Chronische Rückenschmerzen sind heute einer der häufigsten Gründe für Absenzen am Arbeitsplatz. Sie stellen damit nicht nur ein grosses gesundheitliches Problem dar, sondern verursachen immense betriebliche und volkswirtschaftliche Kosten und belasten unser Gesundheitssystem. Der menschliche Rücken hat zahlreiche Aufgaben zu übernehmen.

Er ermöglicht die aufrechte Körperhaltung und sorgt dafür, dass wir zu komplexen Beuge- und Drehbewegungen fähig sind. Dabei ist der unterste Teil der Wirbelsäule, die Lendenwirbelsäule, der am stärksten belastete Abschnitt. Sie verbindet den Rumpf mit dem Becken und den Beinen, trägt das ganze Gewicht des Körpers oberhalb des Beckens und ist an fast allen Bewegungen, die wir tagtäglich ausführen, beteiligt.

Deshalb wirkt sich eine Beeinträchtigung der Lendenwirbelsäule im täglichen Leben deutlich einschränkend aus. Vor allem bei sehr lang anhaltenden Rückenschmerzen kann ein Missverhältnis zwischen dem vorhandenen Leidensdruck und den klinischen Befunden auftreten.

Bei den betroffenen Patienten ist dies oft Ausdruck einer hohen beruflichen, familiären oder psychischen Belastung. Je länger eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Rückenbeschwerden dauert, desto schlechter ist in der Regel die Prognose für den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Zahlreiche Symptome

Lokale Rückenschmerzen werden von den Patienten unterschiedlich beschrieben: Sie können oberflächlich oder tief empfunden werden und einen dumpfen beziehungsweise diffusen oder aber hellen und scharfen Charakter haben. Um die Schmerzen zu vermeiden, nehmen die Patienten oft unbewusst eine körperliche Fehlhaltung ein, die zu zusätzlichen Muskelverspannungen und Schmerzen führen kann.

Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen kann es zu einer zweiten Kategorie von Schmerzen kommen: Den Nervenkompressionsschmerzen. Dazu gehören zum Beispiel die Diskushernie oder Tumoren, die das Rückenmark verdrängen. Bei einer sehr stark ausgeprägten Nervenkompression können Gefühlsausfälle, Taubheit von Zehen oder sogar Lähmungen auftreten.

Eine dritte Art Schmerzen, sogenannt fortgeleitete Schmerzen, entstehen in einem anderen Organ des Bauchraums und werden dann in die Region des tiefen Rückens projiziert. Es handelt sich meist um tiefe, konstante und diffuse Schmerzen, die sich bei Bewegung weder verschlimmern noch verbessern.

Die Diagnose

Das wichtigste Element bei der Diagnostik von Rückenschmerzen ist die genaue Erfassung der Symptome. Dabei ist von besonderer Bedeutung, ob zum Beispiel ein Unfall die Rückenschmerzen ausgelöst hat, ob sich die Schmerzen schleichend entwickelt haben oder ob sie plötzlich und ohne ein auslösendes Ereignis auftreten.

Weiter ist es wichtig zu wissen, wo genau der Schmerz lokalisiert ist, ob er in eine andere Körperregion ausstrahlt und ob er durch eine bestimmte Körperhaltung oder Bewegung verstärkt oder gelindert werden kann. Als Therapieoptionen steht heute die ganze Palette an Physiotherapie und physikalischen Behandlungsmassnahmen zur Verfügung: in erster Linie die aktive Bewegungstherapie sowie Kraft-Ausdauer-Training, teils im Wasser.

Selten und nur dann, wenn konservative Therapien keinen Erfolg bringen oder zum Beispiel ein gesicherter Bandscheibenvorfall mit Druck auf einen Nerv vorliegt, steht eine Operation zur Diskussion. Ansonsten kommt vor allem die medikamentöse Schmerztherapie zum Zug. Schmerzsyndrome des Rückens haben oft eine gute Prognose. Viele Patienten können davon geheilt werden.