Auch gesundheitspolitisch und finanziell spielen Darmerkrankungen eine grosse Rolle. Das Spektrum reicht von harmlosen Blähungen und Verstopfung über entzündliche Darmerkrankungen bis hin zum immer noch sehr häufigen Darmkrebs.

Tabuthema Darm

Weil man das Thema «Darm» selten zum allgemeinen Gesprächsthema macht, gehen wichtige Neuerungen oft unter und erreichen Betroffene schwer. Am häufigsten in der Bevölkerung sind sogenannte funktionelle Darmerkrankungen.

«Magen und Darm reagieren auf verschiedenste Störungen oft mit ähnlichen Symptomen.»

Dazu gehören die chronische Verstopfung, Blähungen und die Beschwerden, die unter dem Thema «Colon irritabile» oder «Reizdarm» zusammengefasst werden. Für diese Erkrankungen stehen einige neue Erkenntnisse und auch Behandlungen zur Verfügung, die das Leben der Betroffenen erleichtern können.

Neben sehr wirkungsvollen neuen Medikamenten haben sich alternative Wege etabliert. Die Bedeutung von Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsmittelbestandteilen wird systematisch analysiert und mit Erfolg angepasst.

Entzündliche Darmerkrankungen

Auch für die entzündlichen Darmerkrankungen, dazu gehören die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn, stehen eine Reihe neuer therapeutischer Ansätze zur Verfügung. Im kommenden Jahr werden für diesen Bereich drei oder vier neue Medikamente zugelassen werden. N

eben neuen Medikamenten werden auch für diese Patienten nicht-medikamentöse Therapiewege gesucht und sind in Entwicklung. Hierzu gehört etwa die Untersuchung der Effizienz der sogenannten «Stuhltransplantation», bei der «gesunde Darmbakterien» in den erkrankten Darm übertragen werden. Weitere neue Ansätze beschäftigen sich mit der Stärkung der Darmbarrierefunktion, beispielsweise durch Lezithin oder Heidelbeerextrakten.

Darmkrebs

Reizdarm oder entzündliche Darm­erkrankungen «melden sich» beim Betroffenen mit unangenehmen Beschwerden; der Dickdarmkrebs leider nicht! Er befällt 5% unserer Bevölkerung. In der Schweiz heisst das jedes Jahr fast 5000 Neuerkrankungen.

Seit einigen Jahren weiss man, dass dieser Krebs fast vollständig verhindert werden kann, wenn man ihn mit den richtigen Methoden sucht. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsformen entsteht der Darmkrebs sehr langsam aus harmlosen Polypen, die man einfach entdecken und entfernen kann, bevor daraus Krebs entsteht.

Weil sich diese Erkenntnisse weltweit durchgesetzt haben, wird in vielen Ländern, und seit diesem Jahr auch in der Schweiz, die Darmkrebsvorsorge von den Krankenkassen übernommen. Diese Vorsorge wird empfohlen bei allen Menschen ab 50 Jahren und kann bei konsequenter Anwendung diese Krebsart fast vollständig besiegen.

Endoskopischer Einblick

Magen und Darm reagieren auf verschiedenste Störungen oft mit ähnlichen Symptomen. Art und Ort des Symptoms gibt auf den ersten Blick meist keinen Hinweis auf den Grund der Störungen. Aber im Gegensatz zu allen anderen Organen kann man das menschliche Verdauungssystem direkt und ohne Operation betrachten: Diese Inspektion heisst Endoskopie.

Die Geräte dafür wurden in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und erlauben das Aufspüren von kleinsten Veränderungen und, meist in der gleichen Untersuchung, deren Entfernung. Dadurch werden Operationen und letztlich auch eine Veränderung zu Krebs verhindert. Die Endoskopie erfolgt am schlafenden Patienten und ist sicher und schmerzlos.

Grosse Fortschritte gibt es auch bei anderen Testverfahren im Blut, Stuhl oder durch moderne Röntgenuntersuchungen, mit denen der Arzt harmlose von weniger harmlosen Darmleiden unterscheiden kann.