Vor knapp zwei Jahren war bei Ihnen eine Lungentransplantation notwendig – über welches eigene Verhalten im Vorfeld ärgern Sie sich am meisten?

Heute weiss ich, dass ich nie hätte rauchen sollen. Zudem hätte ich viel früher eine Lungenfunktionsprüfung machen sollen. Ich plädiere dafür, dass dies ungefähr einmal im Jahr von den Krankenkassen übernommen wird. Eine rechtzeitige Warnung könnte eine Menge von COPD-Fällen verhindern.

Als Sie die Diagnose erhielten, liessen Sie sofort das Rauchen sein – Hut ab …

Ich habe Frau und Kinder, erhält man da die gelbrote Karte, bleibt kein anderer Weg, als sofort aufzuhören. Doch das grosse Problem ist, dass die Krankheit nicht weh tut. Es zeigt sich ein Husten, man lässt sich einen Hustenlöser verschreiben, es wird besser und man glaubt, das Problem im Griff zu haben. Zudem wissen zu wenige Menschen etwas mit COPD anzufangen. Es handelt sich hier um eine weit verbreitete, aber nicht im Bewusstsein verankerte Krankheit. Diese Diskrepanz muss überwunden werden.

Welche Symptome haben Ihnen letztlich am meisten zu schaffen gemacht?

Die Atemlosigkeit. Meine Frau und ich haben uns die Restaurants nicht mehr nach der Qualität des Essens ausgewählt, sondern nach der Nähe der Parkplätze. Jeder Meter ist zu viel. Vieles Schöne geht verloren, lange Spaziergänge – oder mich auf der Bühne zu bewegen.

Was haben Sie beim Gedanken empfunden, ein fremdes Organ zu erhalten?

Ich bin in solchen Dingen pragmatisch. Als mir ein Fachmann zur Transplantation geraten hat, habe ich mich arrangiert und versucht, die positiven Aspekte zu sehen. Ich hatte keine Angst, dass etwas schief gehen könnte. Ich bin ein äusserst gläubiger Mensch.

Es war mir klar, dass es gut ausgeht. Dass es jetzt tatsächlich so gekommen ist, habe ich meinem Schöpfer, dem Spender, der Kunst der Ärzte und natürlich der grossartigen Unterstützung meiner Frau zu verdanken.

Dennoch haben Sie die Krankheit lange geheim gehalten …

Männer sind manchmal irrationale eigene Wesen – in meinem Beruf sowieso. Da glaubt man, wenn man ein Handicap zugibt, finden die Fans einen nicht mehr attraktiv genug, um Konzerte zu besuchen.

Meine Frau hat mir dann jedoch geraten, die Fans aufzuklären. Offen zu sagen, was los ist, war eine Befreiung und die Fans haben toll reagiert. Deshalb bin ich froh, ihnen heute mit jedem Konzert etwas zurückgeben zu können. Ich würde jedem empfehlen, es nicht zu verschweigen.

Seit der Transplantation hat sich einiges verändert – Sie treiben viel Sport …

Das ist auch ein Dankeschön an den Spender. Ich will mit dem geschenkten Organ pfleglich umgehen, damit ich damit lange leben kann. Und schliesslich lebe ich als Sänger auch mit und von der Luft – da ist Training ideal. Radfahren, Kraftsport gehört nun für mich zum Alltag.

Wie jeder, der eine Transplantation hinter sich hat, muss auch ich Immunsuppressiva nehmen, um eine Abstossung zu vermeiden. Doch zum Glück spüre ich davon nichts. Natürlich gibt es zudem andere Einschränkungen: Manche Lebensmittel darf ich nicht essen, weil die Gefahr von Sporen und Keimen existiert.

Doch man sollte nicht die Welt steril machen wollen. Habe Freude am Leben, aber riskiere nicht zu viel, raten mir selbst meine Ärzte.

Sie engagieren sich für Selbsthilfeorganisationen – haben auch Sie hier Unterstützung erfahren?

Nein, aber ich finde diese Solidarität fantastisch. Manche brauchen die Gruppendynamik, andere sind hier Einzelgänger – wie ich. Doch das ist nicht automatisch auf andere zu übertragen. In der Regel sind der Austausch, das gemeinsame Sporttreiben extrem hilfreich.

Die Einrichtung von Gruppen ist wunderbar. Ich halte hier Vorträge, erzähle von meiner Geschichte, denn es gibt hier nur Lösungsangebote. So auch in meinem Buch, in dem ich lediglich Vorschläge und keine Rezepte darlege, denn jeder muss hier seinen eigenen Weg finden.