Mit einer individuellen und ganzheitlichen Förderung sollte so früh als möglich begonnen werden. «In einem ersten Schritt gilt es die einzelnen Sehfunktionen des Kindes zu überprüfen und herauszufinden wie das Kind seine Sehleistung unter vorhandenen/verschiedenen Bedingungen einsetzt.

Dies wird durch eine pädagogisch-funktionelle Low Vision Abklärung bei uns ermittelt», sagt Monique Meyling, eine von acht diplomierten Heilpädagoginnen welche an einem Low Vision Zentrum arbeitet und sich für die Förderung der sehbehinderten Kinder einsetzt und auch den Eltern mit Rat und Tat zur Seite steht.

«Wir bieten ihnen ein offenes Ohr für Fragen und können mit fachlichem Rat zur Seite stehen»

«Wir bringen dem Kind Sehangebote näher, indem wir mit starken Lichtquellen oder kontrastreichen Spielsachen arbeiten. Die Welt muss für Kinder mit verminderter Sehkraft spannend und vielfältig gestaltet werden.

Oft entdecken sie ihr Umfeld über ihre Hände und den Mund, auch akustische Eindrücke spielen für unsere Kinder eine grosse Rolle», erklärt Meyling. «Dies gilt natürlich auch für sehbehinderte Kinder mit einer Mehrfachbehinderung, die auf die sehbehindertenspezifische Förderung erfreulich gut und nachhaltig ansprechen.»

Naher Kontakt zur Familie

Für die Therapiestunden besuchen die Pädagoginnen die Kinder wöchentlich zu Hause. Im Jahr 2012 betreuten sie knapp 200 Familien in sieben Kantonen. Einige Familien brauchen nur eine periodische Beratung, anderen steht das Team bis zu sieben Jahren lang zur Seite.

Neben der Arbeit mit dem Kind spielt die enge Zusammenarbeit mit den Eltern eine wichtige Rolle. «Wir bieten ihnen ein offenes Ohr für Fragen und können mit fachlichem Rat zur Seite stehen», sagt Ornah Rosenstein.

Auch sie ist eine der diplomierten Heilpädagoginnen des Zentrums. «Vor allem in der Anfangsphase der Therapie, wenn der Schock über die medizinische Diagnose noch tief sitzt, ist dieser Beistand für die Eltern sehr wichtig. Wenn wir über viele Jahre bei diesen Familien ein und ausgehen, entwickelt sich eine tiefe Beziehung», sagt Meyling.

Den Eltern schenken sie nicht nur ein offenes Ohr, sondern beraten sie auch in Alltagsfragen, zum Beispiel, wie ein sehbehindertes Kind die Spielgeräte auf dem Spielplatz erleben kann.

Im Elternhaus werden lebenspraktische Tätigkeiten spielerisch geübt. Ebenso sind Orientierung, Mobilität, Augen-Hand-Koordination, die richtige Beleuchtung sowie notwendige Hilfsmittel wichtige Inhalte der Low Vision pädagogische Arbeit mit dem Kind im häuslichen Umfeld.

Integration in der Spielgruppe, Kita , Kindergarten

Wenn das Kind etwas älter wird stehen die Pädagoginnen vor einer neuen Herausforderung. «Wir arbeiten darauf hin, dass die von uns betreuten Kinder am alltäglichen Leben teilhaben und eine öffentliche oder ihren Bedürfnissen angepasste Einrichtung besuchen können», sagt Meyling.

Dabei sei es wichtig, dass die Lehrpersonen und die Kinder auf die besonderen Bedürfnisse der sehbehinderten Kinder vorbereitet werden.

«Wir sensibilisieren sie für Sehbehinderungen und klären spielerisch auf, damit sich die Gruppe in das betroffene Kind einfühlen kann. Die Lehrpersonen müssen sich auf die neue Situation einstellen und verstehen, dass ein sehbehindertes Kind zum Beispiel nicht auf eine ernste, strenge Mimik reagiert.»

Abschied nach vielen Jahren

Die Betreuung endet mit der Einschulung. Wir bereiten die von uns betreuten Kinder, auf die nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten ausgewählte Schule vor.

Dazu gehören beispielsweise der Umgang mit optischen Hilfsmitteln und moderner Technik, wie Bildschirmlesegeräten, die Anbahnung der Blindenschrift oder auch die Schulung des Hörvermögens. Ein optimal gefördertes Kind hat somit gute Chancen, die kommenden Anforderungen zu meistern.