Sich dem Problem stellen

Eine Suchterkrankung verursacht viel Leid bei den Betroffenen und kann schwere Folgen wie Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug oder Verschuldung nach sich ziehen.

Umso wichtiger ist es, sich seinen Suchtproblemen zu stellen und aktiv etwas dagegen zu unternehmen.

In der Schweiz gibt es verschiedene anerkannte Fachkliniken für die Behandlung von Menschen mit allen Formen von Abhängigkeitserkrankungen und Verhaltenssüchten.

Die letzte Rettung

Für Sabine war der Aufenthalt in einer solchen Klinik die letzte Rettung. «Ich hatte keine Lust mehr auf ein süchtiges Leben zwischen Entzug, Psychiatrie und sinnlosem Herumhängen. Ich wollte und musste zwingend etwas in meinem Leben verändern.»

Von einer «Sucht» spricht man, wenn das entsprechende Verhalten (zum Beispiel Trinken von Alkohol, Rauchen, bulimisches Essen) nicht oder kaum mehr kontrollierbar ist.

Selbst wenn das Suchtverhalten deutlich negative Auswirkungen hat, kann es nicht aufgegeben werden. Sabine entschloss sich deshalb zu einer Suchttherapie in einer Fachklinik.

Als Erstes musste sie einen dreiwöchigen Entzug machen, danach eine vier- bis sechsmonatige stationäre Entwöhnungstherapie.

«Mir war klar, dass der Entzug nicht leicht werden würde, wobei mir schon der Einstieg Mühe machte», erzählt Sabine. Zweifel an der Bereitschaft zur Therapie kamen auf, die sie auch in den folgenden Monaten von Zeit zu Zeit immer wieder plagten.

Abhängigkeit zu überwinden ist nicht einfach

Kurt Roth, Sozialpädagoge und Psychotherapeut, sind solche Situationen bestens bekannt.

«Abhängigkeit, egal ob von Alkohol, Tabletten oder illegalen Drogen, und Verhaltenssüchte wie Spiel- oder Onlinesucht zu überwinden, ist nicht einfach», hält er fest.

Laut Kurt Roth kann die Behandlung einer Suchterkrankung nur erfolgreich sein, wenn die vielfältigen und individuell unterschiedlichen Ursachen in der Therapie angemessen berücksichtigt werden.

Auch der Aufbau einer positiven Lebensperspektive sei ganz wichtig.

Und Sabine? Sie hat ihre Therapie erfolgreich abgeschlossen und die Klinik Ende Juli verlassen. Sie lebt glücklich zusammen mit ihrem Freund in einer Wohnung, ist stabil und hat auch wieder eine Arbeit gefunden.

INFO

Als «Droge» bezeichnet man jede Substanz, die das zentrale Nervensystem (Wahrnehmung, Gefühle, Emotionen, Motorik) beeinflusst und das Bewusstsein verändert. Drogen können körperliche und/oder psychische Abhängigkeit hervorrufen.

Nicht nur die illegalen Drogen wie Heroin oder Kokain, sondern auch die legalen wie Nikotin, Alkohol und im Prinzip auch Medikamente.

Der Begriff «Betäubungsmittel» hat eine rein juristische Bedeutung. Man bezeichnet damit alle Drogen, die auf der Liste der verbotenen psychotropen (bewusstseinsverändernden) Substanzen stehen.

Diese Liste umfasst nicht alle Drogen, sondern nur die illegalen, zum Beispiel Halluzinogene, Amphetamine, Cannabis, Kokain. Das sind gefährliche Substanzen − aber andere, ebenfalls gefährliche Drogen wie Alkohol oder Tabak gelten nicht als Betäubungsmittel.

Man unterscheidet im Allgemeinen Substanzen, die

  • beruhigen oder dämpfen (zum Beispiel Alkohol, Beruhigungsmittel, Opiate, Cannabis)
  • aufputschen (zum Beispiel Kokain, Ecstasy oder Amphetamine) oder
  • Halluzinationen hervorrufen (zum Beispiel LSD oder halluzinogene Pilze)