Etwa 25 Prozent aller Europäer leiden an Mundgeruch. Was bedeutet Halitosis für die Betroffenen?

«Mundgeruch macht erfolglos und einsam» titelte kürzlich eine Tageszeitung. Ich finde, das trifft es sehr gut. Mundgeruch wird vom Umfeld immer als unangenehm empfunden.

Wer möchte schon einen Partner mit Mundgeruch haben? Das Fatale dabei: Den eigenen Mundgeruch können die Betroffenen oftmals gar nicht wahrnehmen.

Wie entsteht typischerweise Mundgeruch?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Mundgeruch entstehen kann. Am häufigsten wird Mundgeruch durch Bakterien oder Pilze ausgelöst, die sich in gewissen Nischen in der Mundhöhle festsetzen und dort geruchsintensive Substanzen produzieren.

Den eigenen Mundgeruch können die Betroffenen oftmals gar nicht wahrnehmen

Auch ein trockener Mund kann zu Mundgeruch führen. Es gibt nicht den einen Mundgeruch, sondern sehr viele verschiedene Arten. Diese hängen davon ab, wo die Bakterien sitzen. 

Mundgeruch ist normalerweise nicht krankhaft, sondern lediglich störend. Allgemeinmedizinische  Krankheiten können zwar zu einer Veränderung der Atemluft beitragen, das ist allerdings ein sehr kleiner Prozentsatz.

Kann Mundgeruch durch eine ausgewogene Ernährung positiv beeinflusst werden?

Grundsätzlich spielt die Ernährung bei Mundgeruch eher eine untergeordnete Rolle. Klar, wenn man immer Knoblauch isst, muss man sich nicht wundern, wenn man aus dem Mund riecht.

Aber das ist nicht der Mundgeruch, über den wir hier sprechen. Indirekt kann die Ernährung eine Rolle spielen: Wenn man sich sehr ballaststoffarm ernährt, können Bakterien auf der Zungenoberfläche einfacher überleben.

Eine ausgewogene Ernährung mit mehreren kleinen Mahlzeiten am Tag ist wiederum gut gegen Mundgeruch.  Damit wird der Mund jedes Mal befeuchtet und beim Kauen werden die Biofilme automatisch abgeschabt.

Wie lässt sich Mundgeruch behandeln?

Zuerst muss man herausfinden, wo die Bakterien festsitzen. Oftmals sind sie in den Zahnfleischtaschen und auf der Zungenoberfläche zu finden. Diese Biofilme müssen regelmässig mit einem Zungenreiniger und bei der Dentalhygiene entfernt werden.

Mundwasser, Lutschtabletten oder Kaugummis versprechen einen frischen Atem. Helfen diese Produkte tatsächlich?

Solche Produkte überdecken den Mundgeruch nur kurz. Die Ursache wird jedoch nicht beseitigt und der Geruch kommt rasch wieder.

Wie kann man Mundgeruch vorbeugen?

Dafür muss man die Ursachen angehen. Bei jungen Menschen sind das eine gute Mundhygiene, regelmässige Zahnarztkontrollen und Zahnreinigungen bei der Dentalhygiene.

Bei älteren Menschen sieht es etwas anders aus. Auch bei ihnen ist eine gute Mundhygiene das A und O. Allerdings ist hier oft ein trockener Mund als Ursache des Mundgeruchs zu finden.

Bei älteren Menschen wird nicht mehr so viel Speichel produziert, ebenso kann ein trockener Mund Nebenwirkung von Medikamenten sein. Die verminderte Speichelproduktion muss man kompensieren, indem man mehr Wasser trinkt und damit die Mundhöhle immer wieder anfeuchtet.

Was tut sich derzeit in der Halitosis-Forschung?

Für die Forschung ist Mundgeruch ein sehr interessantes Thema, da viele Menschen von ihm betroffen sind und ihn alle gerne loswerden möchten. Im Bereich Diagnostik wird viel geforscht und neue Messgeräte und professionelle Zungenreiniger werden entwickelt.

Probiotische Lutschtabletten, welche die Zusammensetzung der Bakterien in der  Mundhöhle verändern sollen, sind ein ganz neuer Therapieansatz. Ob sich dieser bewähren wird, wird sich zeigen.