Morbus Parkinson zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In der Schweiz leben rund 15000 Menschen mit Parkinson. Ein Prozent der über 60-Jährigen und rund drei Prozent der über 80-Jährigen sind davon betroffen – Männer wie Frauen.

Krankheitsbild

«Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems. In bestimmten Regionen des Gehirns gehen die Nervenzellen, welche die bewussten Bewegungsabläufe steuern, allmählich zugrunde. Die Ursachen dafür sind bis heute unklar», betont Dr. med. Stefan Hägele-Link.

Durch den Zellverlust im Gehirn produziert der Körper zu wenig Dopamin. Ein Mangel dieses wichtigen Botenstoffes kann zu Störungen der Motorik und des Wohlbefindens führen.

Motorische und nicht-motorische Symptome

Parkinson äussert sich in vielen Facetten. Die Diagnose wird klinisch gestellt. «Vier motorische Symptome sind für eine Diagnose ausschlaggebend», betont Dr. med. Georg Kägi.

«Begleitend zur medikamentösen Therapie ist die aktive Teilnahme der Betroffenen durch eine Physio- und Bewegungstherapie wichtig sowie ein gezieltes Sprachtraining.»

«Das Hauptkriterium für eine Diagnosestellung ist die Verlangsamung der Bewegungsabläufe, die bis zur Unbeweglichkeit (Akinese) führen kann. Weitere motorische Symptome der Erkrankung äussern sich durch eine Muskelsteifheit (Rigor), ein Zittern im Ruhezustand (Tremor) sowie Gleichgewichtsprobleme (posturale Instabilität).»

Neben diesen motorischen Symptomen leiden Betroffene häufig unter Befindlichkeitsstörungen, die auf den ersten Blick nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht werden.

«Nicht-motorische Symptome wie Geruchs-, Schlaf- und Verdauungsstörungen, kognitive Probleme, vermehrtes Schwitzen und eine Depression können unter anderem frühe Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung sein.»

Therapiemöglichkeiten

«Parkinson ist zwar nicht heilbar, aber wir haben viele Möglichkeiten, die Krankheit gezielt zu behandeln», erklärt Dr. Hägele-Link. «In der ersten Phase der Erkrankung, der sogenannten 'Honeymoon-Phase', sprechen Betroffene sehr gut auf auf orale medikamentöse Therapien welche die Wirkung von Dopamin nachahmen, oder dessen Abbau unterdrücken, an. Diese Phase kann mehrere Jahre andauern.

Wenn die Erkrankung fortschreitet, ändert sich die Wirkung der Medikamente. Stand zu Beginn die Unterbeweglichkeit im Vordergrund der Beschwerden, kann es nun zusätzlich zu unwillkürlichen Bewegungen (Dyskinesien) und Wirkungsschwankungen im Tagesverlauf kommen, in deren Rahmen die Patienten wie 'an- und ausgeschaltet' sein können.

Die medikamentöse Einstellung wird nun zunehmend aufwendiger und die Erhaltung der Lebensqualität schwieriger. Wenn Tabletten nicht mehr wirken, stehen Patienten je nach Alter, allgemeinem Gesundheitszustand und Medikamentenverträglichkeit in einem späten Stadium der Erkrankung (Advanced Parkinson Disease) zwei Pumpentherapien und die tiefe Hirnstimulation zur Auswahl.

«Während bei der Apomorphin-Pumpe das Medikament kontinuierlich unter die Haut appliziert wird, gibt die L-Dopa-Pumpe den Wirkstoff direkt und kontinuierlich in den Darm ab.»

Als dritte Möglichkeit nennt Dr. Hägele-Link die tiefe Hirnstimulation mittels 'Hirnschrittmacher', bei der Elektroden zur Stimulation im Gehirn implantiert werden, um das durch die Erkrankung entstandene Ungleichgewicht im Gehirn wiederherzustellen.

Ausblick

Die medizinische Forschung entwickelt zielgerichtete Therapien, um Parkinson-Betroffenen zu helfen. «Derzeit werden auch andere Verabreichungswege getestet, in welcher Form der Wirkstoff L-Dopa neben der Einnahme von Tabletten oder mittels Pumpe in den Körper gelangen kann», betont Dr. Kägi. Dr. Hägele-Link stellt eine neue Operation in Aussicht, bei der Läsionen per Ultraschall im Gehirn gemacht werden, um etwa einen Tremor zu behandeln.

Begleitend zur medikamentösen Therapie ist die aktive Teilnahme der Betroffenen durch eine Physio- und Bewegungstherapie wichtig sowie ein gezieltes Sprachtraining.

Ebenso hat die Wissenschaft in den letzten Jahren viel zum Verständnis der Erkrankung und deren Entstehung beigetragen. Das Verständnis, wieso jemand Parkinson bekommt, ist ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von Therapien, welche das Fortschreiten der Erkrankung reduzieren oder sogar verhindern können.