Knackeboul

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Knackeboul, fühlen Sie sich durch Ihren Tinnitus behindert?

Nein, absolut nicht. Es gibt aber viele Leute, die deutlich stärker unter Tinnitus leiden als ich. Wäre er bei mir lauter, würde ich mich behindert fühlen.

Bei manchen ist es ein ständiges Pfeifen im Ohr, bei anderen ein Rauschen. Wie nehmen Sie den Tinnitus wahr?

Weder als Pfeifen noch als Rauschen. Wie soll ich den Ton beschreiben? Am besten stellen Sie sich vor, von weitem die Glocken einer Schafherde zu hören. So ein Bimmeln. Das kommt dem Geräusch nahe.

Tritt der Tinnitus links oder rechts auf?

Rechts. Aber auch das linke Ohr ist irgendwie komisch.

Wann hören Sie ihn? Wann nicht?

Wenn ich auf der Bühne bin oder wenn ich eine Sendung moderiere, dann höre ich ihn kaum. Je lauter die Kulisse ist, umso weniger nehme ich den Tinnitus wahr.

Umso schlimmer muss es also sein, wenn es mal ruhig ist.

Genau. Absolute Stille ist schrecklich.

Wie wirkt sich das Geräusch auf Sie aus? Macht es Sie wütend?

Nein, das nicht. Er macht vor allem sehr müde.

Wann nervt Sie der Tinnitus am meisten?

Beim Aufwachen. Jeder wacht doch gerne in Ruhe auf. Ich höre dann aber sofort Geräusche. Das kann schon richtig nerven.

Viele Tinnitus-Patienten haben erheblich Schwierigkeiten beim Einschlafen.

Einschlafen ist auch mühsam. Manchmal bin ich hundemüde von Auftritten am Abend. Aber einschlafen kann ich dann doch nicht, weil der Tinnitus es nicht zulässt.

Die Auftritte und die ständig laute Musik sind wohl auch der Ursprung Ihres Tinnitus.

Das ist wohl so. Ich kann mich allerdings nicht an ein einschneidendes Ereignis erinnern, das den Tinnitus auslöste. Vielleicht ist er bei mir eine Abnützungserscheinung.

Seit wann leiden Sie unter dem Tinnitus?

Ungefähr seit meinem 24. Lebensjahr. Ich hörte da am Morgen eine Zeit lang ein Geräusch beim Aufwachen. Anfangs glaubte ich, es stamme von einer Leitung in der Wand. Eines Morgens setzte ich Kopfhörer auf. Ich wollte dem Ton so aus dem Weg gehen. Stattdessen hörte ich ihn so noch lauter. Da ging ich zum Arzt.

Konnte er Ihnen helfen?

Ich erhielt Ginseng-Tabletten, aber die halfen nicht wirklich.

Und dann? Probierten Sie andere Therapien aus?

Nein, ich stöberte im Internet und informierte mich.

Was wussten Sie davor schon über den Tinnitus?

Pikanterweise las ich zwei Wochen davor einen Bericht über Tinnitus und dachte mir: «Zum Glück habe ich den nicht!»

Haben Sie ihn herbeibeschworen?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch psychosomatische Ursachen hat. Ich bin generell ein sehr sensibler Mensch. Zu jener Zeit war ich mit zweihundert Prozent Vollgas bei der Musik, brach mein Psychologie-Studium ab, ein guter Freund starb an Krebs. Vielleicht war das zu viel.

Im Internet findet man rasch einen Tumor als möglichen Grund für Tinnitus. Hatten Sie Angst?

Nein, nicht vor einem Tumor.

Wovor denn?

Ich bin ein sehr geselliger, sozialer Typ. Ich hatte Angst, dass mich der Tinnitus in meinem sozialen Leben stört und mich verändert. Eine leise Konversation zu zweit ist schwierig für mich. Anfangs hatte ich auch Angst durchzudrehen. Unter Depressionen litt ich allerdings nie.

Hatten Sie keine Angst um Ihre Karriere?

Nein, damals war ich erst am Anfang. Ich war noch weit weg davon, von einer Karriere zu sprechen.

Haben Sie nach dem Arztbesuch nichts weiter gegen den Tinnitus unternommen?

Lange Zeit nicht. Vor kurzem habe ich als öffentliche Person erstmals darüber geredet. Daraufhin habe ich eine Anfrage erhalten, an einer Studie am Zürcher Universitätsspital teilzunehmen. Da bin ich jetzt dran.