Vorhofflimmern wird durch eine Art «elektrisches Gewitter» im Reizleitungssystem des Herzens ausgelöst. Die Pumpaktivitäten der Vorhöfe und der Herzkammern sind nicht mehr aufeinander abgestimmt. Dadurch nimmt die Herzleistung ab.

«Wir müssen alles daran setzen, ein Vorhofflimmern in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren»

Kurzfristig können die Herzkammern diesen Leistungsrückgang zwar kompensieren, doch wenn das Vorhofflimmern länger anhält, werden die Herzkammern überlastet. Grundsätzlich stellt das Auftreten von Vorhofflimmern keine akute Gefahr dar.

Die Unregelmässigkeit des Herzschlags hemmt aber den Blutfluss. «Dadurch kann sich später ein Blutgerinnsel bilden, das im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall führt. Der Grund ist eine Blockade in den kleinen Gefässen des Gehirns», erläutert Willem Verberk von WatchBP Europe. Bei Personen über 65, die eine Art von Komorbidität wie etwa Bluthochdruck oder Diabetes haben, erhöht sich das Risiko entsprechend.

Möglichst früh erkennen

Statistiken zeigen, dass Patienten mit Vorhofflimmern ein fünf- bis achtmal höheres Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden und ein doppelt so hohes Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken. Heute weiss man zudem, dass Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern verursacht werden, schwerwiegender verlaufen und häufiger zu Tod und Invalidität führen.

Das Heimtückische ist, dass rund ein Drittel aller Pa­tienten mit Vorhofflimmern keine Symptome haben und daher nicht ahnen, dass sie gefährdet sind. «

Deshalb müssen wir alles daran setzen, ein Vorhofflimmern in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren, gefolgt von einer adäquaten Behandlung», betont Verberk. Dadurch könne das Risiko eines Schlaganfalls um fast 70 Prozent reduziert werden.

Sozio-ökonomische Komponente

Gemäss Statistiken leiden hierzulande rund 100'000 Personen an Vorhofflimmern. Der grösste Risikofaktor (bei rund 80 Prozent aller Patienten) ist Bluthochdruck. Ein anderer Risikofaktor ist ein ungesunder Lebensstil, verursacht durch Alkoholkonsum, Rauchen und Adipositas.

«Alle Personen, die älter als 65 sind, sollten auf Vorhofflimmern untersucht werden, wenn der Arzt eine Blutdruckmessung vornimmt», rät Verberk. Bei Vorhofflimmern spüren die Patienten oft ein rasches Herzklopfen, das über Stunden oder sogar länger andauern kann. Andere Symptome sind beispielsweise Enge- oder Druckgefühle in der Brust, Müdigkeit und Atemnot.

Die anfänglichen Symptome können aber auch verschwinden, oder sie treten nur noch in bestimmten Situationen auf. Diese unterschiedlichen Manifestationsformen machen die Diagnose und Therapie vielfach schwierig. «Sowohl Patienten ohne Symptome oder mit Perioden von Vorhofflimmern, wie auch Betroffene mit anhaltenden Symptomen müssen gleichermassen mit dem Risiko eines Schlaganfalls rechnen», betont Verberk.

Eine Studie in Deutschland aus dem Jahr 2008 zeigt in diesem Zusammenhang, dass von 200 000 Schlaganfällen deren 45 000 unbekannter Ursache waren. Gleichzeitig wird geschätzt, dass 12 000 von ihnen sich wegen Vorhofflimmern ereignet haben, ohne dass den Patienten bewusst war, dass sie darunter leiden.

Die Erkrankung hat im Übrigen auch eine grosse sozio-ökonomische Bedeutung. «70 Prozent der Kosten, die infolge von Vorhofflimmern anfallen, werden durch Spitalaufenthalte und therapeutische Eingriffe verursacht», sagt Verberk.

Verschiedene Optionen

Für eine exakte Diagnose von Vorhofflimmern braucht es eine ausführliche Patientenbefragung sowie weiterführende Untersuchungsmethoden wie ein 12-Lead-EKG, die Bestimmung der Gerinnungsfaktoren im Blut und ein Röntgenbild des Brustkorbs. «Welche Therapieform angewendet wird, hängt von der Art der Erkrankung, dem Zustand des Patienten und von den Therapiezielen ab», betont Verberk.

So versucht man unter anderem, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen oder verdünnt mit Medikamenten das Blut, so dass sich keine Blutgerinnsel bilden können. Eine Herzschrittmacher-Implantation ist nur indiziert, wenn die Lebensqualität massiv beeinträchtigt ist. «Früherkennung ist der wichtigste Indikator, um die schwerwiegenden Folgen von Vorhofflimmern zu verhindern.

Kombiniert mit geeigneten Behandlungsmassnahmen können so 67 Prozent aller Schlaganfälle verhindert werden, die auf Vorhofflimmern zurückzuführen sind», fasst Verberk zusammen.