Der 30jährige Dr. Christian Greis ist Assistenzarzt in der Klinik für Dermatologie am Universitätsspital Zürich (USZ) sowie Gründer des Telemedizin Startups «derma2go» (www.derma2go.ch). Anlässlich des Welt-Psoriasis Tages am 29. Oktober 2018 sagt er:


«Besonders für die Verlaufskontrolle von entzündlichen Hauterkrankungen, wie z.B. einer Psoriasis eignet sich Teledermatologie hervorragend».
 

Herr Greis, Sie haben vor zwei Jahren begonnen die Telemedizin-Plattform derma2go zu entwickeln. Wie ist es dazu gekommen?

Ich begann damals in der Freizeit mit dem Programmieren und hatte schnell eine solche Plattform im Kopf.

Die digitalen Medien werden bereits heute rege im Arzt/ Patientenverhältnis genutzt und es besteht ein Bedürfnis, sowohl von Seiten der Ärzte wie auch der Patienten, dass dieser Bereich weiter ausgebaut wird.

Mit meiner Idee bin ich bei Kollegen und Professoren auf grosses Interesse und Unterstützung gestossen. Inzwischen sind wir ein Team aus mehreren Hautärzten sowie IT-Spezialisten.

An wen richtet sich Ihr Angebot?

Wir schaffen für Dermatologen eine gesicherte Kommunikationsplattform, auf der sie ihren Patienten online Konsultationen anbieten können.
 

Die Patienten wiederum erhalten innert kurzer Zeit dermatologischen Rat.
 

Bei einem bestehenden Arzt/ Patientenverhältnis können auch Medikamente verschrieben werden.

Sie haben erwähnt, dass sich Teledermatologie insbesondere zur Verlaufskontrolle und Standortbestimmung einer Psoriasis eignet. Können Sie dies näher erläutern?

Bei einer bereits diagnostizierten Psoriasis kann der Schweregrad anhand von Bildern sehr gut eingeschätzt und die Therapie entsprechend angepasst werden. Dazu übermittelt der Patient dem Hautarzt ein oder mehrere Fotos sowie einen ausgefüllten Fragebogen.

Sämtliche Dokumente werden verschlüsselt übertragen. Bei Bedarf kann zusätzlich ein Chat zwischen dem Patienten und dem Arzt eröffnet werden.  Die Kosten für eine Onlineberatung belaufen sich aktuell pauschal auf 75 Franken und müssen derzeit vom Patienten selbst getragen werden. Wir sind jedoch mit Krankenversicherern in Gesprächen…

Eine von Ihnen und Prof. Alexander Navarini durchgeführte Studie im Fachmagazin «Journal of Dermatological Treatment» zeigt, dass vor allem jüngere Patienten das Angebot der Telemedizin schätzen. Wie wird sich, Ihrer Meinung nach, der Markt weiterentwickeln?

Ich denke, wir befinden uns am Anfang einer sehr spannenden Entwicklung. Die Telemedizin hat enormes Potential und wird den Gesundheitsmarkt in Zukunft positiv beeinflussen. 

Die Dermatologie eignet sich natürlich hervorragend für Telemedizin, da für die Blickdiagnose häufig kein persönlicher Arzt-Patienten Kontakt notwendig ist. Es zeigen aber auch andere Fachbereiche, wie die Augen - oder Kinderheilkunde zunehmend Interesse an solchen Plattformen.

Erfahrungen zeigen, dass unser Angebot von Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern (0-3 Jahren) stark genutzt wird. Einen weiteren Anstieg sehen wir bei den 25 – 55jährigen. Danach fällt die Kurve langsam ab und erreicht ihren Tiefpunkt nach dem 65. Lebensjahr. In Zukunft wird sich diese Kurve jedoch verschieben und auch ältere Patienten werden Telemedizin in Anspruch nehmen.

Die Hauptvorteile der Telemedizin liegen auf der Hand: Zeitersparnis sowie Kostenreduktion. Wo sehen Sie mögliche Problemstellungen? 

Viele – auch ich -  schätzen das persönliche Arzt/ Patientengespräch. Wir müssen uns bewusst sein, dass Telemedizin hier nur eine ergänzende Kommunikationsmöglichkeit bleibt.

Im Vergleich zu anderen Ländern: Wo steht die Schweiz bezüglich Telemedizin?

Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu einem der fortschrittlichen Ländern, generell in Hinblick auf Technologie und Innovation, und insbesondere auch im Bereich der Telemedizin.. Die Gesetzgebung und auch Krankenversicherungsmodelle ermöglichen uns, solche Systeme zu entwickeln und einzusetzen.

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