Fast 40 Jahre steht der sympathische Ostschweizer mit seiner Puppe Caroline schon auf der Bühne – und sorgt bei Gross und Klein für unvergessliche Momente. Die Sprüche des Duos gehören längst zum Schweizer Volksgut. Vor acht Jahren zwangen zwei aufeinanderfolgende Schlaganfälle Urs Kliby und seine Puppe Caroline zu einer längeren Pause.

Zuerst an Kreislaufprobleme gedacht

2004 hatte Urs Kliby einen Auftritt in der Nähe von München. «Zuvor wollten meine Frau und ich einen Stadtbummel durch München machen. Plötzlich habe ich aufgehört zu sprechen, war verwirrt, funktionierte aber sonst normal weiter.» Kurze Zeit später im Parkhaus konnte sich Urs Kliby nicht mehr erinnern, wo er war und was er hier zu suchen hatte.

«Für meine Frau muss mein Zustand erschreckend und unheimlich gewesen sein». Und der Schrecken nahm weiter seinen Lauf, als Urs Kliby in einem Bistro ein Getränk bestellt hatte, jedoch das Glas nicht halten konnte und eine Dreiviertelstunde lang nur weinte. Nach einer weiteren knappen Stunde war sein Zustand wieder völlig normal und er schob seinen «Aussetzer» auf Kreislaufprobleme. Am Abend wurde gar der Auftritt wie geplant absolviert. «Nicht besonders gut, aber es ging.»

Sofort ins Spital

Beim Checkup am darauffolgenden Tag beim Hausarzt war soweit alles in Ordnung und Kliby schenkte diesem Erlebnis keine weitere Aufmerksamkeit. Bis zu jenem verhängnisvollen Morgen drei Wochen später. «Ich bin aufgewacht und habe alles klar und deutlich doppelt gesehen.

Hinzu kamen Sprachstörungen. Das Telefonbuch war plötzlich das Teflontuch und ich war wieder massiv verwirrt.» Ein Zustand, den seine Frau richtig deutete und sofort den Augenarzt rief. Dieser wiederum mass den Blutdruck von Urs Kliby: «248 zu 162 – sofort ins Spital.»

Rasche Hilfe rettet Leben

Hier ging dann alles sehr schnell: Der Blutdruck wurde mit blutdrucksenkenden Medikamenten stabilisiert und die Diagnose Schlaganfall stand dank MRI-Diagnostik innerhalb weniger Stunden fest. «Ein Glück für mich – wäre etwas mehr Zeit vergangen, hätten die Prognosen böse ausgesehen.» Wie bereits bei seinem Vater und zwei seiner Brüder, die alle an Schlaganfällen gestorben sind. Tatsächlich spielt beim Schlaganfallrisiko die Vererbung eine tragende Rolle. So haben die Kinder ein erhöhtes Risiko, wenn bereits die Eltern einen Schlaganfall erlitten haben.

Hinzu kommen vermeidbare Risikofaktoren für einen Schlaganfall. «Jahrelanges Rauchen, wie ich es gemacht habe, verdoppelt das Risiko für einen Schlaganfall. Deshalb habe ich umgehend nach meiner Erkrankung damit aufgehört und bis heute keinen Glimmstängel mehr angerührt.» Jeden Samstag steckt Kliby seither 50 Franken ins Raucherkässeli und hat sich dank diesem «Zigarettenbatzen» bereits einige schöne Anschaffungen gemacht.

«Doch der beste Lohn bleibt eine gute Gesundheit», ist der Bauchredner überzeugt. Kliby hatte denn bei seinen beiden Schlaganfällen Glück im Unglück und keine bleibenden Schäden davongetragen.

«Anfänglich hatte ich furchtbar Mühe mit dem Buchstaben S/ sch – ich konnte mir einfach keine Wörter merken, die mit diesem Buchstaben anfangen. Deshalb musste ich mir immer «Ersatzwörter» überlegen.» Ursache war laut den Ärzten eine Streifung im Sprachzentrum, welche diese Störung verursachte.

Halbes Jahr für Rehabilitation

Urs Kliby nahm sich nach den Schlaganfällen ein halbes Jahr Zeit, um sich voll und ganz auf die Rehabilitation seines Körpers zu konzentrieren. Viel Ruhe, viel Schlaf, keinen Stress und ein neues Körperbewusstsein gaben ihm Kraft, wieder ganz auf die Beine zu kommen.

«Der Umgang mit meinem Körper ist heute ein ganz anderer – ich höre auf ihn und merke, wenn etwas nicht in Ordnung ist oder ich zu viel um die Ohren habe. Dann kann ich reagieren und mein Pensum reduzieren.» So bestreiten Kliby und Caroline heute bewusst weniger Auftritte als noch vor ein paar Jahren. Berührt hat ihn jedoch ein Auftritt vor einigen Jahren in einem Rehabilitationszentrum mit zahlreichen Schlaganfallpatienten.

«Die vielen Menschen, die das gleiche Schicksal wie ich teilten, bei denen es zum Teil aber weitaus tragischer ausgegangen ist, bewegte mich sehr.» Bis heute macht es ihn besonders betroffen, wenn er von Freunden, Bekannten und Verwandten hört, die einen Schlaganfall erlitten haben. Auch eine gewisse Angst, dass es wieder ihn treffen könnte, bleibt.

«Ich fahre eigentlich sehr gerne Auto. Doch kommt mir manchmal der Gedanke, was passiert, wenn ich auf der Autobahn bei Tempo 120 einen Schlaganfall erleiden würde – ein nicht auszumalendes Drama.» Diese Gedanken schiebt Kliby schnell von sich. «Heute geht es mir besser denn je, ich besuche regelmässig meine Checkups beim Arzt, achte auf meinen Lebensstil und bin ruhiger und gelassener als vor einigen Jahren.» Gute Voraussetzungen jedenfalls für ein langes Leben.