In den Medien wird oft darüber berichtet, wie sich Sportler auf die Olympiade vorbereiten. Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?

Mit Leib und Seele bin ich Sportmedizinerin und trainiere selber täglich. Natürlich nicht in der gleichen Intensität wie unsere olympischen Athleten, aber neben dem Sport achte ich auch auf meine Ernährung, das heisst Obst, Gemüse, Fisch und ein wenig Fleisch stehen auf der Speisekarte.

Erholung und Schlaf sind für den Leistungssportler genauso elementar wie für jeden von uns. Bestleistungen können wir nur erbringen, wenn wir erholt und ausgeruht sind

Meine weiteren Olympiavorbereitungen basieren darauf, sich medizinisch auf dem Laufenden zu halten und sich regelmässig impfen zu lassen.

Da zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele in Rio der Höhepunkt der brasilianischen Grippe-Epidemie ist, steht bei mir noch eine Grippeimpfung der Südhemisphäre an.

Soweit es mein Terminplan dann noch zulässt, möchte ich die letzten Tage vor meiner Abreise mit Familie und Freunden verbringen.

Wie muss die Medizintasche ausgestattet sein?

Wir werden voraussichtlich auf den olympischen Wettkampfstätten sehr gute Voraussetzungen vorfinden. Dennoch versuchen wir möglichst für alle Krisen gewappnet zu sein.

Das wird natürlich nicht zu 100 Prozent möglich sein, denn dafür gibt es zu viele unvorhersehbare Variablen. Dennoch gibt es Dinge, die jeder Arzt in seinem Notfall-Rucksack mit sich tragen wird: Defibrillator zum Einsatz bei der Herzmassage und Wiederbelebung; Notfallmedikamente in Ampullenform, die sofort wirken müssen.

Notfall- Infusion, Schmerzmedikamente in Tablettenform, Medikamente gegen Allergien, Medikamente gegen Erbrechen und Durchfall, Medikamente gegen Erkältungssymptome.

Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, eine mobile Schiene und «Handwerkzeug» (Stethoskop, Augenlampe, Reflexhammer, Blutdruckmanschette, Beatmungsmaske). Das sind die wichtigsten.

Mit welchen Verletzungen werden Sie in Rio konfrontiert?

Wir rechnen mit kleineren Blessuren, wie Verstauchungen, Muskelprellungen und Zerrungen. Aber auch Überlastungssymptome oder Rückenprobleme sind möglich.

Lebensgefährliche Unfälle hatten wir bisher noch nie, vielmehr rechnen wir mit Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Verstimmungen. Ausserdem sind wir auch auf Krankheiten vorbereitet, die durch Mücken oder andere Insekten übertragen werden könnten.

Was ist Ihre Motivation, die Schweizer nach Rio zu begleiten?

Ich bin Doppelbürgerin und habe meine medizinisch praktische Ausbildung als Studentin bereits in der Schweiz absolviert.

Die Schweiz ist meine Heimat geworden und eine grössere Auszeichnung, als für das Schweizer Team zu den Olympischen Spielen reisen zu dürfen, gibt es für mich nicht. Das ist eine ausserordentliche Ehre, die mir zuteilwird und für die ich sehr dankbar bin.

Wie wichtig sind Erholungsphasen für Sportler?

Erholung und Schlaf sind für den Leistungssportler genauso elementar wie für jeden von uns. Bestleistungen können wir nur erbringen, wenn wir erholt und ausgeruht sind.

Fehler unterlaufen einem schneller, wenn man müde ist – und oft reicht eine Unaufmerksamkeit aus und die Medaille ist weg.