Mechtild Uhl, Diplomierte Pflegefachfrau HF und Parkinson Nurse, hat sich für diesen Beruf entschieden. Ihre Berufsbezeichnung nennt sich Parkinson Nurse.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Ich bin in einer grossen Familie aufgewachsen. Im engen Kontakt mit betagten und behinderten Menschen war mein Leben schon früh von gegenseitigem Helfen geprägt und das Interesse an der Medizin geweckt worden.

Seit meiner Ausbildung hat mich das Fachgebiet Neurologie interessiert. Menschen mit chronischen Erkrankungen stellen eine grosse Herausforderung dar. Mein Ziel ist es, den Betroffenen und ihrem Umfeld eine echte Begleiterin zu sein und ihnen zu helfen, den Alltags möglichst gut zu meistern.

Beschreiben Sie doch kurz Ihre Aus- und Weiterbildung.

An der Universitätsklinik Würzburg habe ich zunächst die Ausbildung zur diplomierten Krankenschwester absolviert. In den folgenden Jahren habe ich im stationären Bereich auf verschiedenen Gebieten gearbeitet und eine breite Fachkompetenz entwickelt.

Daneben habe ich viele Weiterbildungen besucht, eng mit dem ärztlichen Dienst zusammengearbeitet und an zahlreichen fachspezifischen Tagungen teilgenommen. 2010 habe ich dann den Nachdiplomkurs «Neuro Nursing Care» absolviert und drei Jahre später am BZ Pflege in Bern den Nachdiplomkurs zur Fachexpertin für die Pflege von an Parkinson erkrankten Menschen, der damals zum ersten Mal in der Schweiz angeboten und durchgeführt wurde.

Welches sind denn Ihre Haupttätigkeiten?

Ich arbeite als Parkinson Nurse im Bereich der Bewegungssprechstunde am Universitätsspital Zürich und untersuche Menschen mit Bewegungsstörungen, die beispielsweise für eine Tiefe Hirnstimulation zu uns in die Klinik kommen. In mehrstündigen Sitzungen werden Betroffene und ihre Angehörigen über das Krankheitsbild verständlich informiert. Es werden Probleme aufgegriffen und mögliche Lösungen diskutiert.

Dabei werden auch diverse Hilfsmittel vorgestellt. Neben den ambulanten Patienten besuche ich täglich Parkinsonbetroffene im stationären Bereich und stehe ihnen, ihren Angehörigen, aber auch den Pflegeteams zur Verfügung.

Ausserdem berate und schule ich Betroffene, Angehörige und Pflegende im Umgang mit den unterschiedlichen Therapien und Pumpensystemen. Im Rahmen von Weiterbildungen und Vorträgen versuche ich allgemeines und fachspezifisches Wissen an interessierte Laien und Fachpersonen weiterzugeben.

Wie sieht die Pflege und Betreuung von parkinsonbetroffenen Menschen konkret aus?

Um einem Menschen wirklich helfen zu können, müssen wir erst wissen, wo er steht. So ist es wichtig, dass ein Parkinsontagebuch geführt wird, um Zusammenhänge zwischen Bewegungsabläufen, Parkinsonmedikation und Nebenwirkungen zu erkennen.

Stress verstärkt die Parkinsonsymptome. Deshalb muss man darauf achten, die Pflege nicht in schlechten Tagesphasen zu planen und Zeitdruck zu vermeiden. Ebenfalls wichtig sind Geduld und Verständnis. Man muss Betroffene und Angehörige nach Dingen fragen, die den grössten Leidensdruck verursachen, und gezielte Strategien dagegen entwickeln.

Ambulante Patienten laden wir immer gemeinsam mit einer Bezugsperson ein, um Einschätzungen aus beiden Perspektiven zu erhalten und auf die Bedürfnisse beider Parteien eingehen zu können. Denn ist eine Person der Familie erkrankt, hat dies immer auch Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder.

Wie können Sie den Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen?

Indem ich genau zuhöre, genau hinschaue, nachfrage und Vertrauen schaffe. Ich verweise auch auf Selbsthilfegruppen und Seminare für Betroffene und Angehörige und sorge für eine entspannte Atmosphäre, wo auch herzhaft gelacht werden kann. Nicht zu vergessen ist, dass gut informierte und begleitete Betroffene ihre Erfahrungen an andere Betroffene weitergeben können.

Erleben Sie in Ihrem Berufsalltag auch so etwas wie Glücksmomente?

Lustig, dass Sie mich das fragen. Meine Diplomarbeit verfasste ich zum Thema Parkinson und Tiefe Hirnstimulation. Diese schloss ich mit den Worten, dass mich meine Arbeit glücklich macht. Ich fühle mich glücklich, wenn ich mit meinem Engagement und Wissen zu einer Verbesserung der Lebensqualität Betroffener beitragen kann.