Haben Sie Sommersprossen?

Brock Elbank: Nein, ich habe keine einzige Sommersprosse. Aber meine Frau hat welche und mag es nicht besonders, wenn ich sie fotografiere.

Was hat Sie motiviert, sich fotografisch mit Sommersprossen und der Pigmentstörung Vitiligo zu befassen?  

Meistens gibt es diesen einen Moment, in dem ich auf eine Person treffe, die mich zu einem neuen Projekt inspiriert. In diesem Fall war es ein Junge. Eddie hatte dieses unglaubliche Gesicht, das voll von Sommersprossen war, und dazu hatte er diese stechend blauen Augen, so etwas habe ich vorher noch nie gesehen.

Es stellte sich heraus, dass er das erste Modell für meine Sommersprossen-Serie werden sollte. Für mich geht es bei der Suche nach Modellen immer um Menschen, die aus der Masse herausstechen.

Wie finden Sie Ihre Fotomodelle?

Der grösste Teil meiner Arbeit läuft über Instagram. Dort sehen die Menschen meine Bilder und schreiben mich daraufhin auch regelmässig an, weil sie Teil meiner Serie werden wollen.

Wie viele Fotosujets folgten nach diesem ersten Bild des Jungen? 

Ich habe rund 190 Menschen von sechs Kontinenten für diese Serie abgelichtet. Manche von ihnen lieben ihre besondere Haut, andere hassen sie.

Manche nahmen am Fotoshooting teil, weil ihnen der Gedanke gefiel, dass Sommersprossen einmal anders abgebildet werden, andere machten mit, weil sie neugierig waren oder aber weil sie durch dieses Shooting ihr Selbstvertrauen stärken wollten. 

Was haben Sie während der Fotoshootings über die Menschen vor der Kamera gelernt?

Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Es spielt keine Rolle, wie alt die Person ist, von woher sie stammt oder welchen Hintergrund sie hat. Natürlich sind die Geschichten innerhalb einer Serie ähnlich, letztlich aber doch immer ganz anders.

Inwiefern?

Während meiner Arbeit zur Serie über Menschen mit der Pigmentstörung Vitiligo, der sogenannten Weissfleckenkrankheit, habe ich beispielsweise ein Mädchen aus Italien porträtiert. Sie wollte Teil meiner Arbeit sein, weil sie dadurch ihr Aussehen akzeptieren wollte.

Es war sehr mutig, sich dafür vor die Kamera zu wagen. Immerhin wird die Serie anschliessend auf Social Media publiziert und jeder kann ihr Close-up sehen.

Dafür brauchen die Menschen auch viel Vertrauen zu Ihnen. Wie gewinnen Sie dieses?

Ich schiesse kein einziges Bild, bevor ich mich mit der Person nicht mindestens eine Stunde unterhalten habe. Die Person muss sich vor der Kamera wohl fühlen.

Das tut sie eher, wenn ihr die Person hinter der Kamera nicht komplett fremd ist. Man bekommt aber auch schlicht kein gutes Bild, wenn man als Fotograf nichts über die Person vor der Linse weiss. Basis meiner Arbeit ist ein ehrliches Interesse an den Menschen und deren Geschichten.

Erfahren Sie jeweils, was die Porträtierten über Ihre fertige Arbeit denken? 

Ich publiziere kein Bild, bevor die Person es nicht gesehen und ihre Einwilligung gegeben hat. Für mich ist es sehr wichtig, dass sich die Leute mit ihrem Bild wohl fühlen. Es ist für mich natürlich auch schön, ihre Reaktion zu sehen, wenn sie ihr Porträt zum ersten Mal sehen.

Findet auch unter den Modellen ein Austausch statt?

Tatsächlich geschieht das mehr und mehr. Sie sehen die anderen Teilnehmer der Serie auf Instagram und beginnen, sich gegenseitig auf Social Media zu folgen. Ich habe beispielsweise einen Mann fotografiert, der erst mit 50 Jahren Vitiligo entwickelt hat.

Für ihn war das Fotoshooting eine Möglichkeit, mit anderen Menschen mit dieser Hauterkrankung in Kontakt zu treten. Aber auch an Fotoausstellungen, die ich immer wieder mache, kommen jeweils zahlreiche Porträtierte vorbei und beginnen so auch, sich untereinander zu vernetzen.

Was war die eindrücklichste Geschichte, auf die Sie durch Ihre Arbeit gestossen sind?

Ich erinnere mich an eine Frau aus Trinidad und Tobago, die wegen einer Pigmentstörung komplett weisse Haut bekam. Geboren wurde sie allerdings mit schwarzer Haut. Es habe sie über zehn Jahre gekostet, um zu realisieren, dass sie nicht mehr schwarz, sondern weiss ist.

Ich fand das besonders beeindruckend, weil einem dadurch nochmals bewusst wird, wie absurd diese ganze Diskussion über Hautfarben ist. 

Früher haben Sie Fashion fotografiert. Wollen Sie dahin zurück? 

Nein, heute bevorzuge ich es, mit echten Menschen und nicht mit professionellen Models zu arbeiten. Meine Fotografie soll die Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen zeigen.

Wird es weitere Serien über Hauterkrankungen geben? 

Eher nicht. Ich möchte nicht auf ein Thema reduziert werden, sondern frei sein, mich auf ganz verschiedene Sujets einzulassen. Auch hierbei helfen mir übrigens meine Instagram-Followers mit Vorschlägen und Ideen.

Was möchten Sie Menschen, die anders aussehen, auf den Weg geben?

Anders auszusehen, ist kein Nachteil, sondern eine Stärke. Warum würde man freiwillig in der Masse untergehen wollen? Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch seine Andersartigkeit akzeptieren und schätzen lernen kann.