Dass Rauchen nicht gesund ist, ist nichts Neues. Rauchen schädigt fast jedes Organ des Körpers, ganz besonders die Atemwege und das Herz- Kreislaufsystem. Rauchen verursacht bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle und viele weitere Krebsarten.

Zudem haben Raucher ein doppelt so hohes Risiko für Schlaganfälle wie Nichtraucher. Daneben schädigt das Rauchen die Augen, Zähne und Zahnfleisch, den Verdauungstrakt, das Skelett, die Geschlechtsorgane und die Fruchtbarkeit. Welche Folgen hat aber die Qualmerei für das Gehirn?

Sekundenschnell im Hirn

Über den Zigarettenrauch gelangt das Nikotin in die Lunge und von dort ins Blut. Die Blut-Hirn-Schranke, die viele Giftstoffe stoppt, überwindet das Nikotin problemlos und schon nach wenigen Sekunden heftet es sich an die Nervenzellen des Gehirns und beeinflusst deren Aktivitäten. Unter anderem regt es die Produktion des Glückshormons Dopamin an, was dazu führt, dass sich beim Raucher ein Wohlgefühl breit macht.

Bleibt die Stimulierung des Belohnungssystems durch Nikotin aus, kommt es zu den typischen Entzugserscheinungen

Gleichzeitig wirkt das Dopamin auch beruhigend, weshalb Raucher gerade im Stress besonders gerne zur Zigarette greifen.

Diese Prozesse finden im ­sogenannten Belohnungssystem statt. In der Entwicklungsgeschichte des Menschen spielte das Belohnungssystem für das Überleben des Menschen eine wichtige Rolle, da es durch überlebensnotwendige Reize wie Essen oder Sexualität angesprochen wird.

Bleibt die Stimulierung des Belohnungssystems durch Nikotin aus, kommt es zu den typischen Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Unruhe oder Kopfschmerzen.

Glutamat in Verdacht

Forschende der Universität Bern, der ETH Zürich und der Universität Zürich haben vor kurzem in einer Studie herausgefunden, dass auch der Hirnbotenstoff Glutamat, der bei Lernprozessen involviert ist, eine wichtige Rolle spielt. Dies ist insofern interessant, als Süchte, also auch die Nikotin-Sucht, eine Art Lernprozess sind.

Die Forscher haben deshalb ein wichtiges Protein des Glutamat-Systems bei Rauchern, Ex-Rauchern und Nicht-Rauchern untersucht: den stoffwechselaktiven Glutamat-Rezeptor 5 (mGluR5). Dazu muss man wissen, dass Glutamatrezeptoren für die Signalübermittlung im Gehirn wichtig sind.

Das Resultat: Im Raucherhirn war die Menge dieses Proteins durchschnittlich 20 Prozent tiefer als im Gehirn eines Nichtrauchers. Auch die Ex-Raucher, die seit rund einem halben Jahr auf Nikotin verzichteten, hatten 10 bis 20 Prozent weniger dieses Proteins im Gehirn. Offenbar normalisiert sich das Hirn nur sehr langsam, was mit ein Grund für die hohe Rückfall-Quote sein könnte.

Noch ungeklärt ist, ob die lang anhaltenden Veränderungen des Glutamat-Systems auch andere Auswirkungen haben, ob diese beispielsweise zu einem erhöhten Risiko für Angststörungen bei Rauchern oder Übergewicht bei Ex-Rauchern führen.

Möglicherweise können eines Tages Medikamente auf das Glutamat-System Einfluss nehmen und so das Rückfallrisiko, die Entzugssymptome und andere psychische Folgen des Nikotinkonsums reduzieren.