Wie, Herr Birkhäuser, kommt es überhaupt zu einer Osteoporose?

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, welche die Knochen abbaut und damit nach und nach ihre Struktur zerstört. Die Knochen werden porös und ihre Architektur weniger belastungsfähig. Sie sind dadurch weniger stabil. Deshalb kommt es schneller zu Knochenbrüchen und Frakturen.

Mit welchen Folgen müssen die Patientinnen und Patienten rechnen?

Mit zunehmendem Alter ist ein gewisser Verlust an Knochenmasse durchaus normal. Gefährlich wird es dann, wenn dieser Verlust überschritten wird. Die Betroffenen bemerken den Knochenabbau erst, wenn er unerwartet zum Knochenbruch führt.

Röntgenbilder erkennen Knochenbrüche, eigen sich aber nicht zur Diagnose der Osteoporose. Dazu braucht es eine Knochendichtemessung

Osteoporose tut nicht weh. Erst ein Knochenbruch ist schmerzhaft.

Oft genügt es, eine schwere Einkaufstasche zu heben oder eine Treppenstufe zu verfehlen, um einen oder mehrere Wirbelkörper zum Zusammenbrechen zu bringen.

Solche Wirbelbrüche werden oft nicht als solche erkannt, weil die Betroffenen sie als Hexenschuss, starke Rückenschmerzen oder Altersbeschwerden interpretieren.

Gefährdete Menschen sollten deshalb auf ihre Körpergrösse achten. Der Verlust von mehr als drei Zentimetern der ursprünglichen Grösse ist ein möglicher Hinweis auf eine vorliegende Osteoporose.

Wann wird es besonders problematisch?

Eine sehr schwerwiegende Folge der Osteoporose ist ein Bruch des Schenkelhalses. Die Einweisung ins Spital mit nachfolgender Operation ist praktisch immer die Konsequenz. Viele ältere Menschen sind nach einem solchen Bruch bleibend behindert.

Wie wirken sich die Folgen von Osteoporose auf die Lebenserwartung und Gesundheitskosten aus?

Frauen haben nach einem Schenkelhalsbruch eine 10 bis 20 Prozent höhere Sterblichkeit als von ihrem Alter her erwartet würde.

Die jährlichen direkten Spitalkosten sind mit 291 Millionen Franken (Basis 2008) für Knochenbrüche bei Osteoporose praktisch gleich hoch wie diejenigen für Herzinfarkt, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und Brustkrebs zusammen genommen. Für Rehabilitation und Folgekosten bei bleibender Behinderung kommen nochmals rund 100 Millionen dazu.

Wie kann ich einer Osteoporose vorbeugen?

Das Knochengewebe braucht Kalzium und Vitamin D, um Knochen zu bilden. Eine ungenügende Kalziumaufnahme kann den Aufbau der Knochenmasse bremsen oder gar verunmöglichen und den altersabhängigen Knochenverlust verstärken.

Milch und Milchprodukte sind die wichtigsten Kalziumlieferanten. Erwachsene brauchen täglich mindestens drei Portionen, zum Beispiel ein grosses Glas Milch, einen Becher Joghurt und ein Stück Käse.

Mineralwasser ist ebenfalls ein guter Lieferant von Kalzium. Und auch Gemüse, Früchte, Getreideprodukte und Kartoffeln sollten auf dem Menüplan nicht fehlen. Besonders ältere Menschen leiden an einem Vitamin D-Mangel, sodass das fehlende Vitamin D auch bei gesunder Ernährung oft ergänzt werden muss.

Wie steht es mit der Bewegung?

Bei älteren Menschen und vor allem auch bei Osteoporose-Patienten verbessert regelmässige Bewegung die Muskelkraft, die Koordination und den Gleichgewichtssinn. Dadurch vermindern sich die Gefahren eines Sturzes stark und damit auch das Risiko eines Bruches.

Aber Vorsicht: Für einen bereits geschädigten oder gefährdeten Knochen ist nicht jede Art von Bewegung sinnvoll. Deshalb sollte man gemeinsam mit seinem Arzt herausfinden, welches Training geeignet ist.

Wie wird die Osteoporose diagnostiziert?

Röntgenbilder erkennen Knochenbrüche, eigen sich aber nicht zur Diagnose der Osteoporose. Dazu braucht es eine Knochendichtemessung. Weil das Entstehen einer Osteoporose Jahre dauert, können aufgrund von Knochendichtemessungen frühzeitig die notwendigen Schritte eingeleitet werden.

Gibt es Risikofaktoren, welche die Osteoporose begünstigen?

Ja, die gibt es. Dazu gehören unter anderem ein Kalzium- und Vitamin D-Mangel, bestimmte Medikamente, Krankheiten, die Knochen schwächen, ein niedriges Körpergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum.

Bei Frauen sind es zudem ein Östrogenmangel, eine frühe Menopause, das Ausbleiben der Monatsblutung während mehr als sechs Monaten oder die erfolgte Entfernung der Eierstöcke.

Leider werden die Kosten für die Früherkennung der Osteoporose durch eine Knochendichtemessung, welche eine rechtzeitige Einleitung vorbeugender Massnahmen erlaubt, in der Schweiz von den Krankenkassen noch immer nicht übernommen. Dies käme global gesehen signifikant billiger.