Was haben die Malerin Frida Kahlo und die Schauspielerin Isabella Rossellini gemein? Beide litten im Mädchenalter unter Skoliose.

Beide liessen sich von der Wirbelsäulenverkrümmung nicht abhalten, Weltkarriere zu machen.

Eine als bedeutende Malerin ihrer Generation. Die andere als eine der schönsten Frauen der Welt. Doch der Weg dorthin war hart und von mehreren Operationen unterbrochen.

Mit der Skoliose – die übrigens bei allen Wirbeltieren vorkommen kann – wird eine Seitabweichung der Wirbelsäule bezeichnet.

Die Wirbelkörper verformen sich, die Längsachse kann nicht mehr durch die Muskeln aufgerichtet werden. Weltweit kommt Skoliose bei 1,1 Prozent der Bevölkerung vor.

Während der Pubertät

Die Skoliose wird zu den Wachstumsdeformitäten gezählt. Das heisst, sie tritt während der Jugend auf und verschlechtert sich insbesondere während der Wachstumsschübe in der Pubertät.

Die Medizin unterscheidet dabei zwischen drei Skoliose-Typen: bis zum dritten Lebensjahr entstehend, zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr und ab dem elften Lebensjahr.

In der Mehrheit der Fälle bleibt die Ursache unbekannt; ein Grund kann die angeborene Wirbelfehlbildung sein, die Forschung schliesst auch hormonell bedingte Wachstumsstörungen nicht aus (dass Betroffene meist etwas grösser sind als Gleichaltrige, wäre ein Hinweis darauf).

Ebenso ist bis heute nicht möglich, schlüssig vorherzusagen, wie die Krümmungen sich auswirken werden.

Früherkennung schwierig

Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Zwar sind kleine Abweichungen von der Achse dieser Säule durchaus normal.

Keine Wirbelsäule ist gerade. Tatsächlich kann man bei jedem zehnten Jugendlichen schon von einer leichten Skoliose sprechen, deren Krümmungswinkel von 10 bis 40 Grad ein Eingreifen nicht notwendig macht.

Bei der schweren Skoliose – bei einer Krümmung von mehr als 50 Grad – ist die Krankheit allerdings offensichtlich: ein Buckel kann sich bilden, das Becken steht schief. Dennoch ist die Früherkennungsrate gering, da der Verlauf schleichend und anfangs nicht mit Schmerzen verbunden ist.

Die Wirbelsäulenverkrümmung kann verhältnismässig rasch auftreten, während eines pubertären Wachstumsschubs sogar innert weniger Monate.

Je schneller das Körperwachstum, desto schneller nehmen die Krümmungen zu.

Darum sollte schnell gehandelt werden, wenn zum Beispiel das Becken auf einer Seite höher ist als auf der anderen oder beim aufrechten Stehen die Schultern asymmetrisch scheinen, nicht auf derselben Höhe sind.

Die Erkrankung kann sich auf die Rippen auswirken, wobei sich diese nach aussen und oben hin verschieben. Unbehandelt nimmt die Krümmung im Laufe des Lebens weiter zu, bis sie sogar die Atmung beeinträchtigt.

Stützkorsetts können die Wirbelsäule etwas entlasten, doch in der Regel haben die Betroffenen starke Schmerzen auszustehen.

OP ohne Erfolgsgarantie

Konservativ behandelt wird mit qualitativ hochwertigen Korsetten. In Verbindung mit Physiotherapie kann im jugendlichen Alter die Wirbelsäule fast ganz begradigt werden.

Die Operation ist mit erheblichen Risiken wie der Querschnittslähmung verbunden und kommt erst infrage, wenn die konservative Behandlung keinen Erfolg zeitigt. Ab der Verkrümmung von 60 Grad ist ein Operationserfolg infrage gestellt.

Die Wirbelsäule wird dabei so weit als möglich aufgerichtet und dann mit Implantaten verstärkt.

Die Fortschritte der 3D-Druck-Technologie geben zu Hoffnung Anlass, da durch die Erfassung der Anatomie des Patienten die Operation präziser wird.

Die Krankheit wurde in der Antike erstmals von Sokrates beschrieben – doch es scheint, dass die Verkrümmung des Rückens in unserer Zeit der Moderne an Bedeutung zunimmt.

Denn Bewegungsmangel führt bei einer wachsenden Zahl von Jugendlichen zu Rückenschmerzen. Einer Studie mit 17000 Kindern zufolge leiden über drei Viertel der 11- bis 17-Jährigen an Rückenschmerzen.