Frau Dr. Gerber, wie kann jemand an einer Hornhaut erkranken?

Die Hornhaut, die vorderste Schicht des Auges und 0,5 bis 1 Millimeter dick, kann vor allem aus zwei Gründen erkranken. Zum einen gibt es Krankheiten, welche angeboren sind, sich eventuell aber erst im Alter entwickeln.

Zum anderen führen Unfälle wie Verätzungen, Verbrennungen, Perforationen, Schnittverletzungen, Schläge aufs Auge oder Infektionen der Hornhaut zu Eintrübungen der Hornhaut.
 

Bei welchen Menschen ist eine Hornhautverpflanzung sinnvoll und erfolgversprechend?

Das kann man nicht generell sagen. Im Einzelfall sollte immer ein Hornhautspezialist konsultiert werden, um über die Behandlungsmöglichkeiten Auskunft zu geben. Es gibt viele Hornhauterkrankungen, aber auch Narben oder Eintrübungen nach Infekten oder Unfällen, welche in den meisten Fällen gut mit einem Transplantat versorgt werden.


Wird immer die ganze Hornhaut verpflanzt

Nein, nicht in jedem Fall. Durch die Verbesserungen der Technik gibt es heute viele verschiedene Transplantationsarten mit erheblichen Vorteilen für die Patienten wie schnellere Sehverbesserung und geringe Abstossungsraten. In vielen Fällen können heute einzelne, bis zu 15 Mikrometer dünne Schichten transplantiert werden, also nicht mehr die ganze Hornhaut.
 

Kann man Hornhaut eigentlich nicht künstlich herstellen?

Leider nicht. Bis heute sind wir deshalb darauf angewiesen, dass Menschen nach ihrem Tod ihre Hornhaut spenden. Diese kann bis 72 Stunden nach dem Tod eines Patienten entnommen werden. Genau wie bei den Organspenden haben wir aber in der Schweiz einen grossen Mangel an Hornhautspenden.

Spenden kann fast jeder, auch noch im hohen Alter. Die Einwilligung zur Spende kann man schriftlich auf dem Organspendeausweis formulieren.
 

Wie sieht es mit der Verträglichkeit der Hornhaut von Spendern und Empfängern aus?

Da die Hornhaut frei von Blutgefässen ist, unterliegt sie anderen immunologischen Voraussetzungen als Organe. Für die Hornhauttransplantation ist weder eine Blutgruppen- noch eine HLA-Typisierung notwendig. Spender und Empfänger sind praktisch immer «kompatibel».

Nur selten kommt es zu Abstossungsreaktionen, welche aber lokal mittels Medikamenten erfolgreich behandelt werden können.
 

Gehen die Patienten ein Infektionsrisiko ein?

Nein. Infektionen werden vor der Transplantation durch Untersuchungen in der Hornhautbank ausgeschlossen. Infizierte Hornhäute oder Hornhäute von schlechter Qualität werden erst gar nicht für eine Transplantation freigegeben. Die Abläufe und Untersuchungen in den Hornhautbanken unterliegen strengen Richtlinien und werden vom Gesetzgeber regelmässig überprüft.
 

Wo bekomme ich weitere Informationen zum Thema?

Zusammen mit Swisstransplant haben wir eine Informationsbroschüre zum selben Thema erstellt, welche Ärzte und Patienten dort beziehen können. Zudem versuchen wir natürlich in den Kliniken auf die Problematik aufmerksam zu machen und stellen Organspendeausweise zur Verfügung.

Wichtig ist vor allem, ein solch sensibles Thema mit seinen Angehörigen zu besprechen und seinen Willen schriftlich im Sinne eines Organspendeausweises zu dokumentieren – auf dem Organe und Gewebe auch einzeln zur Spende freigegeben werden können – oder mittels einer Patientenverfügung.