Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine häufig auftretende gutartige Hauterkrankung, die fast immer chronisch verläuft. Typische Merkmale sind scharf begrenzte, rote und mit silberweissen Schuppen bedeckte Hautstellen, die teilweise jucken. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Oft entstehen bei der Psoriasis nur einzelne Hautveränderungen an Ellenbogen und Knien. Teilweise breitet sich die Schuppenflechte aber auch auf den gesamten Körper aus. «Ausser der Haut können auch Gelenke und Nägel betroffen sein», erklärt der Facharzt Peter Häusermann vom Universitätsspital Basel. Wie stark die Beschwerden sind, ist patientenabhängig unterschiedlich. Ausgelöst wird die Erkrankung vermutlich von einem fehlgesteuerten Angriff des Immunsystems (Autoimmunreaktion) gegen Zellen der Oberhaut, die sich als Reaktion darauf besonders stark vermehren. Eine zentrale Rolle spielen dabei entzündungsfördernde Eiweisse sowie die Überaktivität einer bestimmten Sorte weisser Blutzellen. Diese Zellen vermitteln über ihre Botenstoffe die Immunreaktion und übernehmen damit eine Schlüsselrolle bei der Entzündung.

Viele Faktoren

Je nach Erscheinungsbild unterscheidet man unterschiedliche Formen von Schuppenflechte. «Die Diagnose ist in aller Regel einfach zu stellen, da die Erkrankung anhand der typischen Hautveränderungen gut erkennbar ist. Ebenfalls ein Hinweis sind weitere bekannte Fälle von Psoriasis in der Familie», sagt Häusermann. Viele Faktoren können dazu beitragen, dass eine Schuppenflechte entsteht. Dazu gehören neben der genetischen Veranlagung auch weitere Auslöser und Risikofaktoren wie zum Beispiel Infektionen, bestimmte Medikamente oder mechanische Reize bei Hautverletzungen. «Haben beide Elternteile Schuppenflechte, liegt die Wahrscheinlichkeit zwischen 60 und 70 Prozent, dass ihr Kind ebenfalls eine Psoriasis entwickelt. Ist nur ein Elternteil betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer und liegt bei etwa 30 Prozent», so Häusermann.

Gut diagnostizierbar

Zugrunde liegt der Erkrankung wie erwähnt eine Autoimmunreaktion. Betroffen sind Zellen der Oberhaut, die für die Hauterneuerung wichtig sind. Die Haut reagiert auf den Angriff des Immunsystems mit einer Entzündungsreaktion. Die betroffenen Zellen teilen sich rascher, mit der Folge, dass sich übermässig viel neues Gewebe bildet. Daraus folgt die typische Symptomatik der Psoriasis: Die Haut verdickt sich und beginnt zu schuppen. «Eine Schuppenflechte lässt sich in den meisten Fällen anhand der typischen Hautveränderungen und Symptome leicht bestimmen», betont Häusermann. Die betroffenen Hautareale sind scharf begrenzt, stark durchblutet und gerötet. Insgesamt ist die Haut trocken, und häufig bilden sich schmerzhafte Risse oder Blasen. Bei vielen Patienten manifestiert sich die Erkrankung auch an den Nägeln. Bestehen dennoch Zweifel an der Diagnose, wird eine Hautprobe (Biopsie) durchgeführt und anschliessend daraufhin untersucht, ob die oberste Hautschicht übermässig verhornt, verdickt oder entzündet ist. Sind die Krankheitszeichen nur gering ausgeprägt, kann es schwieriger sein, eine Psoriasis zu erkennen. Erkrankungen, mit denen eine Schuppenflechte verwechselt werden kann, müssen deshalb ausgeschlossen werden. Dazu gehören etwa Ekzeme, Hautpilzerkrankungen und Infektionen der Haut mit Hefepilzen.

Stichwort Psoriasis-Arthritis

Auch die Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis) ist manchmal nur schwer von anderen akuten oder chronischen Gelenkerkrankungen zu unterscheiden. Dies insbesondere dann, wenn keine typischen Hauterscheinungen vorhanden sind. Bei der Psoriasis-Arthritis können Blutuntersuchungen die Diagnose erleichtern. «So kann diese Form der Schuppenflechte, bei denen auch die Gelenke betroffen sind, von anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen abgegrenzt werden», erklärt Häusermann. Manchmal sind bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) bei der Gelenkbeteiligung der Schuppenflechte zur Diagnose hilfreich.
Heute geht man davon aus, dass rund 10 bis 30 Prozent der Haut-Psoriasis-Betroffenen auch an Psoriasis-Arthritis leiden. Oft dauert es aber länger, bis die Diagnose gestellt werden kann. Zum Beispiel, weil die Patienten ihre Gelenkschmerzen beim Hautarzt nicht erwähnen oder vom Arzt nicht danach gefragt werden. Mittlerweile geht man davon aus, dass es sich bei der Psoriasis-Arthritis nicht nur um ein zufälliges gleichzeitiges Auftreten von Schuppenflechte und Arthritis handelt, sondern um eine zusätzliche eigenständige Erkrankung. Die korrekte Diagnose beugt Langzeitfolgen einer nicht diagnostizierten beziehungsweise unbehandelten Psoriasis-Arthritis vor.

Psychisch sehr belastend

Behandeln lassen sich die Beschwerden der Schuppenflechte durch eine Vielzahl von Therapieoptionen. Damit kann der Leidensdruck der Patienten gemildert werden. Zur Behandlung gehören Präparate und physikalische Therapieformen. Grundsätzlich unterscheidet man bei Psoriasis die innerliche (systemische) und die örtliche (topische) Therapie. Ziel aller Therapiemassnahmen ist, zu verhindern, dass sich die Haut weiter verdickt und entzündet. Wie sich die Schuppenflechte im Verlauf entwickelt, ist individuell unterschiedlich. Meist aber nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf und tritt schubweise auf. «Für viele Betroffene ist der ungewisse Verlauf psychisch sehr belastend. Mit konsequenter Hautpflege und den heute zur Verfügung stehenden Therapien lässt sich die Erkrankung jedoch meist gut kontrollieren», betont Häusermann. Heilen lässt sich eine Schuppenflechte jedoch bislang nicht.