Ueli Steck

geboren am 4. Oktober 1976, ist gelernter Zimmermann und heute als Vollzeit-Bergsteiger unterwegs.

Steck ist verheiratet und lebt in Ringgenberg (BE).

Sie setzen sich beim Klettern grossen Belastungen aus, die auch den Rücken betreffen. Wie halten Sie Ihren Rücken fit und gesund?

Wenn man so intensiv Sport betreibt, wie ich das tue, muss man sich auf jeden Fall damit beschäftigen und auseinandersetzen, wie man eventuellen Fehlbelastungen und Überbelastungen entgegenwirken beziehungsweise diese vermeiden kann.

Zum täglichen Training gehört auch, dass man seine Muskeln trainiert. Das ist zwar für das Klettern nicht unbedingt zentral, es ist aber wichtig und sinnvoll, um einen Ausgleich zu erzeugen. Ich achte zudem darauf, dass ich mich täglich bewege und auch an Ruhetagen regelmässig leichten Sport betreibe.

Hatten Sie denn schon einmal gesundheitliche Probleme mit dem Rücken und der Wirbelsäule?

Nein, bis jetzt nicht, und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird.

Was macht für Sie die Faszination am Klettern aus?

In erster Linie die Herausforderung mit dem Fels und mit der Natur. Im Gegensatz zum Hallenklettern ist Bergsteigen und Klettern in der freien Natur kein Wettkampfsport. Man misst sich nicht direkt mit anderen Athleten.

Mir persönlich geht es immer um die persönliche Herausforderung, etwas auszuprobieren und es dann wenn immer möglich zu schaffen. Beim reinen Felsklettern ist es vor allem die Bewegung, das Spiel mit dem Körperschwerpunkt.

Kraft und Technik sind dabei die entscheidenden Faktoren. Klettern ist sehr komplex, und es geht auch immer wieder darum, sich selber zu überwinden. Etwa einmal bei einer schwierigen Stelle über einen Haken zu klettern. Der mentale Aspekt ist dabei sehr wichtig. Er spielt beim Klettern eine zentrale Rolle. Das gefällt mir ganz besonders.

Wie gehen Sie mit den Gefahren am Berg um?

Man muss da ganz ehrlich sein: Sobald man sich in die Berge begibt, hält man sich in einer Umgebung mit einem höheren Risiko auf. Egal, ob man nun eine schwierige Wand durchklettert oder sich auf einer Normalroute auf einen Viertausender befindet oder einfach nur Wandern geht.

Ich bin sehr akribisch und exakt bei meinen Vorbereitungen. Ich probiere immer wieder, etwas Neues zu lernen. Gefahren sind nur dann wirklich gefährlich, wenn man sie nicht erkennt. Je mehr Erfahrung man hat, umso mehr Risiken kann man eingehen. Dabei muss man aber aufpassen, dass man nicht aus lauter Routine nachlässig wird. Die Devise: Ich weiss sowieso alles, und nichts ist für mich ein Problem, ist absolut fehl am Platz.

Das könnte sich verhängnisvoll auswirken. Ich kenne die Eigernordwand unterdessen ziemlich gut. Das heisst aber noch gar nichts: Die Eigernordwand ist und bleibt immer noch dieselbe Wand. So wie ich sie bei meiner ersten Besteigung angetroffen habe. Das muss ich mir immer wieder vor Augen führen.

Sind Sie schon einmal in eine Situation geraten, bei der Sie richtig Angst verspürten?

Ich bin eigentlich von Grund auf ein Angsthase. Ich frage mich deshalb immer wieder, wovor man eigentlich Angst hat. Und komme dabei immer auf dieselbe Antwort: Vor etwas Unbekanntem oder wenn man sich selber überschätzt!

Dadurch, dass ich sehr selbstkritisch und wie gesagt eigentlich ein ängstlicher Mensch bin, ist die Gefahr, mich selber zu überschätzen, relativ klein, und es ist mir auch noch nie passiert. Mit dem Unbekannten kann man sich auseinandersetzen, bis man Vertrauen bekommt.

Dann verschwindet die Angst. Es braucht aber den Mut, sich damit zu befassen, und dann auch die Hartnäckigkeit, bis man schliesslich eine Lösung gefunden hat, die stimmt.

Wo liegen Ihre eigenen Grenzen, körperlich, psychisch und mental?

Ganz klar bei den körperlichen Voraussetzungen. Ich bin jetzt 35 und gehöre, wenn Sie so wollen, eigentlich bereits zum alten Eisen.

Welche Projekte haben Sie sich in absehbarer Zukunft trotzdem vorgenommen?

Klettern ist nun mal meine grosse Leidenschaft. Ich werde weiterhin als Vollzeit-Bergsteiger unterwegs sein und mich auch künftig auf die hohen Berge konzentrieren. Da steht sicher der Himalaya im Vordergrund.