Im August dieses Jahres...

...hält die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) in Lausanne bereits ihre 100. Jahresversammlung ab. Seit ihrem Bestehen beteiligten sich Schweizer Hautärzte an translationalen Forschungsprojekten, um neue medizinische Konzepte in den Bereichen Immunologie, Allergologie, Molekularbiologie und Onkologie zu entwickeln.

Schweizer Dermatologen wirkten dabei immer wieder wegbereitend. Dazu gehörten in den Anfängen beispielsweise die klinischen Forschungsgruppen der Hautkliniken unter Josef Jadassohn in Bern, das weltweit beachtete Wirken von Bruno Bloch in Zürich und insbesondere auch dessen Schüler Marion Sulzberger, der 1952 die Cortisoncreme entwickelte.

Die Schweiz hält einen traurigen Rekord

Sämtliche immunologischen, hormonellen sowie durch Nerven und Gefässe ausgelösten Reaktionen können auch die Haut betreffen. Vor diesem Hintergrund haben Ergebnisse der dermatologischen Forschung stets auch für viele andere medizinische Spezialgebiete hohe Relevanz.

Bloch, Jadassohn und ihre Nachfolger legten mit den Erkenntnissen in den Bereichen von Unverträglichkeitsreaktionen und Krebs die Basis für die aktuell gültigen therapeutischen Konzepte. Diese Entwicklung setzt sich heute mit Forschungsergebnissen fort, bei denen Forschergruppen aus allen Schweizerischen Dermatologischen Universitätskliniken an international bedeutsamen Weiterentwicklungen massgeblich und oft führend beteiligt sind.

Aktuell beispielsweise in den Bereichen Schuppenflechte, autoinflammatorische Erkrankungen, Medikamentenreaktionen, Mikrobiomforschung und den neuen bahnbrechenden Erfolgen der gezielten, immunologischen Krebstherapie. Die dermatologische Onkologie spielt dabei eine immer wichtigere Rolle.


Denn die Schweiz hält einen traurigen Rekord: Sie gehört zu den Ländern mit der höchsten Hautkrebsrate. Jeder Dritte erkrankt im Laufe seines Lebens daran.
 

Die Gründe dafür: Die UV-Belastung der Schweizer Bevölkerung ist einerseits durch die Freizeit in den Bergen und andererseits durch häufige Reisen in sonnige Länder relativ hoch. Hautkrebs ist jedoch nicht nur der häufigste Krebs, sondern er nimmt auch weiterhin im Verhältnis zu anderen Krebsarten am stärksten zu. Bereits rund ein Drittel aller Pensionierten haben eine leichte Form von Hautkrebs.

Rund 25000 Personen erkranken in der Schweiz jährlich an aggressiveren Formen von Hautkrebs, davon 2400 am gefürchteten Melanom. Während die Sterblichkeit am Melanom mit rund 300 Todesfällen pro Jahr in den letzten Jahren unverändert blieb, nehmen besonders schwere Verläufe einer Form des hellen Hautkrebses (Stachelzellkarzinom oder Spinaliom), langsam zu.

Dieser Tumor tritt praktisch nur an sonnenexponierten Haut-Arealen auf. Personen, die hauptsächlich im Freien arbeiten und ihre Tätigkeit über viele Jahre ausüben, sind durch die UV-Belastung drei bis fünf Mal stärker gefährdet. Solche Berufskrankheiten, verursacht durch die Sonne, werden ein immer gewichtigeres Problem.

In Deutschland werden mittlerweile, unter bestimmten Voraussetzungen, Spinaliome und Präkanzerosen als Berufskrankheit anerkannt. «Gemäss Schweizerischem Unfallversicherungsgesetz können Ultraviolett-(UV-)bedingte Hautveränderungen als Berufskrankheit in Betracht kommen», liess  unlängst auch Dr. med. Hanspeter Rast, Arbeitsmediziner, Hautarzt und Experte der Schweizerischen Unfallversicherung SUVA, verlauten.

Die Herausforderung bleibe aber die Unterscheidung, wie viel vom Beruf und wie viel von den Freizeitaktivitäten verursacht wird. Wichtig ist die Meldung der verdächtigen Fälle an die Unfallversicherung. Die Hautärzte sind in der Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit wichtige Partner sowohl für betroffene Arbeitnehmende wie auch für die Unfallversicherung.

Wichtig für die medizinische Grundversorgung

In den letzten 100 Jahren waren Schweizer Dermatologen immer wieder Wegbereiter in internationalen Forschungsprojekten. Sie haben ihr über Jahrzehnte aufgebautes Wissen über Erkrankungen der Haut, der hautnahen Schleimhäute, der Haare und der Nägel über Generationen weiterentwickelt und ihr Wissen ganz in den Dienst ihrer Patienten gestellt.

Als kompetente Partner stellen sie rasche und zuverlässige Diagnosen sowie verzögerungsfreie Behandlungen sicher. Hautärztinnen und Hautärzte sind und bleiben auch in den nächsten 100 Jahren wichtig für die medizinische Grundversorgung der Schweiz.