Es gibt keine Entbindung, bei der es nicht blutet. Das ist völlig normal. Vor und während der Geburt können leichte Blutungen vom Muttermund ausgehen. Diese sind nicht besorgniserregend, sollten aber ebenfalls beobachtet werden.

Stärkere Blutungen während der Geburt können indes eine ernsthafte Gefahr für Mutter und Kind darstellen. Eine mögliche Ursache für Blutungen im dritten Trimenon der Schwangerschaft oder während der Geburt können Plazentakomplikationen sein, entweder durch eine vorzeitige Plazentalösung oder durch eine vor dem Muttermund liegende Plazenta.

Da diese heute normalerweise bei einer Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft festgestellt wird, werden die meisten Fälle vor dem Einsetzen der Wehen diagnostiziert.

Meist keine Folgeerscheinungen

«Nach jeder Geburt kann es zu starken Blutungen kommen», sagt Daniel Surbek, Chefarzt Geburtshilfe und feto-maternale Medizin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern. Mögliche Ursachen sind Geburtsverletzungen, Atonie (Gebärmutterschwäche), Plazentareste oder eine Blutgerinnungsstörung.

Es kann dabei rasch zu einem Schockzustand der Mutter kommen. Die Behandlung umfasst je nach Situation medikamentöse und operative Therapien.

Meist müssen mehrere Bluttransfusionen verabreicht werden. Im schlimmsten Fall muss die Gebärmutter entfernt werden, um das Leben der Frau zu retten. «Hauptkomplikation ist die eventuelle Notwendigkeit der Gebärmutterentfernung, die zur Infertilität führt. Schwerste mögliche Komplikation ist der mütterliche Todesfall», so Professor Surbek.

Dies kommt auch heute noch etwa einmal pro Jahr in der Schweiz vor. Wenn die Behandlung aber erfolgreich ist und die Gebärmutter erhalten werden kann, gibt es meist keine langfristigen Folgeerscheinungen.

Engmaschig und sorgfältig kontrollieren

Ein geringgradiger Blutverlust bei der Geburt ist im Übrigen völlig normal. Eine Frau kann bei der Entbindung sogar bis zu 15 Prozent ihrer Blutmenge verlieren, ohne dass ihre Blutbildwerte sinken oder eine Blutarmut entsteht. Bei bis zu 20 Prozent Blutverlust reicht es meist aus, den Kreislauf mit Volumen-Infusionen (Flüssigkeit) zu unterstützen.

Bei mehr als 20 Prozent kommen Blutkonserven oder Gerinnungsfaktoren zum Einsatz. Blutdruck und Puls der Gebärenden müssen bei Blutungen aber immer engmaschig und sorgfältig kontrolliert werden. Aus­serdem wird in den meisten Kliniken routinemässig bei Geburtsbeginn ein venöser Zugang gelegt und Blut en tnommen.

Ebenfalls standardmässig wird jeweils eine Gerinnungsanalyse durchgeführt, um rechtzeitig allfällige Gerinnungsstörungen zu erkennen. Wie Daniel Surbek erklärt, sind Blutungsneigungen nicht selten. Sie kommen bei rund fünf Prozent aller Schwangeren vor.

Viele Frauen wissen allerdings nichts davon. Als postpartale Hämorrhagien werden Blutungen bezeichnet, die in der Nachgeburtsperiode, also nach der Geburt des Babys, auftreten.