In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts geschah für die Zähne von Herr und Frau Schweizer etwas ausserordentlich positives. Der Zahnpasta wurde Fluorid zugefügt. Seither haben sich Karies und seine Folgen massiv reduziert. « Für die Kariesprävention ist die Verwendung fluoridhaltiger Mundpflegeprodukte, insbesondere Zahnpasten, sehr wichtig », sagt PD Dr. Florian Wegehaupt, Leiter Präventivzahnmedizin und orale Epidemiologie des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich.

Regelmässige Interaktion

Fluorid wird in den Zähnen eingelagert und an ihrer Oberfläche aufgelagert wird. «Kommt es zu einem Säureangriff auf den Zahn, wird diese Schicht gelöst und das Fluorid freigesetzt», erklärt Wegehaupt. «Dann kann es mit dem Zahnschmelz interagieren, was den Zahnschmelz wiederum resistenter für den nächsten Säureangriff macht.

Da dieses Fluorid so jedoch immer wieder hinausgearbeitet wird, braucht es einen stetigen Nachschub. Den erreichen wir durch die Empfehlung, zwei Mal am Tag die Zähne zu putzen – natürlich mit Fluorid-Zahnpasta.»

Fluorid braucht man also regelmässig und man kann weder Vorarbeit leisten noch Pausen machen. Wer als Kind die Zähne gut mit Fluorid-Zahnpasta putzt und dann im Erwachsenenalter damit aufhört, wird genauso ein erhöhtes Kariesrisiko haben.

In Zahnpasta für Kinder gibt es jedoch niedrigere Konzentrationen von Fluorid, vor allem auch um Nebenwirkungen zu verhindern. «Diese Nebenwirkungen kommen aber sehr selten vor», sagt Wegehaupt. «Aus Langzeitstudien wissen wir, dass es kleine Flecken auf den Zähnen geben kann, die aber selten ästhetisch auffallen und die auch selten mit der Zahnpasta selbst zu tun haben.»

Die Plaque, also den Zahnbelag, der für die Kariesbildung verantwortlich ist, kann man nie komplett wegputzen und je mehr Zeit vergeht, desto mehr Schaden kann er anrichten. Deshalb ist es wichtig, dass man mit genug Fluorid arbeitet, um diese Auswirkung zu verhindern. Spätestens bei der Pensionierung sollte man sich überlegen auf eine Zahnpaste mit erhöhtem Fluoridgehalt zu wechseln, um Karies weiterhin bestmöglich präventiv zu verhindern, da mit zunehmenden Alter das Kariesrisiko häufig wieder ansteigt.

«Das ist jedoch nicht zwangsweise eine Seniorenzahnpasta, sondern eine für alle, bei denen die Risikofaktoren so stark sind, dass eine erhöhte Fluoriddosis notwendig ist», sagt Wegehaupt. «Zum Beispiel, wenn der Speichelfluss nicht normal funktioniert.»

Nur nützlich, oder auch schädlich?

«Fluorid ist ein Salz des Fluors», erklärt Wegehaupt. Wichtig sei die Unterscheidung zwischen Fluor und Fluorid. Wenn man Fluor nachschlägt, erkennt man, dass es ein giftiger Stoff ist. Das Salz davon ist es aber nicht, zumindest nicht in einer vernünftigen Dosis. «Fluorid ist definitiv nützlich. Es könne – wie bei jedem Stoff – aber auch zu viel Fluorid sein», sagt Wegehaupt. «Auf dem Schweizer Markt ist klar definiert, welche Produkte wann von wem zu benützen sind.

Aus Zahnpasta und ähnlichem kann quasi keine schädliche Dosis erreicht werden und diese Produkte können auch problemlos kombiniert werden. Eine schädliche Dosis kann nur dann entstehen, wenn hohe Mengen Fluorid im Trinkwasser vorkommen, wie beispielsweise in Australien oder in einigen arabischen Ländern. Oder wenn man übermässig Fluorid-Tabletten einnimmt, wie man es früher noch häufiger beobachten konnte.

Dann nimmt man Fluorid systemisch auf, also tief in den Organismus, und nicht bloss auf die Zahnoberfläche.» Besonders bei Kindern mit einer Fluorid-Überdosis können dann die erwähnten kleinen Flecken auf den Zähnen auftauchen, die man aber meistens nur erkennen kann, wenn man die Zähne trocknet, fotografiert und diese Bilder dann vergrössert.

In der Schweiz gäbe es das fast nie und wenn, seien es meistens Kinder, die in Gegenden geboren oder aufgewachsen sind, in denen es deutliche erhöhte Dosen an Fluorid im Trinkwasser gibt.

Wussten Sie’s?

Zahnschmelz ist eisenhart

Der Zahnschmelz ist das härteste Material, das im menschlichen Körper vorkommt: Es ist so hart wie Strassstein. Nicht ohne Grund sind es meistens die Zähne als einzige Überbleibsel, die von Archäologen bei Ausgrabungen gefunden werden. Dagegen kommen nur die Zähne der Napfschnecke an, die das härteste Biomaterial der Welt sind. Damit sind sie sogar härter als die stabilen Karbonfasern. Nur Fasern in kugelsicheren Westen sind in etwa genauso widerstandsfähig wie die Zähne der Schnecken.