Allergie oder Intoleranz? Wem ein Nahrungsmittel immer wieder Probleme bereitet, dem stellt sich irgendwann diese Frage. «Im Unterschied zur Nahrungsmittelallergie, die eine Abwehrreaktion unseres Immunsystems ist, kann der Körper bei einer Intoleranz den Stoff nicht richtig verdauen. Dies führt dann zu Beschwerden», erklärt Karin Stalder. Die Beschwerden bei einer Lebensmittelintoleranz sind vielfältig.

«Nach der Diagnosestellung muss der Betroffene die beschwerdeauslösenden Nahrungsmittel in einem ersten Schritt strikt weglassen»

Zu den häufigsten Symptomen gehören Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Unwohlsein.

Bei Histaminintoleranz und Zöliakie – Intoleranz auf Gluten (Getreideeiweiss, zum Beispiel in Weizen) – können auch weitere, verdauungsunabhängige Beschwerden auftreten, zum Beispiel Mangelerscheinungen oder Hautrötungen. 

Jeder Fünfte betroffen

In der Schweiz sind bis zu 20 Prozent der Bevölkerung von einer Lebensmittelintoleranz betroffen. «Während rund jeder fünfte Erwachsene keinen Milchzucker verträgt bzw. laktoseintolerant ist, leidet je ein Prozent der Schweizer Bevölkerung an Histaminintoleranz oder Zöliakie.

Bei den Zahlen für Fruktoseintoleranz gibt es noch keine genauen Angaben», weiss Stalder. In den meisten Fällen von Nahrungsmittelintoleranz ist dem Körper aufgrund eines fehlenden Enzyms im Verdauungstrakt die Fähigkeit verlorengegangen, einen bestimmten Stoff zu verdauen – oder er hat sie nie besessen.

Heute weiss man, dass Menschen mit Laktoseintoleranz oder Zöliakie eine genetische Vorbelastung haben. Bei der Fruktose- und Histaminintoleranz sind die Ursachen noch unbekannt. «Menschen mit einer Histaminintoleranz reagieren zum Beispiel auf Alkohol, lange gelagerte Fleisch- oder Fischprodukte sowie gereiften Käse, die alle viel Histamin enthalten», weiss die Expertin.

Unverträglichkeit in den Griff bekommen

Da die Beschwerden oft schleichend einsetzen, ist es nicht immer einfach, diese mit einer Lebensmittelintoleranz in Verbindung zu bringen. Je nach Verdacht gibt es aber verschiedene Tests. Für den Nachweis einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz ist der H2-Atemtest der häufigste Diagnoseweg. Es besteht zudem die Möglichkeit einer Weglassdiät oder eines Gentests im Falle von Laktoseintoleranz.

«Nach der Diagnosestellung muss der Betroffene die beschwerdeauslösenden Nahrungsmittel in einem ersten Schritt strikt weglassen. Bei der Laktose-, Fruktose- oder Histaminintoleranz bleibt der Stoff in einer gewissen (geringen) Konzentration in der Regel verträglich. Diese Verträglichkeit lässt sich zusammen mit einer diplomierten Ernährungsberaterin ermitteln und im Ernährungsalltag umsetzen», so Stalder.

Generell gilt: Wenn man laktose-, fruktose- oder histaminhaltige Speisen in kleinen Mengen über den Tag verteilt isst, dann sind sie besser verträglich. Bei einer Zöliakie hingegen müssen Betroffene eine streng glutenfreie Ernährung einhalten.