Alles im Leben ist relativ. Robin Rehmann geht es heute relativ gut, «stabiler als auch schon», wie er sich ausdrückt. Statt bis zu 30 Stuhlgängen mit Krämpfen pro Tag sind es gegenwärtig noch rund 8, die ihn plagen. Die Last der Krankheit bestimmt schon lange seinen Alltag, im Beruf wie auch in der Freizeit.

 

Keine Vorankündigung

Das Spital ist für den 36-jährigen Radiomoderator quasi zur zweiten Heimat geworden. Er hat sie nicht gewählt, sie wurde ihm von seinem Körper aufgezwungen. Der Radiomoderator leidet unter Colitis ulcerosa. Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine in Schüben verlaufende Entzündung der Darmschleimhaut.

Typische Symptome sind wiederkehrende Durchfälle und Koliken. Plötzlich ist der Stuhldrang da, ohne Vorankündigung. Die Toilette muss immer in Reichweite sein, sonst können peinliche Situationen entstehen.

Gegen das Leiden ist nach wie vor kein Kraut gewachsen. Auch der besten medizinischen Betreuung – über die er dank Professor Dr. Gerhard Rogler vom Universitätsspital Zürich verfüge, wofür er sehr dankbar sei – ist manchmal kein Kraut gewachsen. Vor einer operativen Entfernung des Dickdarms schreckt er nach wie vor zurück. Sie käme für ihn nur als allerletzte Option in Frage, wenn wirklich kein anderer Weg mehr offensteht.

Ein bisschen Hoffnung schöpft Rehmann, der trotz seiner Krankheit im Gespräch alles andere als einen niedergeschmetterten Eindruck hinterlässt, durch eine neue Studie aus England und den Niederlanden. In einzelnen Fällen habe die Krankheit durch das Entfernen des Blinddarms zumindest verbessert werden können.

Bis es eines Tages vielleicht auch bei ihm so weit ist, bleibt aber nichts anderes übrig, als auf die bestehenden Pferde zu setzen: Neben dem unverzichtbaren Cortison ist das eine gesunde Ernährung. Er hat festgestellt, dass ihm besonders die Paleo-Ernährung guttut. Deren Grundlage sind möglichst unverarbeitete und natürliche Zutaten. Auf Süsses und Alkohol verzichte er vollständig, trinke viel Wasser und Tee. Fleisch vertrage er recht gut, auch Käse, nicht aber Brot und Teigwaren.

Dass die Beschwerden tendenziell zurückgegangen sind, führt Rehmann nicht zuletzt auf immer besser eingestellte Medikamente zurück. Im Übrigen versuche er, so gut wie möglich ein normales Leben zu führen, auch wenn ihm das manchmal schwerfalle. Sein Fitnessziel von dreimal pro Woche im Studio könne er nur unregelmässig einhalten.

 

Akzeptanz am Arbeitsplatz

Das berufliche Umfeld hat er wohl oder übel angepasst. Stress verstärke die Krankheitssymptome. «Ich mache keine Live-Sendungen mehr am Radio», sagt er. Die Vorstellung, eventuell mitten in einer Sendung dringend die Toilette aufsuchen zu müssen, löst schnell einmal einen Stressschub aus. Hinzu kommt, dass ein Radiomoderator am Pult in aller Regel stehen würde. «Ich bin froh, dass ich jetzt immer sitzen kann, und bin dadurch viel entspannter.»

Am Arbeitsplatz stosse er auf Verständnis, auch weil er offen über sein gesundheitliches Problem informiert habe – und dies in der breiten Öffentlichkeit nach wie vor tut. In seiner Radiosendung «Rehmann S.O.S. – Sick of Silence» lässt er Woche für Woche junge Menschen, die von einer chronischen Krankheit betroffen sind, zu Wort kommen. Wie erleben die jungen Menschen den Alltag, wie meistern sie ihr Leben, beispielsweise als an Leukämie oder Multiple Sklerose Erkrankte? Schon rund 40 Sendungen seien ausgestrahlt worden.

«Ich bin offen und extrovertiert, zudem kann man dieses Leiden nicht verstecken», antwortet er auf die Frage, weshalb er die Angelegenheit eigentlich nicht für sich behalten habe. Geteiltes Leid ist halbes Leid, auch dieses Motto schwinge natürlich ein bisschen bei seiner Öffentlichkeitsarbeit mit. Sich mit Gleichgesinnten und Betroffenen in einer ähnlich schweren Lage auszutauschen, tue gut, sagt Rehmann. Ein weiterer Vorteil liege darin, dass man dank vielen Dialogen auch immer wieder wertvolle Anregungen erhalte, zum Beispiel Ernährungstipps.

Und zum Schluss lacht er dann nochmals, obwohl ihm eigentlich wohl gar nicht so zum Lachen zumute ist.