Herr du Mont, seit wann leiden Sie an Psoriasis?

Oh, lassen Sie mich überlegen. Ich habe mit den ersten Erscheinungen sehr früh zu kämpfen gehabt. Die Hauterkrankung trat mit meinem 21. Lebensjahr auf, also vor rund 47 Jahren.

Das ist eine ziemlich lange Zeit ...

Ja ... zu Beginn des Krankheitsverlaufs war dies auch ein sehr grosses Problem. Es bildeten sich chronisch-entzündliche Stellen an meinen Ellenbogen, den Knien und später auch auf meiner Kopfhaut.

Die Symptome nahmen stetig zu. Selbst meine Knochen wurden von der Psoriasis angegriffen – und es gab einfach nichts, das ich dagegen tun konnte, weil die Entwicklung der Medizin bei Weitem nicht dort war, wo sie heute steht.


Also gab es Bereiche, in denen Sie durch die Erkrankung eingeschränkt waren?

Es ist nicht so, dass ich aufgrund meiner Hauterkrankung jemals ein Rollenangebot hätte ausschlagen müssen, doch in jungen Jahren habe ich schon vermehrt darauf geachtet, die betroffenen Körperstellen durch Kleidung zu verdecken.

Absolut – hervorgerufen durch mein eigenes Schamgefühl. Und so geht es leider auch vielen anderen Betroffenen. Früher hätte ich zum Beispiel nicht unbedingt Filmszenen in einer Badehose gedreht (lacht).

Es ist nicht so, dass ich aufgrund meiner Hauterkrankung jemals ein Rollenangebot hätte ausschlagen müssen, doch in jungen Jahren habe ich schon vermehrt darauf geachtet, die betroffenen Körperstellen durch Kleidung zu verdecken, weil mir die Schuppen einfach unangenehm waren.

Waren die Erscheinungen denn so extrem?

Nein, glücklicherweise nicht. Die von der Psoriasis betroffenen Stellen meines Körpers waren in etwa mit der Grösse von Geldstücken vergleichbar.

Mithilfe von Cremes und Salben konnte ich die Stellen zumindest so behandeln, dass sie nur gerötet und nicht schuppig aussahen und von meiner Umgebung vermutlich nicht so sehr wahrgenommen wurden wie von mir selbst. Nichtsdestotrotz hat natürlich mein Selbstbewusstsein sehr darunter gelitten.

Sie haben immer wieder den Mut, offen über die Schuppenflechte zu sprechen. Was hat Ihnen geholfen, mit dieser physisch und emotional belastenden Hautkrankheit umzugehen?

Zuerst einmal hatte ich ja das Glück, nur an diversen Körperstellen betroffen zu sein, die sich auch relativ leicht durch Kleidung verdecken liessen.

Seit etwa sechs bis acht Jahren verabreiche ich mir alle zwölf Wochen eine Injektion, die leider sehr kostspielig ist, aber durch deren regelmässige Anwendung ich mittlerweile erscheinungsfrei bin.

Das heisst, seit ich dieses Präparat nutze, ist an keinem Körperteil auch nur eine juckende Stelle mehr aufgetreten. Sie können sich nicht vorstellen, wie befreiend das für mich ist.

Das bedeutet, Sie profitieren heute insbesondere von der medizinischen Weiterentwicklung in diesem Bereich?

Ja, absolut. Die Forschung geht mit riesigen Schritten voran. Dank moderner Forschungs- und Entwicklungsmethoden hat sich die Medizin in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich weiterentwickelt, dass ich mittlerweile komplett symptomfrei bin.

Mein Leben hat sich seither um 180 Grad gedreht und meine Lebensqualität hat wahnsinnig zugenommen.

Was wissen die meisten Menschen über Psoriasis nicht beziehungsweise welches sind die grössten Irrtümer, die Ihnen begegnet sind? 

Sehen Sie, es gibt ja Menschen, deren ganzer Körper von der Schuppenflechte betroffen ist, zumeist aus erblich bedingten Gründen. Viele Menschen glauben aber fälschlicherweise, diese Hautkrankheit sei ansteckend, und meiden den Kontakt zu Betroffenen.

Aus diesem Grunde fällt es den Erkrankten häufig schwer, soziale Kontakte aufzubauen und Freundschaften zu schliessen. Diese Isolation führt natürlich zu einem gestörten Selbstbild, der Vermeidung von sexueller Intimität und sogar zu Depressionen.

Das geht dann teilweise so weit, dass einige Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. Und das ist, was mich persönlich wirklich berührt.

Dass eine Person des öffentlichen Lebens so offen und mit Selbstverständlichkeit mit einer Erkrankung wie Psoriasis umgeht, macht Betroffenen unglaublich viel Mut. Was würden Sie anderen Betroffenen raten?

Vertraut auf die Medizin! Mittlerweile gibt es so gute Medikamente, die die Krankheit erfolgreich eindämmen oder den Patienten sogar komplett erscheinungsfrei werden lassen.

Zwar sind einige der Behandlungsmethoden noch wahnsinnig teuer, aber teilweise werden sie auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Und wenn sich die Medizin weiterhin so rasant weiterentwickelt, denke ich, dass diese neuen Therapieformen langfristig für jeden Betroffenen bezahlbar werden.