Vor elf Jahren war ich auf Lanzarote, um Spanisch zu lernen und zu kiten. Eines Tages, ich stand gerade auf dem Brett, erfasste mich eine Windböe. Ich wurde an den steinigen Strand geschleudert und hatte Knochenbrüche von Kopf bis Fuss. Weder die Ärzte auf Lanzarote noch in der Schweiz konnten genau feststellen, was – ausser den diversen Knochenbrüchen – am Rücken kaputt war. Nach dem Rücktransport in die Schweiz wurde ich lediglich geröntgt und man liess die Brüche verheilen, anstatt mich gründlich zu untersuchen.

Die Rückkehr

Bereits einen Monat später zog es mich zurück auf die Vulkaninsel. Man hatte mir einen Job als Kite-Lehrerin angeboten. Die Freude am Sport war zurück. Etwa ein halbes Jahr lang lief alles gut.

Ich wurde an den steinigen Strand geschleudert und hatte Knochenbrüche von Kopf bis Fuss

Eines Nachts erwachte ich plötzlich. Alles drehte sich. Dem Schwindel folgten heftige Schmerzen im unteren Rückenbereich. Eine Ärzteodyssee begann. Ärzte und Physiotherapeuten meinten, die Schmerzen wären Nachwehen von Mikroverletzungen des Unfalls und würden mich mein Leben lang begleiten. Ich fand mich irgendwann damit ab und arrangierte mich mit den Schmerzen.

 

Die Liebe zum Triathlon

Trotz Beschwerden ging ich weiterhin kiten und arbeitete daneben in der Marketing-Abteilung eines Sporthotels auf Lanzarote. Als ich in dieser Funktion die Profi-Athleten am Ironman Lanzarote betreute, war es um mich geschehen. Ich war total fasziniert vom Triathlon und den Emotionen, die er bei den Athleten auslöste. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Velofahren und anschliessend noch ein Marathon. Abartig! Dennoch, ich wollte das auch. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Ich begann mit intensiven Trainings, die ich nach meiner Rückkehr in der Schweiz fortsetzte. Aufgrund meiner tollen Wettkampfleistungen dachte ich nicht daran, mit dem Sport aufzuhören, bloss weil der Rücken wehtat. Irgendwann stellten sich schlimme Nackenbeschwerden ein. Dazu kamen während der Wettkämpfe Aussetzer in den Beinen. Doch ich lief weiter. An der Triathlon-Europameisterschaft in Deutschland hatte ich in der Halb-Ironman-Distanz dann mein bislang bestes Ergebnis. Ich konnte zwar danach meinen Kopf einen Tag lang nicht mehr bewegen, aber das war es mir wert.

Schockdiagnose: Bandscheibenvorfall

Ich gab weiter Gas. Doch irgendwann, nach einem längeren Training, ging nichts mehr. Ich konnte mich nicht einmal hinlegen, ohne dass es schmerzte. Mein Hausarzt verwies mich an einen Spezialisten. Der Neurochirurg erkannte nach gründlicher Untersuchung, dass die Bandscheiben zwischen den Wirbeln C5 und C6 beziehungsweise C6 und C7 praktisch komplett ausgelaufen waren und gegen das Rückenmark zu drücken drohten. In einer Notoperation wurden mir 2011 zwei künstliche Bandscheiben implantiert. Die postoperativen Schmerzen dauerten nur kurz. Bald schon konnte ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Das war überwältigend.

Wenige Monate nach der Operation schaffte ich es zum ersten Mal auf ein internationales Podest. Es war wunderbar, wieder beschwerdefrei rennen zu können. Die Implantate nahmen mir zudem die Rücken- und Kopfschmerzen, die mich auf der Arbeit öfters geplagt hatten. Seit der Rückenoperation hat sich das Blatt für mich um 180 Grad gewendet. Die Operation war der beste Entscheid meines Lebens. Meine Triathlon-Karriere erlebt einen unfassbaren Aufschwung, ich verfüge über mehr Lebensqualität denn je! Mein nächstes Ziel ist der Ironman Hawaii.