Neurodermitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die mit 15 bis 20 Prozent besonders häufig bei Kindern vorkommt. In welchem Alter tritt diese gehäuft auf?

Am häufigsten tritt Neurodermitis im Kleinkindesalter von sechs Monaten bis vierjährig auf. Danach verlieren rund zwei Drittel der Kinder bis Schuleintritt die Neurodermitis. Bei rund einem Drittel bleibt sie bestehen oder tritt im jungen Erwachsenenalter wieder auf. Bei den Erwachsenen sind rund 5 bis 8 Prozent von Neurodermitis betroffen.

 

Was weiss man über die Ursachen?

Bei der Neurodermitis spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu gehören einerseits die Vererbung sowie eine immunologische Fehlsteuerung. Andererseits zeigt sich bei der Neurodermitis eine veränderte Hautbarriere. Hinzu kommen Umweltfaktoren wie Allergien oder Ernährungsgewohnheiten.  Auch psychische Faktoren und Stress können Neurodermitis-Schübe beeinflussen.

 

Die Neurodermitis bei Erwachsenen verläuft meist in Schüben und ist chronisch.  Welche Symptome zeigen sich?

Es zeigen sich drei typische Symptome: ein sehr starker, unangenehmer Juckreiz, trockene Haut und als Drittes die eigentlichen Ekzeme. Diese sind rot, schuppen und können auch nässen.

 

Die Neurodermitis wird in sogenannten Stufen behandelt. Können Sie uns das näher erklären?

Die erste Stufe ist die Basistherapie und beinhaltet die Rückfettung der Haut. Damit kann ihre Schutzfunktion verbessert und auch der Juckreiz günstig beeinflusst werden.

Im zweiten Schritt werden entzündungshemmende Salben etwa mit Kortison auf der Haut angewendet. Wenn das nicht reicht, werden als dritte Stufe zusätzlich etwa Lichtbehandlung oder feuchte Umschläge eingesetzt. Helfen auch diese Massnahmen nicht, gibt es Medikamente, die das Immunsystem so hemmen, dass Schübe gebremst  werden.

Zudem sollte bei der Behandlung auch an auslösende Faktoren wie Ernährung, irritierende Kleidung, Körperpflege und andere Umweltfaktoren gedacht werden.  Ziel der Behandlung ist es, die Symptome möglichst zu kontrollieren und symptomfreie Phasen zu stabilisieren. Zudem gibt es spezielle Unterwäsche, die sehr thermoaktiv ist, keine irritierenden Nähte hat und sich dadurch günstig auf Juckreiz und Keimbesiedelung auswirken kann.

 

Welche Massnahmen helfen bei einem akuten Schub?

Hier hilft zumeist intensive Anwendung von Kortisonsalben, im äussersten Fall auch Kortisontabletten sowie juckreizstillende Medikamente.

 

Auch das psychische Wohlbefinden wird bei Neurodermitis oftmals in Mitleidenschaft gezogen. Wie erleben Sie das in der Praxis?

Besonders bei schweren Formen ist die Erkrankung oftmals mit einer grossen psychischen Belastung verbunden. Die Patienten schämen sich teils auch wegen der sichtbaren Ekzeme und haben ein vermindertes Selbstwertgefühl.  

 

Wie sieht der aktuelle Stand der Forschung aus?

Sehr gut! Man kennt immer mehr Ursachen und entschlüsselt die Eiweisse, welche fehlen oder fehlerhaft gebildet werden. Wir stehen an der Schwelle zur Einführung neuer Medikamente wie den sogenannten Biologika, die gezielt bei schweren Formen der Neurodermitis eingesetzt werden können.

 

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