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Die vier Gesprächspartnerinnen sind Mitglieder von Europa Donna Schweiz, eine Organisation von Brustkrebsbetroffenen, Ärztinnen, Politikerinnen und weiteren Persönlichkeiten.
Europa Donna Schweiz setzt sich dafür ein, dass alle Frauen in der Schweiz Zugang zu optimaler Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs erhalten.

EUROPA DONNA Schweiz bietet mehrere Plattformen für betroffene Frauen:

Stammtisch für junge Frauen mit Brustkrebs (inkl. geschlossener whatsapp-Gruppe), alle 2 Monate in verschiedenen Städten – das nächste Mal am 28.6.18 in Zürich.
Tavola Rosa – Entspannte Treffen bei einer Tasse Tee oder Kaffee für Betroffene – jeden 1. Montag im Monat in Basel.
«Entdeckungen mit Krebs – eine Reise durch Raum und Zeit für Krebsbetroffene, Angehörige und Interessierte». Workshops in Bern, die alle einzeln besucht werden können.
Mehr Infos auf www.europadonna.ch oder auf www.facebook.com/europadonnaschweiz.

Julia Curty ist heute 41 Jahre alt.

Wie haben Sie erfahren, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, und wann wurde bei Ihnen die definitive Diagnose gestellt?
Im Mai 2017 habe ich zufällig einen Knoten im linken Achselbereich ertastet. Mir stockte der Atem und mein Bauch sagte mir, dass hier etwas nicht stimmt. Die unbestätigte Erstdiagnose stand zwölf Stunden später nach einem Ultraschall fest: ein bösartiger Tumor. Noch am selben Tag nahm der Gynäkologe eine Stanzbiopsie vor und veranlasste bereits am selben Nachmittag ein MRI. Ein zweiter Knoten kam zum Vorschein. Drei Tage später im PET-CT gab es Entwarnung: Es hatten sich zumindest bis dahin noch keine Metastasen gebildet. Die Ergebnisse der Stanzbiografie lagen vor und aufgrund der zwei aggressiven Tumorherde wurde bereits Mitte Juni eine Mastektomie der Brust vorgenommen. Aufgrund der Tatsache, dass der Wächterlymphknoten im Schnellschnitt nicht befallen war, wurde noch in derselben Operation eine Rekonstruktion der Brust durchgeführt.

Welche Therapien mussten beziehungsweise müssen Sie nach wie vor absolvieren?
Nach der Untersuchung des entfernten Tumorgewebes stand fest, dass trotz nicht befallener Lymphknoten noch vier Chemotherapien bevorstanden. Zusätzlich erhalte ich heute eine zielgerichtete Antikörpertherapie, die noch bis in den Sommer andauern wird. Zudem habe ich direkt mit der Antihormontherapie begonnen, die mich das nächste Jahrzehnt begleiten wird. Da rund sechs Monate nach der Chemotherapie die Hormontätigkeit meines Körpers wieder einsetzte, erhalte ich alle drei Monate neu eine Spritze, die mich künstlich in die Menopause versetzt. Direkt nach der Chemotherapie habe ich zusätzlich mit einer Misteltherapie begonnen, die mein Immunsystem auf pflanzlicher Basis stärken soll.

Wie beurteilen Sie heute selber Ihre Heilungschancen?
Die Statistik meint es gut mit meinen Heilungschancen. Ich verlasse mich aber nicht auf sie. Ich für meinen Teil habe mich unglaublich intensiv mit meinem Leben und der Krankheit auseinandergesetzt. Ich bin inzwischen der Überzeugung, dass der aktive Patient bessere Heilungschancen hat. Ich habe die Ernährung komplett umgestellt, treibe viel Sport, nehme mir viel Zeit für mich und für alles, was mir lieb ist. Sollte es einen Rückfall geben, kann ich für mich sagen, dass ich alles Mögliche probiert habe und dass es wohl einfach Schicksal sein muss.
Ricarda Bender-Gàl ist heute 36 Jahre alt.

