Schwerhörigkeit

In den westlichen Industrieländern geht man davon aus, dass 15 – 20 Prozent der Bevölkerung unter Hörverlust leiden.

Allein in der Schweiz sind fast 1 Million Menschen davon betroffen. Jährlich werden in der Schweiz rund 60'000 Hörgeräte verkauft.

Die Tragzeit eines Hörgeräts beträgt 5–6 Jahre. Die IV und AHV beteiligen sich ab einem gewissen Grad von Schwerhörigkeit an einem Hörgerät.

Jede dritte Person im Alter zwischen 60 und 70 Jahren hört nicht mehr gut, bei den über 70-Jährigen sind sogar 60 Prozent von Altersschwerhörigkeit betroffen. Oftmals entsteht die Alters-schwerhörigkeit schleichend und die Betroffenen bemerken diese erst, wenn sie einen Hörtest machen.

«Im Gegensatz zu einem Hörsturz, bei dem sich das Gehör wieder normalisieren kann, verschlechtert sich das Hören bei der Altersschwerhörigkeit konstant», sagt Christian Rutishauser, Präsident des Verbands Hörakustik Schweiz.

Dabei gibt es verschiedene Faktoren, die das Auftreten von Hörproblemen im Alter beeinflussen. «Hierzu gehört vor allem der physiologische Alterungsprozess im Bereich der Hörbahnen. Daneben spielen aber auch die lebenslange Lärmbelastung sowie ein altersbedingter Rückgang der Aktivität der Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns eine Rolle», erklärt Rutishauser. Zudem kann Altersschwerhörigkeit auch vererbt werden.

«Ich verstehe kein Wort!»

Zu Beginn der Altersschwerhörigkeit steht meist ein Hörverlust der hohen Töne. «Dadurch können Altersschwerhörige feine Konsonanten wie «s», «f» und «d», «t» kaum mehr unterscheiden», so der Hörakustiker.

Die Sprache wird dann vor allem in lärmiger Umgebung nur noch undeutlich verstanden. «Viele Betroffene sind durch den Hörverlust verunsichert und vermeiden Konzerte, Veranstaltungen oder soziale Kontakte», weiss Rutishauser. Umso wichtiger ist es, frühzeitig auf eine Abnahme des Gehörvermögens zu reagieren.

Lauter Fernseher, lauter Radio

Menschen mit Altersschwerhörigkeit fragen während einem Gespräch immer wieder nach, weil sie das Gefühl haben, dass die Gesprächspartner undeutlich sprechen. Fernseh- und Radioapparat müssen zunehmend lauter gestellt werden.

«Viele Betroffene können das Zwitschern der Vögel nicht mehr hören. Ebenso wird die Telefon- oder Haustürklingel je nach Umgebungslärm nicht mehr wahrgenommen.»

Ob und in welchem Ausmass das Hörvermögen beeinträchtigt ist, lässt sich nur durch einen professionellen Hörtest feststellen. «Ein Hörtest ist eine schnelle Sache und wird vom Hör­akustiker gratis angeboten.»

Stigma: Hörgerät

Erfahrungswerte zeigen, dass Menschen mit Hörproblemen sich sieben bis zehn Jahre Zeit lassen, bis sie ein Hörgerät akzeptieren. «Für viele Menschen ist ein Hörgerät noch immer mit einem Stigma verbunden.

Völlig zu Unrecht. Denn heute sind die Hörgeräte so klein und technisch ausgeklügelt, dass sie von der Umwelt kaum wahrgenommen werden und akustisch nur Vorteile bringen»,  sagt Christian Rutishauser abschliessend.