Herr Dr. med Ulrich Böhni, was genau versteht man unter Manueller Medizin?

Die Methode besteht darin, mit den Händen am Patienten etwas zu diagnostizieren oder zu therapieren. Gerade für Hausärzte ist die Manuelle Medizin eine hervorragende, FMH-zertifizierte Zusatzausbildung sowie ein gutes «Werkzeug», um Patienten in der Praxis zielgerichtet zu behandeln.

Was zeichnet die Behandlungsmethode aus?

Bei plötzlich auftretenden Rückenschmerzen stellt der Manual Mediziner beispielsweise fest, wo sich eine Störung oder eine Blockade befindet. Er löst diese durch einen bestimmten Handgriff.  Auch bei Patienten mit langanhaltenden Rücken- oder Kopfschmerzen lässt sich die Schmerzursache oftmals schnell lokalisieren. Der behandelnde Arzt untersucht in solchen Fällen, ob die Muskulatur, die Kraft der Haltemuskulatur, die Bandscheibe oder einfach eine Blockierung die Ursache ist.  

Was ist bei der Untersuchung zu beachten?

Die Behandlung eines Rückenproblems setzt immer eine differenzierte Diagnose voraus. Wo genau die Funktionsstörung liegt, wird in der Manuellen Medizin direkt am Patienten festgestellt. Ein Röntgenbild oder MRI zeigt zwar die Strukturen, nicht aber die Schmerzen.

Nehmen wir beispielsweise einen Hexenschuss: Möglich ist, ein bestimmtes Schmerzmittel zu spritzen und das Resultat abzuwarten. Der Patient kann aber auch mit der Methode der Manuellen Medizin auf eine Blockierung oder Muskelverspannung in einer Wirbelsäulenregion hin untersucht werden. Diese lässt sich dann mittels bestimmter Handgriffe lösen.

Was für Handgriffe sind das?

Beim Hexenschuss wird der Patient sanft nach links und nach rechts bewegt, um festzustellen, auf welcher Seite es schmerzt. Dann stellt der Arzt die Region mit den Händen schmerzfrei ein und gibt einen kurzen Impuls, um die Blockierung zu lösen.

Mit der Manuellen Medizin können aber nicht nur Wirbel mobilisiert,  sondern auch Triggerpunkte verspannter Muskeln behandelt werden. Eingeschränkte Bewegungen werden so durch spezielle Muskelreflextherapien verbessert.

Was sind die Vorteile dieser Behandlungsmethode?

Die Manuelle Medizin ermöglicht eine schnelle und wirkungsvolle Funktionsdiagnose. Die Patienten schätzen es, richtig untersucht und nicht erst geröntgt zu werden, Tabletten verschrieben oder eine Spritze verabreicht zu bekommen. P

robleme lassen sich zudem oftmals exakter beurteilen und weitere Abklärungs- oder Behandlungsschritte genauer planen.

Welche Rolle spielt die Berührung des Patienten?

Allein schon die Berührung kann wegen schmerzphysiologischer Zusammenhänge schmerzlindernd wirken. Der Körper reagiert darauf. Berührt man eine schmerzende Stelle, verschwindet der Schmerz; lässt man die Stelle wieder los, kehrt er zurück. Dies sind klare Anzeichen für die richtige Therapiewahl.

Gibt es Behandlungsrisiken?

Die Manuelle Medizin ist eine wirksame und schonende Methode. Wichtig ist aber auch, dass die Patienten zuerst gründlich befragt und untersucht werden.  Zeigt die Therapie keine nachhaltige Verbesserung, sind andere Behandlungswege vorzusehen.

Zum Beispiel?
Bei einem Bandscheibenvorfall, einer Entzündung oder einem Tumor an der Wirbelsäule. Auch bei chronischen Schmerzen werden zusätzliche Therapien angewandt. Es gibt aber auch Patienten, deren Beschwerden auf einer falschen Körperhaltung vor dem PC zurückzuführen sind.

Hierfür bedarf es einer Beratung, wie die Haltemuskulatur, beispielsweise durch Physiotherapie und Krafttraining,  gestärkt werden kann.

Wann empfehlen Sie die Kontaktaufnahme mit einem FMH-zertifizierten Manual Mediziner?

Immer dann, wenn der Patient oder die Patientin Schmerzen an der Wirbelsäule, an den Gelenken oder in den Muskeln verspürt.