Wie Wie haben Sie erfahren, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, und wann wurde bei Ihnen die definitive Diagnose gestellt?
Ich habe im Alter von 30 Jahren beim Duschen einen Knoten in der Brust festgestellt, der über mehrere Monate langsam wuchs. Daher habe ich sofort meine Gynäkologin aufgesucht, die mittels einer Biopsie am 28. Januar 2013 die Diagnose Brustkrebs stellen konnte. Ich hatte grosses Glück: Da meine Gynäkologin auch Belegärztin im Brustzentrum am Spital Thun ist, hat sie trotz der niedrigen Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs bei einer 30-jährigen Frau sofort reagiert und nach dem nicht eindeutigen Ultraschall die weiterführende Untersuchung in Form einer Biopsie durchgeführt.

Welche Therapien mussten beziehungsweise müssen Sie nach wie vor absolvieren?
Der Tumor war glücklicherweise nicht sehr aggressiv und erst rund 2,5 Zentimeter gross, daher konnte ich brusterhaltend operiert werden. Im Anschluss erfolgte eine Chemotherapie und nach deren Abschluss die Bestrahlung. Dabei wurde zuerst die betroffene Brust drei Wochen lang ambulant von aussen und danach stationär über vier Tage das Tumorbett von innen mit der sogenannten Brachytherapie bestrahlt. Nach dem Ende der Strahlentherapie begann die Antihormontherapie mit täglichen Tabletten, dem Tamoxifen. Diese Therapieform sollte im Minimum über fünf, besser über zehn Jahre angewendet werden. Auf Grund von starken Nebenwirkungen musste ich sie leider nach knapp drei Jahren abbrechen.

Wie beurteilen Sie heute selber Ihre Heilungschancen?
Natürlich wird kaum ein Arzt einer Patientin mit Brustkrebs sagen, dass sie nach einer gewissen Zeit und bestimmten Therapien ganz geheilt und gesund ist. Aber nachdem meine Diagnose nun über fünf Jahre her ist und seither alle Kontrollen positiv verlaufen sind, ist die Chance, dass der Brustkrebs bei mir nicht wieder auftritt, sicher sehr gross. Im Alltag habe ich sowieso keine Angst, nur bei den periodischen Kontrollen habe ich natürlich immer ein mehr oder weniger mulmiges Gefühl. Trotzdem freue ich mich auch über die Kontrollen, weil ich jedes Mal mit einem positiven Ergebnis einen weiteren Schritt in Richtung eines langen Lebens gemacht habe und das ein Grund zum Feiern ist.
N. B. ist heute 65 (Name der Redaktion bekannt).

Wie haben Sie erfahren, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, und wann wurde bei Ihnen die definitive Diagnose gestellt?
Die Diagnose erhielt ich im Februar 2012. Bereits meine Mutter hatte Brustkrebs, deshalb wurde ich von meiner Frauenärztin alle zwei Jahre zur Mammografie geschickt. Ich ging immer widerwillig, ich glaubte keinen Moment daran, dass es mich treffen könnte. 2011 erkrankte meine Tante, aber auch dies betraf mich nicht. Der Schock nach der Diagnose war dann umso grösser. Zuerst glaubte ich lieber an einen Diagnosefehler. Es folgte eine Krise mit Selbstmitleid zuhause. Dann ein Gespräch mit Donatella Corbat von Europa Donna. Dabei erhielt ich erste Tipps. Dann erfasste mich eine Art Starre, die es mir ermöglichte, die Biopsien durchzustehen. Am Anfang, ohne meine Tochter einzuweihen. Was sie mir dann auch übel nahm. Sie hätte mich gerne von Anfang an begleitet.

