Mit vier Jahren haben Sie mit Ballett begonnen. Was bedeutet Ihnen das Tanzen?

Seit ich denken kann, ist Tanzen der Mittelpunkt meines Lebens. Tanze ich nicht, fühle ich mich leer und unvollständig. Tänzerin zu sein, ist nicht mein Beruf, sondern meine Berufung. Es ist ein Privileg, täglich meiner Leidenschaft nachzugehen.

Was war Ihre Motivation, Tänzerin zu werden?

Ich trage meistens einen Rucksack, um Fehlbelastungen zu vermeiden

Als ich mit fünf Jahren zum ersten Mal eine Ballettvorstellung sah, wurde es zu meinem Traum, eines Tages im Tutu und in Spitzenschuhen im Scheinwerferlicht zu tanzen. Nachdem ich zum ersten Mal selber auf einer Bühne stand, war für mich klar, dass ich mich nirgendwo lebendiger fühle. Dieses einzigartige Gefühl, vor einem Publikum zu tanzen und dieses mitzureissen, sowie die unerreichbare Perfektion, die Ballett verlangt, wurden zur treibenden Kraft.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf von Ihnen aus?

Der Vormittag beginnt jeweils mit dem täglichen Balletttraining in unserem Ballettsaal. Danach bestimmt ein Probenplan, der auf die laufenden sowie bevorstehenden Produktionen ausgerichtet ist, unseren Tagesablauf. Vorstellungen finden meistens abends oder nachmittags statt. Pro Woche verbringen wir rund 36 Stunden hauptsächlich im Ballettsaal sowie auch auf der Bühne. Dazu nehmen wir uns zusätzliche Zeit für Krafttraining, Pilates und Physiotherapie.

Wie geht es Ihrem Rücken dabei?

Im Alltag werde ich oft darauf angesprochen, ob ich Balletttänzerin sei. Das liegt wohl an der aufrechten Haltung meines Rückens. Von Kindheit an stärken und dehnen wir unsere Rücken, damit wir diese beim Tanzen maximal belasten können, ohne uns zu verletzen.

Wie entlasten Sie Ihren Rücken?

Wenn ich Muskelkater oder Verspannungen verspüre, dann streiche ich meinen Rücken mit einem speziellen Gel ein oder lasse mir die Verspannungen in der Physiotherapie lösen. Ich versuche, meinen Rücken ausserhalb des Ballettsaals möglichst wenig zu strapazieren. Ich trage meistens einen Rucksack, um Fehlbelastungen zu vermeiden, und achte so oft wie möglich auf meine Haltung!

Wie wichtig sind Ihnen Erholung, Schlaf und eine ausgewogene Ernährung?

Wichtig ist, dass sich alles im Gleichgewicht befindet. Dies ist sehr individuell. Da wir nicht alle gleich sind, benötigen wir entsprechend unterschiedlich viel Schlaf und Erholung, um dieselbe Leistung zu erbringen. Mir ist über die Jahre bewusst geworden, wie viel ich täglich von meinem Körper verlange. Ich gönne ihm deshalb auch Zeit, sich zu regenerieren!

Was tun Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

Schlafen! Und wenn ich ausgeschlafen bin, verbringe ich am liebsten Zeit mit meiner Familie sowie mit Lesen, Backen und Spaziergängen an der frischen Luft.

Über Lou Spichtig

Mit vier Jahren begann Lou Spichtig mit dem Balletttanzen und schon mit sechs Jahren ging sie sechs Mal pro Woche ins Ballett. Seit sie neun Jahre alt ist, nimmt sie an Wettbewerben teil. Im vergangenen Jahr holte sie an der South African International Ballet Competition die Silbermedaille.

2013 gewann sie den Youth America Grand Prix in New York. Sie eroberte mehrere Male den Tanzolymp Berlin, den Internationalen Ballettwettbewerb Solothurn und gewann Stipendien von Migros-Kulturprozent.

In diesem Jahr wurde Lou Spichtig beim 43. Prix de Lausanne als beste Schweizerin ausgezeichnet und bekam daneben auch den Publikumspreis verliehen. Sie hat diesen Sommer ihren Abschluss als diplomierte Bühnentänzerin an der Tanz Akademie Zürich gemacht.