter erforscht werden.» Nötig seien vertiefte Kenntnisse über die vielfältigen Einflüsse auf die Diagnose- und Indikationsqualität.

Eine transparente Darstellung der Indikation zu einem medizinischen Eingriff sei der Schlüssel zur Mengensteuerung medizinischer Leistungen und damit ein Garant zur Einsparung von Ressourcen, die heute oft für unnötige Therapien verbraucht werden, fasst Holzmann zusammen.