Ihr Leiden hielt sie jedoch nie davon ab, ihren Weg zu gehen und ihr positives Gemüt zu bewahren. Die ersten Symptome machten sich 1972 mit grosser Müdigkeit bis zur Erschöpfung bemerkbar. Damals war Esther Buchs gerade dreiundzwanzig. «Auf einmal war ich den ganzen Tag grundlos müde.

Oft wachte ich morgens müder auf, als ich abends ins Bett ging. Hinzu kamen Verdauungsprobleme, heftige neuralgische Schmerzen im Rücken und verschiedene Sensibilitätsstörungen, die sich medizinisch nicht erklären liessen», berichtet sie.

Es hiess, die Doppelbelastung zweier kleiner Kinder sei der Grund für ihre Symptome. Zu einem grossen Schreckmoment kam es, als Esther Buchs ihr Säugling aus den Händen zurück in die Wiege fiel: «Ich hatte kein Gefühl mehr von den Fingern bis zu den Ellbogen», erzählt sie.

Sie wurde daraufhin vom Hausarzt erfolglos mit verschiedenen Rheumamitteln behandelt. Der Verdacht auf MS fiel vier Jahre später, als sie wegen einer Sehnervenentzündung im Krankenhaus untersucht wurde. «Eine Neurologin stellte mir erstmals die schockierende Diagnose MS. Ein Leben mit einer unheilbaren Krankheit war für mich unvorstellbar», so Buchs.

Die lange Ungewissheit

Die folgenden Jahre verunsicherten Esther Buchs noch mehr. Aufgrund ihrer Gleichgewichtsprobleme kursierten Gerüchte über Alkoholprobleme. Ihr damaliger Hausarzt stellte zudem die MS-Diagnose in Frage.

Sie solle sich nicht in die Krankheit hineinsteigern, hiess es. Dass sie einmal die erste Selbsthilfegruppe für MS-Betroffene im Raum Winterthur ins Leben rufen und dafür den MS-Preis der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft erhalten würde, hätte die von Zweifeln geplagte Frau damals nie gedacht.

Die eindeutige Bestätigung für ihre MS-Erkrankung erhielt Esther Buchs 1985 dank einer Lumbalpunktion. «Die Diagnose war für uns alle eine Erlösung», beschreibt sie das Gefühl von damals.

«Die vielen Jahre voller Angst waren vorbei und ich hatte endlich Gewissheit, dass ich mir die Symptome nicht nur eingebildet hatte.»Es sollte noch weitere drei Jahre dauern, bis sie eine Invalidenrente erhielt. Dies brachte die Familie an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit. Dank eines zinsfreien Überbrückungs-Darlehens der Schweizerischen MS-Gesellschaft kam man aber über die Runden.

Die Suche nach der richtigen Therapie

Die unzähligen hochdosierten Kortison-Therapien setzten Esther Buchs arg zu, weshalb sie sich 1995 für eine neue Behandlungsmöglichkeit entschied. Die sogenannte Interferon-Therapie blieb aber erfolglos, da sie bei ihr mit zu grossen Nebenwirkungen verbunden war.

Seither hat sie ihre Therapie in Absprache mit ihrem Ärzteteam auf eine Kombination aus klassisch homöopathischen Medikamenten, Alternativen wie die Craniosakral-Therapie und Energieausgleich umgestellt.

«Damit geht es mir gut und ich bin praktisch schubfrei», so Buchs. Die Therapie verbindet sie mit wöchentlichen Physio-Besuchen, viel Eigendisziplin sowie Rehabilitations-Aufenthalten in schwachen Phasen. «Meine heutige Lebensqualität verdanke ich meinem stabilen Umfeld, meinem lieben Mann, der Familie und einem verlässlichen Netzwerk von Spitex, Nachbarn, Freunden und weiteren lieben Freiwilligen», betont die lebensfrohe Mutter und Oma.

Ärgernisse und Alltagsfreuden

Ein Dorn im Auge sind für Esther Buchs die vielen baulichen und infrastrukturellen Behinderungen. Sie selbst ist auf einen Rollstuhl angewiesen und erhofft sich ein flächendeckendes gesetzliches Umdenken. War der Rollstuhl für sie lange unvorstellbar, schätzt sie das Hilfsmittel heute sehr.

Dank einem höhenverstellbaren Elektrorollstuhl ist sie relativ selbständig und kann sich an Alltagsarbeiten beteiligen, was ihr aus einer Depression geholfen hat. Der Rollstuhl bedeutet für sie auch, auf Augenhöhe Gespräche führen zu können.

Zu den grossen Alltagsfreuden von Esther Buchs gehören ihre Enkelkinder. Sie bringen sie durch ihren lockeren Umgang mit dem Rollstuhl oft zum Schmunzeln und bereiten ihr viel Freude. «Freuden geben mir Kraft, vom Spaziergang bis zur grösseren Reise», ist sie sich gewiss.