Profil

Urs Kolly

Urs Kolly wurde 1968 in Tafers im Kanton Freiburg geboren.

Er betreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Leichtathletik im TSV Düdingen. Als erster Sportler hat er im Weitsprung nicht das gesunde Bein als Sprungbein benutzt und damit zahlreiche Erfolg erzielt. Mehrere Male hat er bei Paralympischen Sommerspielen den Pentathlon und den Weitsprung für sich entscheiden können.

Urs Kolly, Sie gewannen als Leichtathlet mehrere olympische Medaillen. Was hat Sie dazu motiviert, Behindertensportler zu werden?

Ich bin seit meinem 21. Altersjahr Behindertensportler. Der Unfall, der damals mein Leben schlagartig verändert hat, passierte 1989 im Militärdienst im Wallis. Als Beifahrer fuhr ich auf dem Motorrad mit.

Dabei kam es zu einem Zusammenstoss mit einem Lastwagen, bei dem der Fahrer ums Leben kam. Ich selber habe überlebt, aber den Unterschenkel am rechten Bein verloren. Ich war schon vor dem Unfall ein begeisterter Leichtathlet beim Turn- und Sportverein Düdingen gewesen.

Allerdings kein sehr erfolgreicher Spitzensportler. Nach der Beinamputation und der Rehabilitation nahm ich das Training wieder auf. Während des Spitalaufenthalts habe ich zudem Leute kennen gelernt, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen waren und nicht aufgegeben haben. Also habe ich mir gesagt: Was die können, kannst du auch.

Wie gehen Sie heute mit Ihrer Behinderung um?

Eigentlich ganz normal. Das ist für mich kein Problem. Ich schnalle mir jeden Morgen meine Unterschenkelprothese an und kann alles machen, was ich will. Sei es im Beruf, in der Freizeit oder eben im Sport.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der heutigen Prothesen im Vergleich zu früher?

Da hat es ganz gewaltige Fortschritte gegeben. Vor allem, was das Material und die Technik betrifft. Heute kann man eine Prothese so am Körper fixieren, dass man eine grösstmögliche Bewegungsfreiheit hat. Davon profitiere ich nicht nur im Alltag, sondern vor allem auch beim Sport, etwa beim Weitsprung, einer meiner Lieblingsdisziplinen.

Die Prothese verursachte am Anfang zwar Probleme und Schmerzen. Davon wollte ich mich aber nicht beeindrucken lassen. Ich begann mich als Sportler neu zu motivieren und setzte mir hohe Ziele. So wollte ich unbedingt einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen. Dieses Jahr hat es allerdings nicht geklappt.

Fühlen Sie sich in der Gesellschaft akzeptiert – trotz Ihrer Behinderung?

Auf jeden Fall. Ich kann wie gesagt Sport treiben und meinen Beruf als Käser ausüben. Eigentlich verläuft mein Leben ganz normal. Bedingt durch die körperliche Beeinträchtigung musste ich mich natürlich in verschiedenen Lebenssituationen neu zurechtfinden.

Die Öffentlichkeit akzeptiert mich aber nach wie vor – als Privatmensch wie auch als Sportler. Genauso wie früher.

Sie treiben also heute noch aktiv Sport?

Ja, sicher. Wenn man einmal damit begonnen hat und Erfolge erzielt, lässt einen der Sport nicht mehr los. Ich möchte nach wie vor fit bleiben und nach Möglichkeit auch weiterhin an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Dabei spielt sicher auch die Tatsache eine Rolle, dass in der Schweiz die Akzeptanz gegenüber uns Behindertensportlern gross ist.

Sie sind dreifacher Familienvater und führen seit 2007 eine Käserei im Kanton Freiburg. Wie geht es Ihnen heute privat?

Sehr gut. Ich bin mit meinem Leben zufrieden und ein glücklicher Mensch.