Sie moderieren heute (Anmerkung der Redaktion 9.9.2017) den Europäischen Organspendetag auf dem Bundesplatz in Bern. Was bedeutet es Ihnen, hier zu sein?

Ich finde es grossartig, die vielen Menschen zu sehen, die heute hier auf dem Bundesplatz sind. Wir haben in der Schweiz eine sehr tiefe Organspenderate und es ist wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen.

Pro Woche sterben in der Schweiz zwei Menschen, weil ein Organ fehlt. Ich appelliere deshalb an alle: Überlasst eure Organe nicht den Würmern, ihr könnt damit noch so viel Gutes tun!

Wir haben heute ein grosses Fest hier und setzen uns gleichzeitig für eine wichtige Sache ein. Für mich die perfekte Kombination.

Weshalb gibt es in der Schweiz so wenig Organspender?

Ich denke, viele wissen schlicht zu wenig über das Thema Organspende oder haben kein Interesse daran. Es ist ja auch ein eher unangenehmes Thema, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

In den sozialen Medien werden Sie immer wieder mit harschen Kommentaren von Organspendegegnern konfrontiert. Wie reagieren Sie darauf?

Ich finde es völlig in Ordnung, wenn sich jemand gegen eine Organspende entscheidet. Wenn allerdings mit irgendwelchen abstrusen Verschwörungstheorien und Schauermärchen argumentiert wird, macht mich das wütend.

Solche Geschichten können potenzielle Spender davon abhalten, zu helfen. Und das darf nicht sein!

Wir sollten uns immer darüber bewusst sein, dass jeder von uns plötzlich auf ein Spenderorgan angewiesen sein könnte.

Sie leben mit einer unheilbaren Krankheit und haben eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Wie gehen Sie mit diesen Aussichten um?

Ich sage immer, die Krankheit begleitet mich, aber sie beherrscht mich nicht. Humor ist der Weg, der mir hilft, mit meiner Krankheit umzugehen. Meiner Meinung nach ist Humor etwas vom Wirksamsten, was es gibt.

Wenn ich lachen kann, geht es mir automatisch besser.  Was die Lebenserwartung anbelangt, bin ich zuversichtlich. Die Ärzte prophezeiten meinen Eltern, als ich ein Kind war, dass ich höchstens die Pubertät erreichen würde.

Nun bin ich Anfang 30 und noch immer fit und lustig. Mir geht es verhältnismässig sehr gut und im schlimmsten Fall muss man mich noch weitere 30 Jahre ertragen. Dennoch weiss man nie, was kommt. Deshalb mein Motto: Ich mache das, was ich gerne mache, und zwar sofort.

Setzen Sie sich damit auseinander, dass Sie irgendwann auf eine Spenderlunge angewiesen sein werden?

Ja sicher, das wird zwangsläufig kommen. Aktuell geht es mir sehr gut und ich stehe auf keiner Warteliste. Mir ist aber bewusst, dass sich mein Zustand sehr schnell ändern kann.

Gibt es auch Tage, an denen Ihnen der Humor vergeht?

Natürlich ist mir der Ernst der Lage sehr bewusst. Deshalb gibt es auch immer wieder Momente, in denen mich Ängste und Zweifel überkommen. Man darf die Krankheit nicht verdrängen, aber ihr auch nicht zu viel Platz geben. Mein tägliches Ziel ist es, die Krankheit nicht gewinnen zu lassen.

INFO

  • Wer kann Organe spenden?
    Jeder, ausser man leidet an einer aktiven Krebserkrankung, einer Prionenerkrankung (z.B. Creuzfeldt-Jakob) oder einer nichtbehandelbaren Blutvergiftung. Entscheidend sind der Gesundheitszustand und die Funktionsfähigkeit der einzelnen Organe. Eine obere Alterslimite gibt es nicht.
     
  • Wer kommt auf die Warteliste?
    Patienten mit schwerwiegenden Einschränkungen einer Organfunktion, bei denen alle anderen Therapiemöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind.
     
  • Welche Organe können gespendet werden?
     In der Schweiz können sechs menschliche Organe gespendet und transplantiert werden: Herz, Lunge, Leber, Niere, Dünndarm und Pankreas oder Bauchspeicheldrüse. Jeder kann selbst entscheiden, welche Organe er spenden möchte und das entsprechend auf dem Spenderausweis vermerken.
     
  • Wie werden Organe zugeteilt?
    Entscheidende Kriterien sind die medizinische Dringlichkeit, der medizinische Nutzen und die Wartezeit.
     
  • Wie werden die Organe entnommen?
    Die Organentnahme wird im Operationssaal von Chirurgen wie eine ganz normale Operation durchgeführt. Die Organentnahme verändert das Aussehen des Verstorbenen nicht, lediglich die Operationsnarbe ist zu sehen.
     
  • Was ist der Unterschied zwischen Koma und Hirntod?
    Wer im Koma liegt, lebt und kann wieder aufwachen. Das Gehirn einer Person im Koma wird noch durchblutet. Dies ist beim Hirntod nicht der Fall. Die Gehirnfunktionen einer hirntoten Person sind vollständig und irreversibel erloschen.

Quelle: Swisstransplant