Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der höchsten Hautkrebsrate. Welche Erklärung haben Sie hierfür?

Tatsächlich hat sich die Inzidenz des Hautkrebses in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Dies gilt sowohl für das Melanom (schwarzer Hautkrebs) als auch für den hellen Hautkrebs. Ein Grund hierfür sind sicherlich die Lebensgewohnheiten.

Seit den Wirtschaftswunderjahren (1950er bis 1970) war es plötzlich für zig Millionen hellhäutiger Menschen möglich, in sonnenreiche Regionen zu reisen. Braunsein galt bis weit in die 1990er Jahre als Statussymbol und signalisierte Gesundheit, Erfolg und «Sex-Appeal». Gleichzeitig ist auch der Alpinismus eine Ursache für die hohen Hautkrebsraten.

 

Braunsein als Statussymbol – hat hier inzwischen ein Umdenken stattgefunden?

Am Strand findet man immer noch viele Menschen, die das Sonnenbad besonders kultivieren und für moderne Verhältnisse viel zu braun sind. Ausserhalb der Strandkultur hat ein gewisses Umdenken stattgefunden, wobei ein «massvolles Braunsein» immer noch dem Schönheitsideal vieler Menschen entspricht. Rein dermatologisch betrachtet gibt es jedoch kein «massvolles Braunsein» und keine «gesunde Sonnenbräune».

 

Für wen ist das Hautkrebsrisiko besonders hoch?

Besonders sonnenbrandgefährdet sind hellhäutige  Menschen. Auch Menschen mit roten Haaren, Sommersprossen und blauen Augen gelten als Risikogruppe.

Gehäufte Sonnenbrände in der Kindheit stellen ebenfalls ein Risiko für die spätere Entstehung eines Hautkrebses dar. Solariumbesucher setzen sich einem bewussten Hautkrebsrisiko aus; sie haben, verglichen mit Menschen, die niemals in einem Solarium gewesen sind, ein erhöhtes Risiko für hellen und für schwarzen Hautkrebs.

Menschen, die immunsuppressive Medikamente einnehmen müssen (zum Beispiel nach Organtransplantation) oder die an einer Lymphom-Erkrankung oder einer Leukämie leiden, haben ebenfalls ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.

 

Welche Formen von Hautkrebs gibt es?

Es gibt Frühformen von hellem Hautkrebs (zum Beispiel aktinische Keratosen), von denen bei den  über 60-Jährigen etwa jeder Dritte betroffen ist.  Das  Basalzellkarzinom (auch: Basaliom)  gehört mit circa 17500 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Hautkrebsformen.

Das spinozelluläre Karzinom (auch: Spinaliom)  betrifft etwa 5000 Neuerkrankungen pro Jahr in der Schweiz. Beide Formen gehören zum hellen Hautkrebs.

Beim schwarzen Hautkrebs (Melanom)  gibt es etwa 2500 Neuerkrankungen pro Jahr. Schwarzer Hautkrebs kann auch bei jüngeren Menschen auftreten: 26 Prozent der an einem Melanom erkrankten Personen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre.

 

Frühzeitig erkannt lassen sich sowohl der weisse Hautkrebs wie auch das Melanom gut behandeln. Auf welche Warnzeichen sollte man achten?

Beim Melanom gilt die ABCD-Regel: Ein Pigmentmal oder «Muttermal» hat eine asymmetrische Form (A), unregelmässige Begrenzung (B), unregelmässige Farbe, meistens mit sehr dunkelbraunen und schwarzen Tönen, aber auch grauen Schleiern (C), und die Pigmentläsion verändert sich (Dynamik) (D).

Beim hellen Hautkrebs können sich rötliche und schuppende Stellen zeigen. Auch eine glänzende Stelle, die von Zeit zu Zeit zu bluten beginnt, juckt und danach wieder abheilt, kann ein Warnzeichen sein. Tückisch beim hellen Hautkrebs ist, dass er sich in sehr unterschiedlicher Form zeigen kann und auf den ersten Blick meist harmlos wirkt.

 

Wie kann man die Sonne geniessen und dennoch die Haut schützen?

Wer sich in der Sonne richtig verhält, kann sie geniessen und gleichzeitig Sonnenbrände und Hautkrebs vermeiden. Das A und O ist ein Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor. Zudem sollte man zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben und sich mit Hut, Sonnenbrille und Kleidung schützen.

Zudem raten wir davon ab, Solarien zum Vorbräunen zu nutzen.