Muskuloskelettale Beschwerden im Rücken und an den oberen Extremitäten haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Sie schränken das Leistungsvermögen der betroffenen Erwerbstätigen ein und sind Ursache für einen Grossteil der gesundheitsbedingten Arbeitsabsenzen. Schätzungen gehen davon aus, dass Rückenprobleme betriebliche und volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe verursachen.

«Rückenschmerzen sind einer der häufigsten Gründe für eine Konsultation beim Arzt», sagt denn auch der Fachspezialist Markus Rühli. Dabei zeigt sich, dass alle Altersschichten, sowohl bei Frauen wie bei Männern, davon betroffen sind.

Mehrstufige Therapien

«Auch wenn der Lebenswandel eine wichtige Rolle spielt, weiss man heute, dass Rückenschmerzen vielfach erblich veranlagt sind», erläutert Rühli. Ein Grossteil aller Diskushernien lässt sich konservativ behandeln. Der Therapieerfolg hängt in erster Linie von einer exakten Diagnose ab, die von einem Facharzt vorgenommen werden muss.

Bei der Behandlung wird in aller Regel ein dreistufiges Verfahren angewendet. In einem ersten Schritt wird versucht, die Schmerzen medikamentös zu behandeln, kombiniert mit physiotherapeutischen Massnahmen und dem Vermeiden ungünstiger Belastungen. In einem zweiten Schritt kommt die interventionelle Schmerzherapie zum Zug.

Dabei injiziert der Arzt ein Mittel gegen Schmerzen, häufig auch Kortison, gezielt in die schmerzverursachenden Strukturen, zum Beispiel die Nervenwurzel oder den Wirbelknochen, um die Rückenschmerzen zu lindern. Als dritte und letzte Option steht eine Operation zur Diskussion.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

«Die Indikationsstellung zu einem Eingriff erfolgt immer erst nach ausführlicher Befragung und Untersuchung des Patienten durch den Wirbelsäulenchirurgen», betont Markus Rühli. Dieser berücksichtigt die bildgebende Diagnostik, die bislang konservativ durchgeführten Massnahmen und deren Resultate und entwickelt gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan für das weitere Vorgehen.

In den letzten Jahren, so Rühli, habe sich dabei die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Orthopäden, Neurochirurgen, Physiotherapeuten und auch den Hausärzten bewährt. «Bei den operativen Methoden stehen heute sowohl minimal-invasive Operationstechniken als auch die klassischen offenen Operationen zur Verfügung. Welches Verfahren zur Anwendung kommt, wird zuvor detailliert evaluiert.»

Eine selektive Dekompression über mehrere Etagen als alleinige operative Therapie könne bei ausgeprägter Spinalkanalstenose durchgeführt werden, wenn die neurogene Beinschmerzsymptomatik den Rückenschmerz deutlich übersteigt und eine Instabilität und zunehmende Fehlstellung der Wirbelsäule radiologisch ausgeschlossen werden können.

Fundierte Kenntnisse

Die Wirbelsäulenchirurgie umfasst heute das gesamte Spektrum an Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule. Sie stellt damit eine Überschneidung zweier Fachrichtungen dar, der orthopädischen Chirurgie und der Neurochirurgie.

«Zur chirurgischen Behandlung der Wirbelsäule sind fundierte Kenntnisse und Erfahrungen über diverse Operationstechniken von Wirbelkörpern, Bandscheiben, Wirbelgelenken, aber auch über das Rückenmark und die dort befindlichen Nerven notwendig», betont Markus Rühli.

Zu den Behandlungsschwerpunkten in der Wirbelsäulenchirurgie zählen insbesondere die operative Therapie der Wirbelkanalverengung, von Bandscheibenvorfällen, Wirbelbrüchen, Instabilitäten und degenerativen oder angeborenen Fehlbildungen der Wirbelsäule.

«Grundsätzlich kann man sagen, dass in über 90 Prozent aller Fälle keine Operation erfolgt, es sei denn der Patient leidet unter neurologischen Ausfällen oder unerträglichen Schmerzen», so Rühli. Im Normalfall werde aber versucht, die Rückenschmerzen konservativ zu behandeln, was in der Mehrzahl der Fälle zum Erfolg führe.