In seinem Alltag ist er heute absolut selbständig und verzeichnet grosse sportliche Erfolge.

Vor 14 Jahren wurde Ihnen ein Motorradunfall zum Verhängnis. Mit welchen Verletzungen waren Sie damals konfrontiert?
Die Folge des Unfalls war ein Bruch des fünften Brustwirbels. Durch die Verschiebung der Wirbelsäule wurde das Rückenmark gequetscht. Das führte zu einer kompletten Querschnittlähmung unterhalb der Verletzung. Mein Körper funktionierte ab sofort völlig anders. Wie ein kleines Kind musste ich lernen, mit diesem neuen Körpergefühl umzugehen.

Wie sind Sie mit diesem schweren Schicksalsschlag umgegangen?
Die erste Woche im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil war sehr schwierig. Meine Grenze war plötzlich der Rand meines Bettes und nicht mehr ein Downhill mit dem Mountainbike. Ich hatte keine Ahnung, was als Paraplegiker alles auf mich zukommen wird. Somit hatte ich auch keine Perspektive mehr für mein Leben. Als 18-jähriger Sportler hatte ich eigentlich das ganze Leben mit allen Möglichkeiten noch vor mir. Das sollte nun alles mit einem Schlag vorbei sein? Für mich war es wichtig, mich nach vorne zu orientieren und das Beste aus der neuen Ausgangslage zu machen. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Im Hier und Jetzt kann ich aber meine Zukunft gestalten. Dieser Grundsatz hat mir geholfen, die Möglichkeiten, die ich immer noch habe, wahrzunehmen. Und diese sind fast grenzenlos.

Wie haben Sie sich zurück ins Leben gekämpft?
Ich habe schnell erkannt, dass meine Vorstellungen sehr oft nicht der Realität entsprechen. Grenzen entstehen immer zuerst im Kopf, weil wir uns etwas gar nicht vorstellen können. Das entspricht aber kaum je der Realität. Die Vorstellung, als kompletter Paraplegiker völlig selbständig zu sein oder sogar eine ganz normale Ehe zu führen, passte am Anfang so gar nicht in meinen Kopf. Grenzen lassen sich aber immer verschieben und häufig auch überwinden. Manchmal muss ich sehr hart für etwas trainieren und kämpfen. Aber nie will ich nach dem ersten Versuch aufgeben. So habe ich in meinem Leben als Rollstuhlfahrer viel mehr erreicht, als ich mir je hätte vorstellen können.

Wo haben Sie in erster Linie Kraft gefunden?
Ich bin ein Kämpfer und gebe nicht so schnell auf. Auf meinem Weg hat mich auch mein Umfeld immer unterstützt. Während der Rehabilitation in Nottwil verging kaum ein Tag ohne Besuch von Familie und Freunden. Aber auch aus meinem christlichen Glauben schöpfe ich immer wieder Kraft.

Welche Rolle spielt der Sport heute in Ihrem Leben?
Der Sport hatte schon immer einen gros­sen Einfluss auf mich und auch auf das, was ich heute bin. Bereits vor dem Unfall habe ich sehr intensiv trainiert. Der Rollstuhl sollte dann auch nie ein Grund sein, den Spitzensport aufzugeben. Mit dem Monoski kann ich heute zeigen, dass auch mit schwierigen Voraussetzungen sehr vieles möglich ist. Viel mehr, als wir uns vorstellen können.

Sie engagieren sich als Athletenbotschafter für die Organisation «Right To Play». Weshalb?
Als Sportler habe ich gelernt, dass man mit Wille und Einsatz viel erreichen kann. Sport trägt zudem viel zur positiven Entwicklung von Kindern bei und vermittelt ihnen wichtige Werte wie Fairness und Respekt. «Right To Play» ermöglicht Kindern in benachteiligten Ländern, Sport, Spiel und Spass selber zu erleben und damit auch andere Perspektiven zu erhalten. Das will ich als Botschafter unterstützen.

Was möchten Sie anderen Querschnittgelähmten mit auf den Weg geben – insbesondere auch, was die mentalen Stärken betrifft?
Niemand soll das Gefühl haben, dass seine Vorstellungen über Grenzen und Möglichkeiten immer der Realität entsprechen und automatisch Gültigkeit haben. Nur die Erfahrung kann aufzeigen, wo die Grenzen wirklich liegen. Um diese Erfahrung machen zu können, ist der Kopf und damit die mentale Stärke der wichtigste Faktor überhaupt. Wer seine Grenzen im Kopf überwinden kann, ist zu sehr vielem fähig – auch mit einer Querschnittlähmung.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Im vergangenen Oktober bin ich zum ersten Mal Vater geworden. Ich hoffe, dass unsere kleine Familie in Zukunft noch wachsen darf. Aber auch als Sportler habe ich weiterhin hohe Ziele. Im nächsten Winter stehen die Weltmeisterschaften in Kanada als Höhepunkt auf dem Programm. Was danach kommt, weiss ich im Moment noch nicht. Da wird auch die Familie ein wichtiges Wort mitreden.