Schon sechs Wochen nach Ihrer OP standen Sie wieder auf den Brettern. Wie ist Ihnen das nur gelungen?

Das war anstrengend! Es klingt vielleicht komisch, aber schon als ich nach dem Unfall abtransportiert wurde, rief ich meine Ärzte und Physios an. Mir war von Anfang an total bewusst, was auf mich zukommt. Und ich wusste, dass jeder Tag zählen würde. Darum war es aufregend zu sehen, wie schnell das gehen könnte. Wenn man etwas so sehr zurückhaben will, macht man eben alles dafür.

Wie konnten Sie sich in einer solchen Situation, die viele Menschen entmutigen würde, derart motivieren? 

Es hat natürlich mit Erfahrung zu tun. Wenn man seinen Körper ein bisschen genauer kennt und spürt, weiss man ziemlich schnell, wie die Chancen stehen. Und meistens muss man einfach ehrlich mit sich selbst sein. Ich muss zugeben, der fast übertriebene Optimismus bringt einen zum Träumen und vor allem weg von allen Gedanken, die diese Träume stören könnten. Ich hatte einfach Freude, daran zu denken, dass alles, was ich tue, zur schnelleren Heilung beiträgt.

Spüren Sie die Verletzung noch? Sind Sie irgendwie eingeschränkt, Ihre eigene Erfindung auszuführen, den ‘Yolo Flip’?

Nein. Die Verletzung spüre ich nicht mehr, und der Zustand ist fast wie vorher.

Sie haben Ärzte und Physiotherapeuten erstaunt.

Das Team macht viel aus. Niemand hat mir den Weg versperrt, was in der ganzen Physio- und Ärztewelt immer das grösste Problem darstellt. Für mich haben alle ihre Terminpläne kurz vergessen oder angepasst. Die Hilfe, die mir angeboten wurde, war auf dem höchsten Niveau der Einfühlsamkeit. Ich wollte alles doppelt und dreifach, fragte gleich, ob die Physio mehrmals kommen könnte. So nahm ich selbst keine Wochenenden frei, bis ich wieder snowboarden konnte. Aber dass sich jemand dem anschliesst und seine Sonntage opfert, ist gar nicht selbstverständlich. 

Inwiefern half Ihnen Ihr Training als Spitzensportler, hart mit sich selbst zu sein?

Der Wille ist alles. Aber auch Spitzensportler können ihn verlieren. Und wissen dann nicht genau, wo sie ihn wiederfinden. Die Formel dafür ist sehr individuell. Manche müssen bei Mutter Kuchen essen, andere müssen umziehen oder die Freundin wechseln.

Eine solche Verletzung kann einen Spitzensportler die Karriere oder zumindest den Anschluss an die Spitze kosten. Wie überwindet man solche negativen Gedanken?

Ganz einfach, die positiven Gedanken müssen überwiegen. Im Russischen gibt es ein schönes Sprichwort: “Russen geben nie auf.”

Ihre grössten Erfolge waren der Olympiasieg 2014 und der WM-Titel 2013. Wird es Ihnen Ihre Verletzung schwer machen, solche Höchstleistungen zu wiederholen?  

Je älter man wird, desto schwieriger wird es, das Leistungsniveau aufrechtzuerhalten. Aber die Erfahrung bringt einem auch extrem viele Vorteile. Man entdeckt Fehler, die man nicht wiederholen möchte. Und so ist vieles einfacher, aber auch mit mehr Aufwand verbunden, und dieser Aufwand ist mit dem verbunden, was wir mehr lieben als alles andere, deswegen fällt es nicht wirklich schwer, die Motivation dafür zu finden.

Sie bauen sich eine zweite Karriere als Fotograf auf. Welche Aufnahme würde Ihre Zeit von der Verletzung bis zur Genesung am besten ausdrücken?

Das Panorama-Fenster im Zimmer 33 der Klinik Gut.

Anfang 2015 haben Sie dann einen wahren Steigerungslauf hingelegt. Was sind Ihre Ziele für die nächste Saison?

Ich möchte weiterhin meine Titel verteidigen und schöner snowboarden.