Seit Kindheit kennen wir die alljährlich wieder auftretenden Gesundheitsprobleme, die uns alle betreffen und bis ins hohe Alter begleiten. Es sind dies die körperlichen Herausforderungen durch die veränderte Umwelt im Winter. Sobald die Tage kürzer und die Temperaturen kälter werden, belasten uns Infekte der oberen und unteren Luftwege, welche auch Auswirkungen auf unsere Ohren haben können.

Nase und Nasennebenhöhlen

Wir atmen normalerweise durch unsere Nase ein und aus. Eine Mundatmung ist bereits pathologisch. Mit der Nasenatmung nehmen wir neben Reizstoffen und Staubpartikeln auch Mikroorganismen auf. Eine normal weite Nase kann mit diesen Reizen normalerweise suffizient umgehen. Kommt aber ein zusätzlicher Reiz wie die kalte Luft dazu, beginnt das Gleichgewicht zu kippen. Kühlere Luft führt zu einer Reaktion der Nasenschleimhaut: Diese wird geschwollen. Damit ändert sich der Luftraum in der Nase: Die Nase wird enger und die Nasenatmung fühlt sich mühsamer an.

Es ist seit langem bewiesen, dass eine enge Nase als Fänger für Viren gilt. Viren haben mikroskopisch kleine stachlige Oberflächenstrukturen. Damit können sie sich in der Schleimhaut verfangen und dort ihre krankhafte Wirkung erst auslösen. Diese Viren führen zu den bekannten Schnupfeninfekten. Laufende Nase, Juckreiz, Nasenblockade und weitere Probleme wie Kopfschmerzen, Unwohlsein und eventuell Gesichtsschmerzen können die unangenehmen Folgen sein. Was können Sie dagegen tun?

Am allerwichtigsten ist die Freihaltung der Nase. Spülen Sie Ihre Nase regelmässig mit folgender selbstgemischter Salzwasserlösung: ein Deziliter lauwarmes Wasser mit drei kleinen Prisen Kochsalz (normales Küchensalz), aufgerührt und aufgelöst. Applikation in die Nase beispielsweise mit einer 20-Milliliter-Spritze oder einem Nasenspülballon oder Ähnlichem. Mit dem täglichen Auswaschen der Nase können Sie die Viren und andere Reizstoffe aus der Schleimhaut befreien.

Viele Menschen führen dies das ganze Jahr hindurch jeden Tag durch. Im Februar beginnt ja bereits die zusätzliche Belastung durch den Pollenflug. Dann ist diese regelmässige Nasenspülung ebenfalls von grösstem Vorteil. Eine zu enge Nase kann durch eine Nasenoperation (Nasenscheidewandbegradigung, Verkleinerung der Nasenmuscheln, Stabilisierung der Nasenseitenwände mit einem Titan-Breathe-Implantat) bleibend verbessert werden. Eine operativ erweiterte und stabilisierte Nase entzündet sich signifikant weniger. Viele operierte Patienten berichten, dass sie im Winter praktisch keinen Schnupfen mehr haben.

Nasennebenhöhlenentzündungen

Als Folge der verengten Nase kommt es auch vermehrt zu Infekten der Nasennebenhöhlen (Stirnhöhle, Kieferhöhle und andere). Diese Infekte müssen oft auch mit weiteren medizinischen Massnahmen therapiert werden. Eine Antibiotikatherapie ist teils notwendig. Davor muss aber die präzise Diagnostik mittels Röntgenbildern  gesichert sein. Viel zu viele Antibiotika werden nur wegen Gesichtsschmerzen abgegeben, welche eigentlich nicht durch eine Nasennebenhöhlenentzündung bedingt sind.

Gesichtsschmerzen können auch durch Muskelverspannungen, Zahnprobleme oder weitere Ursachen im Kopfbereich ausgelöst sein. Wenn die Nasennebenhöhleninfekte durch Antibiotika nicht beseitigt werden können, ist eine endonasale endoskopische Eröffnung der Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen hilfreich. Heutzutage sind diese Eingriffe praktisch schmerzfrei durchführbar. Allerdings ist bei einer solchen Operation eine Hospitalisation von drei Tagen einzuplanen.

Hals und Kehlkopf

Das ganze Schleimhautsystem zwischen Nase, Rachen und Kehlkopf hängt zusammen. Ein Infekt in der Nase oder den Nasennebenhöhlen führt in der Folge oft zu Halsentzündungen  und Kehlkopfproblemen. Absteigendes Syndrom (syndrome descendant). Kausal müssen auch hier zuerst die Nase und die Nasennebenhöhlen saniert werden. Oft wird bei wiederkehrenden Halsschmerzen und Infekten vergessen, dass hinter der ganzen Problematik eigentlich eine zu enge Nase steht. Die Deblockade der Nase ist die angesagte Therapie für rezidivierende Halsprobleme. Eine Mundatmung ist unphysiologisch. Viel zu viele Menschen atmen nachts durch den Mund. Dabei sollte jeder gesunde Mensch durch seine Nase atmen können.

Ohren

Auch die Schleimhaut der Mittelohren ist in einem Kontinuum zur Nase. Die eustachische Röhre (Ohrtrompete) mündet im Nasen-Rachen-Raum. Entzündungen der  Nase können also auch in das Mittelohr fortgeleitet werden. Dort zeigt sich dies in einer Mittelohrentzündung, welche sehr schmerzhaft sein kann. Das Hörvermögen wird dumpf und das Ohr fühlt sich voll an. Auch bei einer Mittelohrentzündung ist die Antibiotikatherapie oft notwendig. Aber auch hier sollte das Augenmerk auf eine gesunde Nase gelegt werden. Wiederholte Mittelohrentzündungen bedürfen ebenfalls oft vorher der Nasenoperation, bis die Ohren ausheilen können.

Ein Schnupfen kann bereits zu Belüftungsstörungen der eustachischen Röhre führen, welche beispielsweise beim Fliegen sehr unangenehm werden kann. Wenn das Flugzeug die Flughöhe verlässt und zum Landeanflug sinkt, kann der Druckausgleich äusserst starke Schmerzen im Ohr verursachen, weil das Trommelfell zu sehr gespannt wird. Vor einem Flug sollte man also immer testen, ob die Belüftung  der Ohren über die Ohrtrompete funktioniert. Halten Sie dazu die Nase zu und pressen Sie so stark Luft in die Nase, wie Sie nur können. Wenn das Ohr dabei nicht aufgeht, sollten Sie eventuell auf die Flugreise verzichten.