Was einen guten Augenarzt oder -chirurgen ausmacht, ist nicht nur das technische Beherrschen einer Untersuchung oder eines Operationsvorganges. Es ist das Wissen, das es für die richtige Diagnose und Behandlung braucht, und besonders auch die Fähigkeit, allfällige Komplikationen zu meistern.

Ein erfahrener und motivierter Augenarzt wird selbst bei Eintreten von Komplikationen für den Patienten oftmals das gleich gute Ergebnis erzielen können wie bei unkompliziertem Eingriff. In den letzten Jahrzehnten haben hoch motivierte Ärzte gemeinsam mit Medizintechnikfirmen ein grosses Wissen und einen fantastischen Technikstand erarbeitet.


Das brachte der Bevölkerung einen enormen Gewinn an Lebensqualität und einen unschätzbaren volkswirtschaftlichen Nutzen.
 

Früher anders als heute

Früher lagen Patienten für eine Katarakt-Operation drei Wochen im Spital, die Erholungsphase dauerte weitere Monate und auch nach gelungenem Eingriff trugen die Menschen für den Rest des Lebens eine dicke und stark einschränkende Starbrille.

Ganz anders heute: Für Patienten mit grauem Star gibt es keine Frühinvalidität mehr, bereits nach ein bis fünf Tagen sind sie wieder einsatzfähig. Der sozioökonomische Nutzen durch erhaltene Arbeitsfähigkeit und unvergleichlich schnellere Erholung, welche die Bevölkerung dank der modernen Kataraktchirurgie und auch sämtlicher anderer ambulant-chirurgischer Eingriffe gewonnen hat, ist enorm.

Trotzdem hat der Bundesrat kürzlich die Kataraktoperation (Entfernung des grauen Stars und Ersetzen der trüb gewordenen eigenen Augenlinse durch eine Kunstlinse) und andere ambulant durchgeführte Operationen als viel zu teuer befunden und die entsprechenden Tarife per 1. Januar 2018 massiv reduziert.

Die Politik behandelt damit die Ärzte so, wie man es keiner anderen Berufssparte zumutet: Eine Routine-Kataraktoperation geht heute so viel schneller also noch vor 40 Jahren, dass man irrtümlich glaubt, das Honorar müsse nach den aufgewendeten Minuten justiert werden.

Kein Heizungsmonteur wird nur für die kurze Zeit zum Wechseln eines Ventils bezahlt, sondern für das Wissen, welches Ventil wo einzusetzen ist. Ebenso wird kein Ingenieur ausschliesslich für die Zeit bezahlt, die er für die endgültige Werkzeichnung benötigt.

Der politische «Geiz»

Aktuell sind die Umstände im Gesundheitswesen für die kommenden Augenchirurgen eher demotivierend, denn der neue bundesrätliche Tarif genügt kaum mehr, um einen Grossteil der ambulanten Operationen kostendeckend durchzuführen. (Man beachte: Der Operationssaal, die Instrumente und vor allem das unverzichtbare medizinische Hilfspersonal müssen vom Chirurgen mitbezahlt werden.)

Der politische «Geiz» beim Lohn des Arztes zeugt auch etwas von einer politischen Geringschätzung gegenüber einem Berufsstand, der so viel Verantwortung trägt. Damit die medizinisch-technische Wissensentwicklung weitergeht, bräuchte es aber unverändert die Motivation der begeistert tätigen Ärzte.

Denn der Weg nur schon bis zum Start ist weit: sechs Jahre für das Medizinstudium mit Staatsexamen, fünf Jahre Ausbildung zum Facharzt Ophthalmologie (Augenheilkunde), nochmals drei Jahre Ausbildung bis zum Facharzt Augenchirurgie.

Ungeachtet der gesundheitspolitischen Wetterlage wollen wir Augenärztinnen und Augenärzte der Bevölkerung weiterhin zu gesunden Augen verhelfen. Und dank der ebenfalls hoch motivierten Optiker und Optometristen ist auch eine qualitativ hochstehende Versorgung mit Sehhilfen möglich.

Novotny U., Eisner G. «Man zahlt den Arzt nicht für das, was er macht, sondern für das, was er weiss.» ophta 2018; 24: 20–21.