Sechs Monate musste der Olympiasieger Didier Défago sein Training nach einem Kreuzbandriss auf Eis legen. Seit Anfang April ist es wieder zurück auf den Skiern und übt seit dann in regelmässigen Trainings Basistechniken.

Mit einem gezielten Muskelaufbau hofft der Spitzesportler wieder zu seiner alten Form zu finden. Ab Juli ist die Schonfrist dann allerdings vorbei. Gemeinsam mit der Mannschaft geht es noch einmal nach Zermatt, wo sich Défago im September des vergangenen Jahres die folgenschwere Verletzung zugezogen hat.

«In Zermatt werde ich bestimmt drei bis vier Tage mehr trainieren als meine Teamkollegen. Doch selbstverständlich wird es mir nicht gelingen, sechs Monate Pause zu kompensieren. Das ist unmöglich», erklärt Défago.

Schwierigkeiten im Riesenslalom

Bereits im August geht es für ein Inten­siv­training nach Südamerika. Der Fokus auf Technik und Geschwindigkeit liegen. Noch ist es für Défago allerdings schwierig seinen Trainingserfolg einzuschätzen: «Ich bin sehr opti­mistisch, was meine Ziele in Abfahrt und im ­Super-G betrifft. Grössere­ Schwierigkeiten befürchte ich beim Riesenslalom.»

Dies liegt mitunter an den bedeutend besseren Startpositionen, die Défago in der Abfahrt und im ­Super-G­ ­haben dürfte. Aufgrund seines Status als Verletzter wird er in der kommenden Saison trotz krankheitsbedingter Abwesenheit in der ersten Gruppe starten.

Im Riesenslalom wird es für eine solch gute Start-Position nicht reichen. Entscheidend wird im Übrigen die konditionelle Fähigkeit Défagos sein und damit die Frage, ob er ausreichend Kraft hat, so hart für den Riesenslalom zu arbeiten, wie es für eine gute Rangierung nötig wäre.

Cuche: ein tolles Vorbild

Die Anforderungen an sich selbst sind hoch. Défago, der an den Olympischen Winterspielen in Vancouver vergangenes Jahr Gold in der Abfahrt geholt hatte, weiss, zu was er fähig gewesen ist. Erst beim intensiven Training in Südamerika wird sich zeigen, welches Timing er nach seinem Unfall erreichen kann. Danach will sich Défago seine Ziele setzen.

Ein Ziel hat sich der Sportler allerdings bereits jetzt gesetzt. Er will beim Ski-Weltcup in Sölden im kommenden Oktober dabei sein. «Ich erhoffe mir keine Bestleistung. Mir ist es wichtig, wieder dabei zu sein, wieder einmal das Adrenalin zu spüren, mich dem Druck eines Weltcups auszusetzen», erklärt Défago. Entscheidender werden die Abfahrt in Lake Louise (Kanada) und der Super-G in Beaver Creek (USA) sein.

Dort hofft Défago darauf, dort anknüpfen zu können, wo er vor seinem Sturz in Zermatt aufgehört hat. Bei den Besten. Eine Stütze auf seinem beschwerlichen Weg zurück zu alten Höchstleistungen ist sein Kollege Didier Cuche: «Er ist für mich ein tolles Vorbild.»