Es ist kurz vor neun. Lisa Kropf packt einige vorbereitete Utensilien in ihr Auto und fährt zum ersten Patienten. Früher beginnt der Arbeitstag der jungen Dentalhygienikerin selten, da sich ihre Arbeitszeiten nach dem Alltag der Pflegeheime ihrer Patienten richtet und somit nicht mit einer in der Praxis behandelnden Dentalhygienikerin vergleichbar ist.

Oft beginnt die Arbeit schon ein bis zwei Wochen im Voraus. Vor jeder Behandlung klärt die junge Frau mit den Heimen und behandelnden Ärzten die Anamnese des Patienten ab – im Kanton Zürich eine bereits obligatorische Grundvoraussetzung zur Behandlung. Einer der wichtigsten Punkte ist das Wissen, ob die Person selbstbestimmend ist oder welche Medikamente sie einnimmt, denn dies hat einen erheblichen Einfluss auf die Behandlung.

Ein grosser Vorteil des mobilen Service liegt darin, körperlich eingeschränkten Menschen den Zugang zu einer guten zahnmedizinischen Versorgung zu gewährleisten. Für die betroffenen Personen und die Angehörigen ist ein Besuch im Pflegeheim oder in den eigenen vier Wänden meist mit massiv weniger Stress verbunden.

«Durch meine Arbeit kann ich den Menschen etwas zurückgeben und ich verstehe sie überdies als ein soziales Projekt»

Zum einen, weil die Behandlung in der gewohnten Umgebung stattfinden kann und zum anderen, weil der Transport entfällt. Dadurch fallen zudem geringere Kosten an, weil die Patienten keine externe Pflegeperson benötigen, die sie begleitet.

Das Aufgabenspektrum von Lisa Kropf ist sehr breit, denn ihre mobile Dentalhygienepraxis bietet eine dentalhygienische Behandlung an und berücksichtigt dabei die individuelle Situation der Patientinnen in Pflegeheimen oder bei pflegebedürftigen Personen zu Hause.

Ebenfalls schult sie die Pflegefachkräfte und leitet diese an, eine gute Mundpflege bei ihren Bewohnern zu betreiben.

«Die wichtigsten Vorteile, die sich durch eine regelmässige Prophylaxe ergeben, sind zum Beispiel gesunde Mundverhältnisse. Dadurch können Folgeschäden vermieden werden wie zum Beispiel Zahnfleischprobleme, Zahnhalteapparat-Probleme, Karies usw. Ein Punkt, den man oft vergisst ist, dass eine schlechte Mundgesundheit das Risiko von schweren Erkrankungen wie Lungenentzündungen und Herzinfarkten erhöht», erklärt sie.

Im Heim angekommen, richtet sie den Behandlungsraum ein und desinfiziert ihn fachgerecht. Die zu behandelnde Patientin ist noch beim Frühstück und lässt auf sich warten. Frau Kropf lacht: «Wenn ich in den Pflegeheimen bin, ist es immer spannend, was der Tag so bringt. Es läuft in den meisten Fällen nicht so, wie es ursprünglich geplant war. Es erfordert immer ein gewisses Mass an Flexibilität.»

Sie nutzt die Zeit jedoch und erklärt, warum sie sich für diesen Beruf entschieden hat: «Ich mag den Umgang mit unterschiedlichen Menschen. Durch meine Arbeit als Dentalhygienikerin stellte ich jedoch fest, dass es für ältere Menschen oft schwierig ist, sich täglich um die Mundhygiene zu kümmern. Besonders herausfordernd ist dies beispielsweise für Menschen mit Demenzerkrankung, da diese hin und wieder das Zähneputzen vergessen.

Zudem ist es auch aus logistischer Sicht nicht immer ganz einfach, die Bewohner von den Pflegeheimen bis zu uns in die Praxis zu bringen.

«Neben der Zusammenarbeit mit dem Patienten gefällt mir diese tägliche Herausforderung»

Ich wollte dieses Problem angehen und habe mir überlegt, was man dagegen tun kann und wie ich einen Beitrag leisten kann, um die Situation zu verbessern.

So wurde ich auf das Projekt ‹Mundhygiene in der Pflege› von Swiss Dental Hygienists aufmerksam.»

Ich begann in diesem Projekt mitzuarbeiten und besuchte fortan Pflegeheime und machte Schulungen für die Pflegenden. Dies reichte aber nicht aus und ich überlegte mir als mobile Dentalhygienikerin, dentalhygienische Behandlungen vor Ort anzubieten. Dank freundlicher Unterstützung von meinem Zahnarzt konnte ich meine Idee, mobil unterwegs zu sein, umsetzen.

Die Patientin kommt herein und nimmt Platz. Sie ist anfangs etwas skeptisch und möchte sich nicht in den Mund schauen lassen, sodass Frau Kropf die Balance zwischen Fach- und Sozialkompetenz finden muss.

In diesen Momenten besinnt sie sich auf ihre in der Praxis erlernten Fähigkeiten und Erfahrungen im Umgang mit Patienten. Ihrer Meinung nach braucht es nicht nur ein sehr breites Fachwissen aus zahnmedizinischer, sondern auch aus allgemein medizinischer Sicht. Denn als behandelnde Fachkraft sollte einem die Rolle bewusst sein, die man gegenüber dem Patienten einnimmt.

Zu Menschen, die das Haus gar nicht mehr verlassen können, baut sie eine intensivere Beziehung auf, in der es dennoch wichtig ist, die Grenzen zu wahren. Mit viel Engagement und Herzblut schafft sie es nun, die betagte Dame zu behandeln, sodass letztendlich alles problemlos vonstattengeht.

«Neben der Zusammenarbeit mit dem Patienten gefällt mir diese tägliche Herausforderung», betont sie, nachdem die Patientin den Raum verlassen hat. «Durch meine Arbeit kann ich den Menschen etwas zurückgeben und ich verstehe sie überdies als ein soziales Projekt.

Mir geht es nicht darum, was am Ende eines Tages auf dem Konto ist, sondern darum, etwas Gutes und sehr Sinnvolles zu tun. Ich erfahre auch eine grosse Dankbarkeit und Wertschätzung von meinen Kundinnen und Kunden, was mich sehr berührt.»

Besonders am Herzen liegen ihr auch die Weiterbildungen und Kurse für das behandelnde Personal sowie für die Heimbewohner und deren Angehörige und merkt positiv an, dass sich immer mehr Heime zunehmend der Thematik der Mundhygiene widmen.

Nach dem anstrengenden Behandlungstag räumt sie auf und belädt ihr Auto. In den darauffolgenden Tagen wird die junge Frau noch viel zu tun haben, da nun die Administration ihrer Arbeit auf sie wartet: Rechnungen schreiben, Heime, Ärzte, Zahnärzte informieren und natürlich müssen auch die ganzen Instrumente wieder fachgerecht aufgearbeitet werden.