Welche Therapien mussten beziehungsweise müssen Sie nach wie vor absolvieren?
Die Operation konnte brusterhaltend durchgeführt werden und verlief sehr gut. Ich konnte das Spital nach drei Tagen verlassen. Sofort begann die Behandlung mit einem Aromatasehemmer für fünf Jahre. Ich habe dieses Medikament sehr gut vertragen und auch die fünf Jahre durchgezogen. Neun Wochen nach der Operation begann die Strahlentherapie für fünf Wochen. Bis dahin verlief alles sehr gut, ich war glimpflich davongekommen. Dann, nach zehn Bestrahlungen, setzte die Fatigue ein, eines der häufigsten Begleitsymptome bei Krebserkrankungen, und die Haut machte immer mehr Probleme. Sie konnte erst nach dem Bestrahlen richtig behandelt werden, erholte sich dann aber ohne Narben. Mit der Fatigue kämpfte ich lange. Am schlimmsten waren die Konzentration und das Gedächtnis. 2012 und 2013 existieren in meiner Biografie praktisch nicht. Dies war sehr belastend. Ich hatte immer sehr viel gelesen, nun konnte ich mir kaum noch zwei Sätze merken. Zu meiner Erleichterung habe ich mich auch davon erholt.

Wie beurteilen Sie heute selber Ihre Heilungschancen?
Die Mammografien 2013 und 2014 waren noch sehr belastend und mit viel Angst verbunden. Jetzt, sechs Jahre danach, fühle ich mich gesund und zuversichtlich. Zwar wurde im Wächterknoten eine Mikrometastase festgestellt. So ist ab und zu der Gedanke präsent, ob ich es wohl schaffen werde. Aber mit jedem Jahr kommt ein wenig mehr Vertrauen dazu.
S. M. ist heute 70 (Name der Redaktion bekannt)

Wie haben Sie erfahren, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, und wann wurde bei Ihnen die definitive Diagnose gestellt?
Ich habe vor fünf Jahren einen Knoten in der rechten Brust ertastet. Zuerst vermutete ich eine Zyste. Dann rief ich die Praxis meines langjährigen Gynäkologen an. Sofort erhielt ich einen Termin zur weiteren Abklärung.

Welche Therapien mussten beziehungsweise müssen Sie nach wie vor absolvieren?
Der Arzt schickte mich zu diversen Untersuchungen. Es wurde eine Magnetresonanztomografie durchgeführt und der Thorax untersucht. Zudem wurden ein Ultraschall und eine Biopsie vorgenommen. Als die Diagnose klar war, durfte ich noch eine Positronen-Emissions-Tomografie machen lassen. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass ich keine Metastasen hatte. Eine grosse Erleichterung für mich. Dann ging es sofort los mit Chemotherapie. Zuerst jede Woche, dann Pause von einer Woche, dann eine zweite Serie alle zwei Wochen. Ich verlor nicht nur meine Haare, sondern auch die Finger- und Zehennägel. Dies war sehr mühsam und belastend. Danach wurde meine linke Brust ausgehöhlt und die rechte gleichzeitig verkleinert. Da ich einen Wiederaufbau plante, musste man so vorgehen. Anschliessend folgte die Strahlentherapie, rund 30 Sitzungen, so wie ich das in Erinnerung habe. Ich musste alle drei Monate zur Kontrolle, sei es fürs Abtasten, einen Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie. Nun, nach fünf Jahren seit der Diagnose, muss ich nur noch einmal einen Ultraschall und eine Magnetresonanztomografie absolvieren.

Wie beurteilen Sie heute selber Ihre Heilungschancen?
Meine Heilungschancen: Wer weiss denn das schon? Bei mir sind jetzt fünf Jahre seit der Diagnose vergangen. Ich bin zuversichtlich, aber ob ich geheilt bin? Keine Ahnung. Früher sagte man, wenn fünf Jahre vorbei sind, ist alles gut. Das stimmt leider nicht, oder nicht mehr. Eine Freundin von mir hatte nach acht Jahren einen Rückfall und ist gestorben. Ich denke, diese Frage kann niemand beantworten. Jedes Mal, wenn ich zu einer Untersuchung darf, bin ich etwas nervös. Andererseits kann mir auf der Strasse jederzeit etwas passieren oder ich erkranke an etwas anderem schwer, was ich natürlich nicht hoffe. In der Schweiz sind wir medizinisch generell sehr gut versorgt.