Matthias Sempach, wie wichtig ist Ihnen ein gesunder Rücken?
Sehr wichtig. Nur mit einem gesunden Körper sind sportliche Erfolge möglich.

Sie wiegen 110 kg bei einer Körperlänge von 194 cm. Litten Sie nie unter Rückenschmerzen?
Doch, die letzten Rückenprobleme hatte ich vor einem Jahr.

Was unternahmen Sie dagegen?
Seither mache ich noch gezielteres Rumpftraining. Zudem achte ich beim Gewichtheben auf eine korrekte Körperhaltung.

Wie trainieren Sie Ihren Rumpf?
Ich mache dreimal wöchentlich, also vor jedem Krafttraining, ein vielseitiges Rumpftraining, das auf mich abgestimmt ist. Einmal pro Woche gehe ich in die Massage.

Als Metzger, Landwirt und Schwinger wird Ihr Rücken massiv belastet. Wie regenerieren Sie?
Ich lege grossen Wert auf genügend Schlaf.

Haben Sie ein spezielles Bett?
Ich schlafe seit Jahren im Schweizer Naturbett von Hüsler Nest.

Wenn Sie im Sägemehl aufs Kreuz gelegt werden, knallts da schon mal im Rücken?
Nein, es zwickt nie im Rücken. Es sieht wohl von aussen schlimmer aus, als es ist. Wir üben das Fallen.

Was können Sie den Menschen empfehlen, die den ganzen Tag im Büro sitzen, um den Rücken gesund zu halten?
Ich empfehle ihnen, mindestens ein- bis zweimal wöchentlich Sport zu machen. Sei es Laufen im Wald, Mitmachen in einem Turnverein oder einfach während der Arbeit mal mit einem Thera-Band ein paar Übungen machen. Dabei kann es auch helfen, sich ein Ziel zu setzen, etwa die Teilnahme an einem Stadtlauf.

Sie sagen: Schwingen ist eine Lebensschule. Was lernen Sie vom Schwingen fürs Leben?
Dass man nur dann etwas erreichen kann, wenn man es zu hundert Prozent will und dass mit der richtigen Passion fast alles möglich ist. Ausserdem lernt man im Schwingen, dass man nur siegen kann, wenn man fähig ist, zu verlieren. Nur wer gefallen ist und wieder aufstehen musste, weiss, dass es sich lohnt zu kämpfen.

Sie sind 27-jährig und auf dem Schwinger-Thron angelangt. Wie lange möchten Sie noch schwingen?
Solange ich gesund bin und Spass am Sport habe. Es gibt noch etliche Schwingfeste, die ich noch nicht gewonnen habe.

Was hat sich in Ihrem Leben geändert, seit Sie Schwingerkönig sind?
Ich stehe mehr im Fokus und spüre, dass ich für junge Menschen ein Vorbild bin.

Haben Sie neue Privilegien?
Nein, das Wichtigste ist immer noch der Sport und die Gesundheit.

Hat sich Ihr Privatleben verändert?
Für meine Familie bin ich immer noch derselbe Mättu wie vorher. Mit allen Ecken und Kanten.

«Nur, wer gefallen ist und wieder aufstehen musste, weiss, dass es sich lohnt zu kämpfen.»

Haben Sie nach dem Eidgenössischen mal die Zwilchhosen beiseite gelegt oder waren Sie schon wieder im Sägemehl?
Ich habe seit Burgdorf wirklich nichts mehr gemacht. Ausser einmal Minigolf. Das mache ich aber immer so nach der Saison. Ich nutze diese Zeit, um den Akku wieder richtig zu füllen und auch, um ein bisschen ein schlechtes Gewissen zu bekommen. So bin ich wieder richtig «giggerig» auf den Trainingsstart.

Wie tanken Sie neue Energie für 2014?
Ich verreise für drei Wochen mit meiner Freundin Heidi nach Argentinien. Ich freue mich riesig!

Entspannung oder Abenteuer?
Beides. Vor allem aber freue ich mich auf die Kontakte mit den Landwirten in Argentinien. Ich bin gespannt, wie sie arbeiten, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben und wo die Stärken in der argentinischen Landwirtschaftspolitik liegen.

Danach besuchen Sie die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Was sehen Sie sich dort an?
Langlauf- und Skirennen.

Als Privatperson oder als Schwingerkönig?
Als Privatperson, diese Reise habe ich schon im letzen Frühling gebucht.

Der Rummel um Sie ist riesig. Können Sie noch so unbeschwert herumlaufen wie vor  ihrem Triumph?
Ich werde schon öfter erkannt, aber ich geniesse es auch, wenn Leute mich erkennen, mir gratulieren oder ein Autogramm möchten. Der Rummel stört mich bis jetzt nicht.

Matthias Sempach, Sie sind jetzt auf dem Gipfel Ihrer Sportart angelangt. Wo stehen Sie in zehn Jahren?
Beruflich wünsche ich mir, dass ich einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb führen könnte. Auch wäre es schön, wenn ich dann in irgendeiner Funktion als Hobby noch mit dem Schwingen zu tun hätte.