Du bist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, aber tourst mittlerweile durch halb Europa. Was bedeutet dir Heimat?

Meine Heimat, das Wallis, ist für mich ein wichtiger Anker. Meine Familie und meine Freunde sind dort. Wenn ich unterwegs bin, begleitet mich aber eigentlich immer ein Haufen toller Menschen, und es fällt mir nicht schwer, mich überall zu Hause zu fühlen.

Gibt es etwas, was dich immer wieder in die Heimat zurückziehen wird?

Ich liebe dieses Tal einfach. Ich liebe die Berge und das Gefühl, nach Hause zu kommen.

Gibt es eine lustige Geschichte aus der Kindheit, an die du dich gerne erinnerst?

Wir wohnen direkt am Hang vom Berg. Und unser Nachbar hat im Winter eine Piste aus Schnee gebaut, auf der wir Kinder mit grossen Reifen runterrutschen konnten. Wir sind dann zu fünft hintereinander als Schlange da runtergerutscht und unten etwas unsanft in einem Schneehaufen gelandet ... dabei ist der Schuh von dem Nachbarjungen direkt in meinem Gesicht gelandet und hat meine Brille in zwei Teile zerbrochen. Aber lustig wars ...

Du hast nun dein viertes Album ‹Chance of Rain› veröffentlicht. Wie kam es zu dem Titel und inwieweit unterscheidet es sich von den vorherigen Platten?

Dieses Bild vom Regen und der Chance darin ist ein perfektes Bild für dieses Album. In vielen Songs darauf geht es darum, dass ich in jedem Regenschauer gewachsen bin. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Und die Sonne ist bis jetzt noch immer aufgegangen. Der Sound auf dem Album ist etwas elektronischer geworden, die Songs sind aber sehr facettenreich. Es ist wirklich von allem was dabei ... Jeder Song handelt von Geschichten aus meinem Leben und Gefühlen, mit denen ich mich auseinandersetze.

Du bist seit Jahren erfolgreich im Musikgeschäft; hast positive und negative Erfahrungen gemacht. Was hat sich in den letzten Jahren bei dir verändert und inwieweit verarbeitest du das in deiner Musik?

Es hat sich viel getan und ich habe viel erlebt und über mich gelernt. Zwar stehe ich in der Öffentlichkeit, bin aber trotzdem ein ganz normales Mädchen. Die Musik bietet einfach ein herrliches Ventil, all diese Gefühle zu teilen, und ich bin mir sicher, dass das Gedanken sind, die ich mit vielen anderen teile.

Welche Ziele haben sich schon bei dir erfüllt und welche liegen noch in der Zukunft?

Alles, was die letzten paar Jahre passiert ist, konnte ich mir nicht einmal im Traum ausmalen. Ich habe einfach nicht damit gerechnet. Und das ist wundervoll... Ich liebe es, mich vom Leben überraschen zu lassen, und versuche mich nicht an Situationen festzuhalten. Natürlich wünsche ich mir, dass das Album gut läuft und ich weiterhin so viel spielen kann. Aber ich nehme, was kommt.

Du warst selbst Jurorin beim TV-Format ‹The Voice of Switzerland›; warst also direkt mit dem Scheitern einiger Lebensträume konfrontiert. Wie bist du damit (auch im Hinblick auf die eigene Karriere) umgegangen?

Ich glaube einfach daran, dass Dinge so sind, wie sie sein sollen. Wenn es für einen Menschen in dieser einen Castingshow nicht klappt, dann soll es eben nicht so sein.

Neben deiner Soul-Stimme wird auch immer über dein Aussehen diskutiert. Wie würdest du selbst deinen Style beschreiben?

Schwer zu sagen ... ich ziehe das an, was mir gefällt. Und ich gebe zu, dass wohl nicht immer alles zusammenpasst. Aber ich fühle mich wohl in meiner Haut und meinen Klamotten. Ich würde sagen, dass der Grossteil meines Kleiderschrankes schwarz ist. Ich mag Nieten und Turnschuhe.

Wie lange bist du schon Brillenträgerin?

Ich trage eine Brille, seit ich sieben Jahre alt bin, und sehe wirklich schlecht ohne sie. Das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich sie trage, und ich hab mich einfach daran gewöhnt. Und es gibt heute wirklich schöne Brillen. Wenn ich an meine lilafarbene Brille von früher denke, muss ich schon schmunzeln.

Hast du dich bewusst für das Tragen einer Brille entschieden?

Als ich 16 war, gab es eine Phase, da habe ich Kontaktlinsen getragen, aber für mich ist es einfach praktischer, eine Brille zu tragen. Und irgendwie gehört sie für mich zu meinem Gesicht.

Würdest du deine Brille als Markenzeichen bezeichnen?

Menschen verbinden mich mit meiner Brille und wahrscheinlich würden mich viele gar nicht erkennen ohne sie. Aber ich trage sie nicht deswegen ... Ich sehe einfach nichts ohne meine Brille (lacht).

Hast du auch schon besondere Erfahrungen mit dem Tragen einer Brille gemacht?

Ich habe mich als Kind so unglaublich auf diese Brille gefreut und ich kann mich bis heute an den Moment erinnern, als ich die Brille zum ersten Mal aufgesetzt habe und ich dann mit meinem Papa nach Hause gefahren bin. Ich habe in die Berge geguckt und war völlig fasziniert, wie viel Konturen und Bäume plötzlich da waren. Ich habe vorher nur graue Wände gesehen ... es hat sich wirklich eine neue Welt aufgetan.

Wie sehr sind deine Augen durch das ganze Bühnenlicht beansprucht?

Das kann ich gar nicht sagen. Ich habe das Bühnenlicht noch nie als unangenehm empfunden.

Gibt es Momente, in denen du auf Kontaktlinsen zurückgreifst?

Wenn ich schwimmen gehe, Sport mache oder in den Urlaub fahre. Generell löst der Sommer in mir aus, dass ich manchmal keine Brille tragen will.

Wie viele Brillen hast du mittlerweile? Und wie oft tauschst du diese aus?

Ich habe sechs Paar, davon trage ich zwei wirklich oft und die anderen sind eher speziell. Eine zum Beispiel ist ganz rund ... die hab ich bis jetzt tatsächlich nur einmal getragen, bei «The Voice».

In der Öffentlichkeit wirkst du immer wie eine starke Persönlichkeit mit eigenem Stil. Was rätst du Menschen, die vielleicht nicht so viel Selbstbewusstsein haben?

Es hilft immer, mit einer guten Freundin shoppen zu gehen, die stilbewusst ist. Sie ist ehrlich und weiss, worauf man vielleicht achten sollte. Und schlussendlich sollte man einfach tragen, worin man sich wirklich wohl fühlt.
Ich arbeite jeden Tag daran, mich selbst so zu lieben, wie ich bin. Ich bin so, wie ich bin, und das ist auch gut so. Das sage ich mir mehrmals am Tag (lacht).