Die Zahl ist extrem: Achtzig Prozent der Menschen in der Schweiz verspüren mindestens einmal pro Woche Rückenschmerzen. Das ist Wahnsinn, unglaublich! Man überlege sich mal, welch horrend hohe Gesundheitskosten dies verursacht. Wie sich das ändern soll? Der erste Schritt zur Besserung ist das Erkennen der Gefahr und umgekehrt das Erkennen der Wichtigkeit eines gesunden Rückens.

In Bereichen, in denen wir uns täglich über längere Zeit aufhalten, müssen wir gute Bedingungen für unseren Rücken schaffen. Im Bett etwa verbringen wir sechs, vielleicht acht Stunden. Viel Zeit also. Wer abends ohne Rückenschmerzen schlafen geht und morgens mit Schmerzen aufsteht, weiss, wo das Problem wortwörtlich «liegt». Ein gutes Bett ist ein Muss.

«Die Leute vergessen oft, dass der Körper ein einziger Apparat ist, der nur als Ganzes funktioniert.»


Wichtig ist, dass Leute mit Sitz- und Stehberufen sich regelmässig bewegen: Herumlaufen, ab und zu ans Stehpult wechseln oder sich anders abstützen. Es ist ein Irrglaube, dass bolzengerades Sitzen gut tut. Lieber bequem sitzen und sich immer wieder Bewegung gönnen als dazusitzen, als hätte man einen Besen verschluckt. Sonst wird man total verspannt.

Und dann sollte natürlich jeder Sport machen. Oft wird gefragt: Welchen Sport? Wieviel Sport? Ich sage: Das ist nicht die primäre Frage. Bei den meisten Leuten ist es doch nur schon positiv, wenn sie sich mal sportlich betätigen. Pilates, Yoga und Co. liegen derzeit im Trend. Das tut sicher jedem gut. Krafttraining auch. Da kriegt man die Spannung in den Körper, die vielen fehlt. Andere hingegen sollten erst mal Stretching machen, um Spannung abzubauen. Bei diesen Leuten kann falsches, übermotiviertes Krafttraining sogar negativ wirken.
Ohnehin gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Das getanzte Fitness Zumba macht den Rumpf zwar geschmeidig und locker. Für viele wäre aber gerade das Gegenteil, nämlich das Stabilisieren des Rückens, wichtiger.

Ich denke, die Richtung des Denkens im Volk verändert sich. Heutzutage informieren sich die Leute viel mehr als früher. Junge Frauen wollen zwar immer noch einfach dünn sein. Frauen ab Ende zwanzig sind aber gewillt, einen straffen Körper mit Spannung zu haben. Ich erinnere gerne an die schönen Hollywood-Stars, die in Kleidern ach so sexy aussehen. Und dann kriegen wir Paparazzi-Bilder aus den Strandferien und sehen, wie alles schlaff hängt.

Ich selbst hatte zum Glück – «Holz aalange» – noch nie Probleme mit meinem Rücken. Keine Schmerzen, kein Ziehen, nichts. Neben einer Portion Glück liegt das vor allem daran, dass ich als aktiver Spitzensportler immer gut ausgebildete Trainer hatte und dass ich schon immer viel Sport trieb. Und zu guter Letzt hatte ich  Eltern, die mich schon früh auf die richtige Haltung aufmerksam gemacht haben. «Sitz anständig», habe ich oft gehört. Heute bin ich froh darüber.

In Zürich stehen wir ästhetisch auf einem einzigartig hohen Niveau. An der Bahnhofstrasse sieht man kaum Leute im Schlabberlook, jeder achtet auf sein Äusseres. Die allermeisten achten mehr oder weniger auf die Ernährung und treiben Sport. Leistungsfähigkeit nach aussen zu zeigen gehört dazu. Der Rücken sagt danke. Noch extremer ist das in New York, wo es längst zum guten Ton gehört, ins Fitnessstudio zu gehen. Dort sind die Studios um sechs Uhr in der Früh rappelvoll. Bei uns hat zu dieser Uhrzeit kaum ein Fitness geöffnet.
Neben der Bewegung im Alltag und dem Sport ist ganz sicher auch die richtige Ernährung wichtig. Wer gesund isst und trinkt, der hat einen guten Stoffwechsel, eine gute Verdauung und die richtige Spannung im Körper.

Zuletzt möchte ich an die Einheit des gesamten Körpers erinnern. Viele – sogar sportliche – Menschen trainieren ihren Körper zu einseitig. Der Marathonläufer trainiert seine Beine. Andere, die eine stählerne Brust und muskulöse Oberarme präsentieren wollen, stemmen wie wild Gewichte. Dabei vergessen sie oft, dass der Körper ein einziger Apparat ist, der nur als Ganzes funktioniert. Es gilt also, neben der Hauptdisziplin auch jene Übungen zu machen, die den gesamten Körper, von Kopf bis Fuss, trainieren.