Wer ist von einer Histamin-Intoleranz betroffen?

Histamin kommt in tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Zudem wird es vom Körper selbst produziert. Die wichtigste Funktion besteht dabei in der Abwehr körperfremder Stoffe.

Ausserdem wird Histamin bei allergischen Reaktionen freigesetzt und ist für die Symptome bei Allergien und Asthma verantwortlich.

Beschwerden nach dem Verzehr von histaminhaltigen Nahrungsmitteln

«Normalerweise wird Histamin im Körper durch ein Enzym, die sogenannte Diaminoxidase (DAO), abgebaut. Bei Menschen mit einer Histamin-Unverträglichkeit ist die Aktivität dieses Enzyms eingeschränkt», erklärt Prof. Dr. Brunello Wüthrich, Facharzt für Allergologie, klinische Immunologie und Dermatologie.

«Die Diagnosestellung ist jedoch nicht immer einfach, da die Symptome relativ unspezifisch sind, individuell und sogar bei derselben Person stark variieren können. Zuverlässige Laboruntersuchungen existieren nicht»

So kann das im Körper gebildete und durch die Nahrung aufgenommene Histamin nicht oder nur teilweise abgebaut werden. Dies führt dann zu Überempfindlichkeitsreaktionen. «Die Symptome sind ähnlich wie bei einer allergischen Reaktion, weshalb man bei Histamin-Intoleranz auch von einer Pseudoallergie spricht», so Brunello Wüthrich.

Zu den Beschwerden können Durchfälle, Hautrötungen, Juckreiz, Nesselfieber oder Asthmabeschwerden gehören. «Häufig kommt es auch zu teils migräneartigen Kopfschmerzen. Diese treten insbesondere nach dem Verzehr grosser Mengen an histamin- und biogenhaltigen Nahrungsmitteln auf.» Einen Histamin-Überschuss können einerseits Lebensmittel auslösen, die selbst viel Histamin enthalten.

Dazu gehören alkoholische Getränke, Käse, diverse Gemüse- und Fruchtsorten, Fleisch, Wurst, Fisch und Hülsenfrüchte. Andererseits können aber auch Nahrungsmittel selbst Histamin freisetzen. Diese sogenannten Histaminliberatoren finden sich in Schokolade, Erdbeeren, Zitrusfrüchten, Schalentieren und Nüssen.
 

Therapie bei Histamin-Intoleranz

Es ist zunächst wichtig, dass ein Allergologe die Diagnose oder die Verdachtsdiagnose stellt. « Die Diagnosestellung ist jedoch nicht immer einfach, da die Symptome relativ unspezifisch sind, individuell und sogar bei derselben Person stark variieren können. Zuverlässige Laboruntersuchungen existieren nicht», so der Facharzt.

Durch eine möglichst histaminarme Diät über 4 Wochen sollte – falls eine Histamin Intoleranz vorliegt -eine Besserung der Symptomatik beobachtet werden. Ist dies der Fall, umfasst die Therapie eine möglichst histaminarme Diät. «Zudem muss beachtet werden, dass gewisse Arzneimittel ebenfalls eine erhöhte Histaminfreisetzung verursachen können.

«Häufig kommt es auch zu teils migräneartigen Kopfschmerzen.» Folglich sollten diese Arzneimittel dann bei Möglichkeit vermieden werden», erklärt Wüthrich. Ganz auf histaminhaltige Nahrungsmittel muss jedoch bei einer Intoleranz nicht verzichtet werden. Vielmehr muss jeder versuchen, seine persönliche Toleranzschwelle herauszufinden.

Auch Medikamente können bei einer Histamin Intoleranz zum Einsatz kommen. «Wenn etwa die Diät vorübergehend nicht eingehalten werden kann oder wenn der Verzicht auf histaminhaltige Produkte nicht zur Beschwerdefreiheit führt, ist der Einsatz von Medikamenten sinnvoll. Hier kommt einerseits ein Nahrungsmittelergänzungspräparat, welches das Enzym DAO enthält, zum Einsatz.»

Der Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO) im Darm kann etwas ausgeglichen werden, indem das DAO-haltige Präparat etwa 15 bis 30 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen wird. Das mit der Mahlzeit eingenommene Histamin wird dadurch bereits im Darm grossenteils abgebaut, noch bevor es vom Körper aufgenommen werden kann.

«Daneben kommen sogenannte Antihistaminika zum Einsatz. Diese wirken gegen histaminbedingte Symptome, indem sie spezifisch bestimmte Histaminrezeptoren blockieren», erklärt Brunello Wüthrich abschliessend.